Marion Jones: Absturz eines Superstars - DER SPIEGEL
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Marion Jones Absturz eines Superstars

In Sydney gewann sie dreimal Gold, doch seitdem hat sich das Leben der Marion Jones komplett verändert. Sie wird des Dopings verdächtigt und scheiterte in der US-Olympia-Qualifikation über 100 und 200 Meter. In Athen ging es für die einst umjubelte Athletin trotzdem noch weiter bergab.
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Athen - "Meine wildesten Träume wurden in negativster Weise Realität. Es war der brutale Höhepunkt eines schrecklichen Jahres", sagte Jones, nachdem sie bei ihren einzigen beiden Auftritten in Athen ihr persönliches Desaster erlebt hatte. Disqualifiziert mit der 4x100-Meter-Staffel, Rang fünf im Weitsprung. Vier Jahre, nachdem sie in Sydney mit dreimal Gold und zweimal Bronze Geschichte geschrieben hatte, folgte der totale Absturz.

Im Weitsprung hatte sie zwar insgeheim mit einer Medaille gerechnet, doch die 6,85 Meter - 20 Zentimeter hinter Bronze - bewegten sich noch im Rahmen. Schlimmer, weil unerwartet, war da schon ihr Scheitern mit der hoch favorisierten 4x100-Meter-Staffel.

"Alles Verleumdungen"

"Wir wollten Weltrekord laufen, schneller sein als die DDR-Mädchen 1985 - und dann dies", sagte Jones, nachdem das Unternehmen Gold durch die Disqualifikation der Staffel gescheitert war. Lauryn Williams war so schnell gestartet, dass Jones ihr den Staffelstab beim zweiten Wechsel nicht hatte übergeben können. Beide überliefen die Wechselmarke, die Staffel wurde ausgeschlossen. Erstmals seit 1980 in Moskau gab es keine 4x100-Meter-Medaille für die USA.

Einiges spricht dafür, dass sich die Leidensgeschichte der Marion Jones auch nach den Olympischen Spielen fortsetzen wird. Zusammen mit ihrem Lebenspartner Tim Montgomery, der als Weltrekordler über 100 Meter bei den US-Trials ebenfalls an der Olympia-Qualifikation gescheitert war, wird sie weiterhin des Dopings verdächtigt. "Ich habe nichts Verbotenes genommen. Alles Verleumdungen", beteuert sie.

Doch Fakt ist, dass im Jahr 2000 unter ihrem Namen Medikamente im Wert von knapp 7000 Dollar vom kalifornischen Dopinglabor Balco bezogen wurden. Noch stärker wird Montgomery durch Balco-Unterlagen belastet. Sein 100-Meter-Weltrekord (9,78) soll Produkt eines jahrelangen Dopingprogramms gewesen sein. Leicht möglich, dass seine Karriere bald beendet ist. Denkbar, dass auch Marion Jones nicht mehr lange laufen darf.

Einziger Trost für ihre Staffelkolleginnen: Hätten sie Gold gewonnen und Marion würde der Einnahme verbotener Substanzen überführt, wäre die Medaille eh verloren gewesen.