Louis Vuitton Cup "Wight Lightning" feuert Steuermann
Auckland - An einem Tag, als der Wind allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung machte, hat das britische Segelsyndikat "GBR Challenge" eine wichtige Personalentscheidung getroffen. Mit sofortiger Wirkung ist der bisherige Steuermann Andy Green, 28, auf der "Wight Lightning" seines Amtes enthoben worden. Weil sich Green in den letzten Rennen bei den Startmanövern einige Schnitzer leistete, ist er durch Andy Beadsworth ersetzt worden.
"Zeit, etwas zu ändern"
"Andy Green ist ein wichtiges Mitglied unseres Teams, aber die letzten Starts waren sehr enttäuschend, und wir alle dachten, es ist Zeit, etwas zu ändern", begründete die Teamsprecherin Vicky Low die Entscheidung. Die "Wight Lightning", finanziert von dem Computerunternehmer Peter Harrison, liegt mit einem Sieg in vier Rennen derzeit an siebter Stelle von neun Herausforderern, die sich für den "America Cup" qualifizieren wollen. Zu wenig für die 30 Millionen investierten Dollar, wie Geldgeber Harrison findet. Nur die italienische "Mascalzone Latino" und die französische "Le Defi Areva", die beide bislang sieglos sind, liegen hinter den Briten.
Starts sind bei einem Format wie dem "Louis Vuitton Cup" von entscheidender Bedeutung. Ein guter Start aus der optimalen Position bedeutet oft einen großen Vorsprung. Am Samstag manövrierte Green sein Boot vor dem Startschuss zu nah an das des Gegners, der amerikanischen "One World", sodass sich beide Schiffe berührten und die Briten einen Strafrunde drehen mussten, die ihnen wichtige Zeit kostete. "Es war mein Fehler, aber bei solchen Manövern entscheiden oft Zentimeter, ob man einen guten Start hat oder wie ein Idiot ausschaut", gab Green anschließend zu.
Auch die folgenden Tage verliefen nicht viel glücklicher für den Steuermann, denn am Sonntag verhedderte sich das Hauptsegel, als sich das Team für das Duell gegen die "Le Defi Areva" bereit machen wollte. Die Folge: Die "Wight Lightning" kam zwei Minuten zu spät in den Startraum und musste ein Strafrunde drehen. Am Dienstag wurden die Briten nach dem Start von der bedeutend schwächer eingeschätzten "Mascalzone Latino" abgehängt, doch zum Glück für Andy Green und seine Crew wurde das Rennen wegen schwacher Winde abgebrochen.
Flaute legt die Schiffe lahm
Ob der neue Mann hinter dem Steuer der "Wight Lightning" die Wende herbeiführt, bleibt abzuwarten. Am Mittwoch konnte Andy Beadsworth sein Können jedenfalls nicht unter Beweis stellen, denn wiederum mussten die Rennen wegen zu schwacher Winde abgesagt werden. Ein hartnäckiges Hochdruckgebiet über Auckland machte sportliches Segeln unmöglich. Weil die Wetterexperten auch für die nächsten Tage mit anhaltenden leichten Winden rechnen, könnte es im "Louis Vuitton Cup" zu einer Premiere kommen: Sollten auch am
Donnerstag keine Rennen zu Stande kommen, müssen die Teams am Freitag erstmals in der Geschichte der Herausforderer-Serie gleich zwei Mal starten, denn für Sonnabend rechnen die Meteorologen mit erneuten
Wetter-Kapriolen an der Pazifik-Küste. Erwartet wird ein Sturm mit sechs bis sieben Windstärken.
Neun Syndikate aus sieben Ländern starten beim "Louis Vuitton Cup", der Ausscheidung für den 31. "America's Cup". Jede Yacht segelt zweimal gegen jeden Rivalen. Das schwächste Boot scheidet am 1. November aus. Danach ermitteln die acht verbliebenen Yachten bis Ende Januar 2003 im K.o.-Verfahren den Herausforderer von Titelverteidiger Neuseeland.