Masters Cup: Agassi stoppt Schüttlers Siegeszug - DER SPIEGEL
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Masters Cup Agassi stoppt Schüttlers Siegeszug

Die Tennissaison endete für Rainer Schüttler wie sie begonnen hatte. Mit einer Niederlage gegen Andre Agassi. Doch beim Masters Cup in Houston hat sich Schüttler mit seiner Spielweise viele Freunde gemacht.
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Houston - Rainer Schüttler ist im Halbfinale des Tennis Masters Cups in Houston an Andre Agassi und seinen Nerven gescheitert. Der 27-Jährige unterlag nach einer zunächst starken Leistung mit 7:5, 0:6, 4:6 und vergab damit den möglichen Endspieleinzug gleich bei seiner Premiere im Jahres-Finalturnier der acht weltbesten Profis. Ihm misslang damit auch die Revanche für die Niederlage im Finale der Australian Open im Januar in einem ähnlich wichtigen Turnier. Bereits im August hatte Schüttler den Ehemann von Steffi Graf allerdings in Montreal erstmals in seiner Laufbahn bezwungen.

Die Niederlage diesmal war aber wesentlich überflüssiger als in Melbourne. Schüttler hatte den Amerikaner nach dem ersten Satz scheinbar im Griff, verlor aber zu Beginn des zweiten Satzes völlig den Faden und die Nerven, als er im ersten Spiel bei eigenem Aufschlag den Schläger verlor und ein Break kassierte. Er gab die nächsten acht Spiele in Folge ab und schenkte damit das Match geradezu weg. Andre Agassi greift damit nach seinem zweiten Masters-Titel nach 1990. Er wäre mit 33 Jahren der älteste Spieler, der jemals das Finalturnier der ATP Tour gewinnt.

"Rainer hat Pech gehabt"


Im Finale an diesem Sonntag trifft Agassi auf den Schweizer Roger Federer, der sich nicht erst beim 7:6 (7:2), 6:2 gegen den Amerikaner Andy Roddick zum WM-Favoriten mauserte. "Rainer hat Pech gehabt. Er hat sehr gut gespielt; ich musste alles geben", sagte Agassi. Der 33-Jährige bestätigte ohne lange nachzudenken, dass dieser Sieg weit glücklicher war, als jener im Januar im Finale der Australian Open (2:6, 2:6, 1:6).

Obwohl Schüttler seitdem einen steilen Aufstieg in der Tennisszene vollzogen und sein erfolgreichstes Jahr seit dem Start seiner Profikarriere erlebt hat - die Saison wird er auf Platz sechs im Champions Race beenden - ärgerte sich der Hesse über die verpasste Gelegenheit beim Masters Cup: "Natürlich bin ich unheimlich enttäuscht, nicht im Finale zu sein. Aber ich bin auch stolz darauf, was ich geleistet habe. Mich hat doch keiner im Halbfinale erwartet", so Schüttler, "aber heute war Andre einfach zu stark. Er nutzt jeden kleinen Fehler gnadenlos aus. Deshalb ist er ja auch einer der besten Tennisspieler, die es je gegeben hat."

Die Partie begann vor 7500 Zuschauern im ausverkauften Westside Tennisclub mit einer Verspätung von rund 100 Minuten, denn als das Match um 13 Uhr Ortszeit beginnen sollte, kam der große Regen. Erstmals mussten die grünen Plastikplanen über den Platz gezogen werden, Schüttler und Agassi zogen sich in ihre Kabinen zurück.

Agassi spaziert durch den zweiten Satz


Als es endlich losging, spielte Schüttler zunächst fast fehlerlos. Die Partie war ein ausgeglichener Schlagabtausch, ohne das einer der Akteure Schwächen zeigte. Der Deutsche war gegenüber dem Finale von Melbourne, wo er von Agassi geradezu überrannt wurde und insgesamt nur fünf Spiele gewann, nicht wieder zu erkennen. Das gewonnene Selbstvertrauen war unübersehbar. Bis zum 5:5 ging kein einziges Spiel über Einstand, Agassi schaffte das bei Schüttlers Service als erster, doch der Deutsche blieb völlig unbeeindruckt und gewann den Punkt. Den ersten Breakball holte sich Schüttler gleich anschließend mit einem fantastischen Stopp und nutzte ihn zum Satzgewinn.

Beim Aufschlagsspiel zu Beginn des zweiten Satzes führte Schüttler bereits mit 40:15 und nach einem guten Passierball von Agassi mit 40:30, als Schüttler beim Service seinen Schläger verlor. Danach verlor der Korbacher unerklärlicherweise völlig den Faden. Der bis dahin verunsichert wirkende Amerikaner kam besser in die Partie und spazierte zum 6:0-Satzgewinn.

Auch der entscheidende dritte Durchgang begann sofort mit einem Break für den Amerikaner. Schüttler schaffte im dritten Spiel seinerseits ein Break. Doch im wegweisenden siebten Spiel nahm Agassi dem Korbacher den Aufschlag zum 4:3 ab. Schüttler kämpfte zwar weiter verbissen, der Amerikaner jedoch nutzte bei den entscheidenden Ballwechseln seine ganze Routine und verwandelte nach zwei Stunden und sieben Minuten seinen zweiten Matchball zum Sieg.