Martin Schmitt: "Fehlt nur noch, dass er krank wird" - DER SPIEGEL
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Martin Schmitt "Fehlt nur noch, dass er krank wird"

Obwohl noch nichts verloren ist, ist ein Sieg für Martin Schmitt bei der Vierschanzentournee in weite Ferne gerückt. Sein Trainer hat bereits einen Nebenkriegsschauplatz eröffnet.
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Garmisch-Partenkirchen - Am Tag nach dem Neujahrs-Absturz gab sich Martin Schmitt wieder zuversichtlich. "Ganz klar: Ich greife in Innsbruck wieder an. Noch ist nichts verloren", so der 22-Jährige. Während sich Schmitt und Co. nach einem Krafttraining Richtung Österreich verabschiedeten, versuchte die Mannschaftsführung mit Ablenkungsmanövern den Druck von ihrem flatternden Vorflieger zu nehmen. Der Halbzeit-Rückstand des drittplatzierten Schwarzwälders auf Spitzenreiter Noriaki Kasai (Japan) ist mit 18,5 Punkten schon beachtlich, auch der Pole Adam Malysz ist 9,3 Zähler besser.

"Ich bin überzeugt, dass Martin von hinten angreift"

"18 Punkte Rückstand sind viel und auch wieder nicht viel. Ich bin überzeugt, dass Martin von hinten angreift. Ich habe seine Augen schon leuchten sehen", erklärte Bundestrainer Reinhard Heß. Nachdem er Schmitts Absturz auf Rang acht trotz klarer technischer Fehler im ersten Durchgang erneut auf das "Windpech" geschoben hatte, eröffnete der Coach einen Nebenkriegsschauplatz. Die Tournee habe wegen der zu großen und nicht mehr kontrollierbaren Anfahrtsgeschwindigkeiten ein Sicherheitsproblem. Schmitt mit 133 Metern in Oberstdorf und Malysz mit 129,5 Metern in Garmisch-Partenkirchen hatten die Schanzenrekorde pulverisiert, ihre Sprünge im Grenzbereich jedoch sicher gestanden.

Die künstlich angezettelte Diskussion soll wohl die Jurys an den Schanzen von Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) beeinflussen, da der absprungkräftige Schmitt bei niedrigen Anfahrtsgeschwindigkeiten Vorteile hätte. Missglückt die Operation Gesamtsieg nämlich auch beim dritten Anlauf, könnte der Grand Slam der Skispringer endgültig zum Albtraum für Schmitt werden.

"Martin muss mit eigenen Erwartungen fertig werden"

"Der Ablauf erinnert fatal an die vergangene Tournee. Fehlt bloß noch, dass Martin krank wird", gibt Heimtrainer Wolfgang Steiert zu. Bei der Tournee 1999/2000 hatte Schmitt nach einem Auftaktsieg (wie diesmal) mit Platz elf an Neujahr den Gesamttriumph verspielt und anschließend in Österreich mit einer Bronchitis und Brechreiz gekämpft.

"Man kann zwar versuchen, Martin abzuschirmen, aber er muss trotzdem damit und mit seinen eigenen Erwartungen fertig werden", sagt Co-Trainer Henry Glaß. Schmitt verbirgt seine Emotionen hinter einem verkrampften Lächeln, er ist sichtlich angeschlagen. Die Verpflichtungen in der Rolle als Skisprung-Millionär zehren an den Nerven. "Einen Tourneesieg kann man sich halt nicht kaufen", lautet Schmitts schnippische Antwort auf die immer wieder gestellten Fragen.

Hannawald hat sich an Schmitt herangepirscht

Derweil hat sich Sven Hannawald mit zwei fünften Plätzen als Gesamtvierter bis auf 2,5 Punkte an Schmitt herangepirscht. Ambitionen auf den bei 21 Punkten Rückstand auf Kasai durchaus möglichen Gesamtsieg weist der Tiefstapler noch weit von sich: "Ich bin froh, dass ich mich unter den ersten Sechs etabliert habe. Es bringt überhaupt nix, wenn ich jetzt mit einem Platz auf dem Treppchen spekuliere. Dann verkrampfe ich hundertprozentig."

Allerdings fügt der 26 Jahre alte Skiflug-Weltmeister an, dass er in Innsbruck 1998 immerhin seinen ersten Podestplatz im Weltcup geholt hat und in Bischofshofen den Schanzenrekord hält: "Meine Sprünge sind noch nicht perfekt. Ich kann mich noch steigern." Auf Martin Schmitt kommen offenbar schwere Zeiten zu.

Von Lars Becker, sid