Masters Cup Sampras im Halbfinale
Lissabon - Bis in die Haarspitzen motiviert, hat Pete Sampras den Kopf noch einmal aus der Schlinge gezogen. Als es darauf ankam, zeigte "Peter Perfect" am Freitag beim Tennis Masters alte Klasse und schickte den Weltranglisten-Ersten Marat Safin in 1:03 Stunden mit einer 3:6, 2:6-Niederlage vom lila Court.
Mit der Energieleistung der Sonderklasse zog der US-Amerikaner zum zehnten Mal ins Halbfinale einer WM ein, das Russlands neues Aushängeschild bei seiner Premiere schon vor dem abschließenden Match der Roten Gruppe erreicht hatte.
"Ich wollte ihn aggressiv unter Druck setzen, und das hat wunderbar geklappt", sagte Sampras. Im Halbfinale trifft der Jung-Ehemann, der nach fast dreimonatiger Hochzeitspause in seinem dritten Auftritt seiner Topform schon wieder sehr nahe kam, am Sonnabend auf den Sieger der Nachtpartie zwischen dem Brasilianer Gustavo Kuerten und Jewgeni Kafelnikow aus Russland. Safin bekommt es mit Andre Agassi zu tun.
Der andere US-Amerikaner im Achterfeld konnte sein Tagwerk in der Grünen Gruppe in aller Seelenruhe in Angriff nehmen. Schon vor seinem 6:3, 6:2-Sieg gegen den chancenlosen Schweden Magnus Norman stand Agaasi als Gruppensieger fest.
Schon der erste Ballwechsel beim Duell Sampras gegen Safin ließ erkennen, wem die Stunde geschlagen hatte. Wie ein Statist wirkte Safin, dem bis zum Stand von 0:3 lediglich ein Punkt gelang. Erst dann wachte der 20-Jährige auf, konnte den stürmischen fünffachen Weltmeister aus Beverly Hills jedoch nicht stoppen.
Nach 29 Minuten war der erste Satz gelaufen, und Sampras schien die Horrorvorstellung, wie 1990 das Semifinale beim Saisonhöhepunkt zu verpassen, abhaken zu können. Damals - es war bei elf WM- Teilnahmen das einzige Mal - unterlag er dem Schweden Stefan Edberg und seinem Landsmann Agassi und schied nach den Gruppenspielen aus.
Safin hätte ihm diesen Schlag ein zweites Mal versetzen können. Ausgerechnet jener Safin, der dem siebenfachen Wimbledon- und 13fachen Rekord-Grand-Slam-Sieger in Flushing Meadows den US-Open- Triumph verdorben hatte. Das Match konnte der Russe im zweiten Durchgang zunächst weitgehend ausgeglichen gestalten. Doch man merkte ihm deutlich an, dass der Sieg nicht zwingend notwendig war, um ins Halbfinale zu kommen.
"Marat ist ein toller Spieler und wird mit Sicherheit ein riesiger Champion werden, aber heute wollte ich es ihm nochmal zeigen", sagte Sampras anschließend sichtlich zufrieden, "außerdem ging es für mich ja darum, abzureisen oder hier zu bleiben, und da habe ich mich für das Hierbleiben entschieden."
Auf dem besten Weg in die Runde der letzten Vier ist auch Jewgenij Kafelnikow. Der Olympiasieger riss mit einem ähnlichen Kraftakt sein Auftaktmatch aus dem Feuer. Im 99. Einzel der Saison kämpfte der Russe den Schweden Magnus Norman in 2:08 Stunden mit 4:6, 7:5, 6:1 nieder und feierte seinen 66. Sieg in diesem Jahr. In der Grünen Gruppe setzte sich der 26-Jährige neben Andre Agassi an die Spitze der Tabelle. Der 30 Jahre alte WM-Senior aus den USA hatte in der Nacht zuvor den angeschlagenen Brasilianer Gustavo Kuerten ebenfalls in drei Sätzen geschlagen.
Olympiasieger Kafelnikow war als letzter der acht weltbesten Profis erst am Montag bei dem mit 3,7 Millionen Dollar dotierten Masters Cup eingetroffen. Gegen Norman schien der Vielspieler aus Sotschi mit Zweitwohnsitz Karlsruhe seinem Mammutprogramm Tribut zollen zu müssen. Doch der Melbourne-Finalist, der am Donnerstag die Australian-Open-Revanche gegen Agassi bestreitet, zeigte Kämpferherz und seine spielerischen Fähigkeiten. Vor allem seine Crossbälle verzauberten die Zuschauer, die in der Schlussphase um den Sieger bangten, als er sich an der rechten Hand behandeln lassen musste.