Masters Cup Gustavo Kuerten Champion 2000
Lissabon - Mit 6:4, 6:4, 6:4 bezwang der 24-Jährige den sechs Jahre älteren Agassi im Finale des Masters Cup. Der deutschstämmige Kuerten, der von den 11.000 Zuschauern sowie seiner aus dem Rheinland stammenden Oma Olga Schloesser und Mutter Alice stürmisch gefeiert wurde, krönte seine berauschende Saison. Zum zweiten Mal hatte er 2000 die French Open gewonnen und danach 16 Wochen den Spitzenplatz gehalten. Als Lohn durfte er 1,4 Millionen Dollar mit nach Florianopolis an der brasilianischen Sonnenküste nehmen.
"Guga hat's verdient", sagte der enttäuschte Safin, der bis zuletzt gehofft hatte. "Er war ganz einfach besser als ich. Das muss man akzeptieren." Die 3:6, 3:6-Halbfinal-Niederlage gegen Agassi hatte den 20-Jährigen am Samstag aus allen Träumen gerissen. Es war der Anfang vom Ende; der vorgezogenen Schlusspunkt einer Erfolgsstory, die ihn lange als jüngste Nummer eins der Geschichte und letztlich um 15 Punkte geschlagenen Zweiten beschreibt.
"Auch Marat hätte es verdient gehabt", meinte Kuerten. Zeit für derlei Freundlichkeiten nahm sich der Paris-Sieger auf dem lila eingefärbten Center Court nicht. Mit traumwandlerischer Sicherheit platzierte er von Beginn an seine Bälle und schaffte gleich im ersten Spiel ein Break. Agassi hatte zwar die richtige Taktik gewählt und trieb den unter Rückenproblemen leidenden Brasilianer von einer Ecke in die andere, doch Kuerten brachte alle Bälle zurück.
Überdies beeindruckte er - wie schon gegen Grand-Slam-Rekordhalter Sampras - mit harten und platzierten Aufschlägen. Dadurch hatte der Weltmeister von 1990, der den Vorrunden-Vergleich zu Beginn des mit 3,7 Millionen Dollar dotierten Masters Cups in drei Sätzen gewonnen hatte, nicht den Hauch einer Chance zum Ausgleich. Auch im zweiten und dritten Durchgang reichte "Guga" ein Break (zum 3:2) zum verdienten Sieg gegen einen starken Gegner.
Schon vor dem Match wusste Kuerten, dass mit jeder Spielminute die Chancen für Agassi wachsen würden. "Ich muss versuchen, in drei Sätzen zu gewinnen", meinte er. Denn die Probleme im Rücken, die ihn schon in Paris vor einem guten halben Jahr geplagt hatten, machten auch in der Woche von Lissabon immer wieder Behandlungspausen notwendig.