Masters Cup Kuerten im Finale gegen Agassi
Lissabon - Der French-Open-Sieger aus Brasilien bezwang in der Vorschlussrunde den US-Amerikaner in einem mitreißenden Match über 2:13 Stunden mit 6:7 (5:7), 6:3, 6:4 und zog bei seiner zweiten Teilnahme erstmals ins Endspiel ein. Sein Gegner Andre Agassi, dem er in der Vorrunde unterlag, wehrte den Angriff des unter einer schmerzhaften Fußverletzung gehandicapten Youngsters Marat Safin mit Erfolg ab und blieb beim 6:3, 6:3 in 1:28 Stunden auch im vierten Spiel ungeschlagen.
"Das ist einer der größten Momente in meiner Karriere. Ich fühle mich, als hätte ich das Turnier schon gewonnen", sagte Kuerten nach dem überraschenden Ausgang des Halbfinales, in dem sich zum ersten Mal in der WM-Geschichte die vier Grand-Slam-Sieger der Saison gegenüber standen: Agassi als Gewinner der Australian Open sowie Kuerten (French Open), Sampras (Wimbledon) und Safin (US Open).
Der 29-jährige Sampras kämpfte wie ein Löwe und war zunächst auch der dominierende Akteur. Kuerten verschlief den Start, schaffte aber bereits zum 2:3 das Rebreak. Zwar verlor er danach auch den ersten Satz im Tiebreak, aber dann ging seine Aufholjagd richtig los. Wie verwandelt trumpfte der 24-Jährige nun auf und hatte im entscheidenden Moment stets die bessere Antwort parat. Jung-Ehemann Sampras versuchte alles, konnte seinem frech aufspielenden Kontrahenten aber nicht wirkungsvoll Paroli bieten. Drei Monate Hochzeitspause und fast keine Vorbereitung forderten schließlich ihren Tribut.
Gleich zwei Mal knickte Marat Safin im Verlaufe des ersten Satzes um. Seinen Aufschlag hatte er zu diesem Zeitpunkt allerdings schon einmal abgegeben. Im fünften Spiel zog der 30-jährige Agassi urplötzlich das Tempo an und trieb seinen zehn Jahre jüngeren Kontrahenten gnadenlos über den lila eingefärbten Court. Beim Stand von 3:5 blieb Safin abermals auf dem stumpfen Boden hängen und humpelte zur Bank, wo er minutenlang behandelt wurde. Mit einem festen Verband um den rechten Fuß nahm er den Kampf wieder auf und gab Sekunden später den ersten Satz ab.
Die Partie schien entschieden. Doch der fußkranke Safin biss die Zähne zusammen und kämpfte. Im achten Spiel platzten aber auch seine letzten Hoffnungen, als Agassi mit einem Passierball das Break zum 5:3 schaffte. Auf der Zielgeraden der Saison musste Safin um Platz eins der Weltrangliste fürchten, den ihm Kuerten allerdings nur durch den Masters-Sieg noch vor der Nase wegschnappen kann.
Dazu musste der Brasilianer freilich erst einmal das Halbfinal-Konzert der Grand-Slam-Sieger überstehen. Zum ersten Mal überhaupt standen die vier Sieger in Australien (Agassi), Paris (Kuerten), Wimbledon (Sampras) und Flushing Meadows (Safin) beim Saisonfinale gemeinsam in der Vorschlussrunde.
Steffi-Graf-Freund Agassi hat in den vier Matches von Lissabon nur einen Satz abgegeben. Vor einem Jahr in Hannover war er gar ungeschlagen und ohne Satzverlust ins Finale gestürmt. Umso niedergeschlagener war er damals, als ihn Sampras in drei Sätzen mit 1:6, 5:7, 4:6 förmlich aus der Expo-Halle trieb.