Jordans Schuhe: Zweimal "23" für 104.765 Dollar
104.765 Dollar für Jordans Schuhe Der Superstar und das Apfelmus
Hamburg - Ein Paar Turnschuhe, US-Größe 13, 16 Jahre alt und bereits getragen: Was würden Sie dafür bezahlen? 30 Euro? 10 Euro? Oder eher gar nichts?
In den USA hat nun ein Liebhaber bei einer Online-Auktion 104.765 Dollar, rund 76.000 Euro, für das Paar bezahlt. Auch dem Käufer werden die Schuhe wahrscheinlich zu groß sein, die Schuhe gehörten dem Größten: Michael Jordan.
Der beste Basketballspieler der Geschichte hatte das Modell aus seiner eigenen Kollektion am 11. Juni 1997 getragen, in einem Spiel, das selbst für Jordans Verhältnisse ein ganz besonderes war und als "Flu Game" ("Grippe-Spiel") in die Sportgeschichte einging. Verkauft hat die Schuhe Preston Truman, ein ehemaliger Balljunge der Utah Jazz.
Mit den Chicago Bulls stand Jordan damals in den NBA-Finals gegen Utah; Jordan, Scottie Pippen und Dennis Rodman gegen Karl Malone, John Stockton und Jeff Hornacek.
"Kein Apfelmus, keine Autogramme"
2:2 stand es nach vier Partien, als nächstes stand wieder ein Heimspiel der Bulls an. So wichtig der Superstar auf dem Platz war, so festgefahren war er in seinen Ritualen. Selbst "His Airness" vertraute nicht nur auf sein Können. So musste die Mittagsmahlzeit am Spieltag stets die gleiche sein (Steak), bei jedem Spiel trug Jordan zudem Shorts der Universität von North Carolina unter der Bulls-Hose.
Und wenn er bereits in der Halle war, das Spiel aber erst in einigen Stunden anfing, musste der immergleiche Snack her: Graham Cracker und Apfelmus. Doch als die Bulls im November 1996 in Utah spielten, fehlte der Dip einmal, Jordan war not amused: "Wenn ich kein Apfelmus bekomme, gibt es nach dem Spiel keine Autogramme für die Balljungen."
Truman stand in der Nähe und hatte die Drohung mitbekommen, jetzt musste es schnell gehen: In 45 Minuten sollte das Spiel anfangen. Die "Salt Lake Tribune" berichtet, Truman sei damals durch die Jazz-Halle, das damalige "Delta Center" gerannt, laut rufend: "Ich suche Apfelmus für Michael Jordan."
Tatsächlich wurde Truman fündig, in einer Speisekammer fand sich eine Großpackung, mit dem Eimer und einem Löffel kehrte der damals 18-jährige Balljunge zu Jordan zurück. Der lächelte und fragte den Lieferanten nach seinem Namen. Nach dem Spiel unterschrieb Jordan für Truman eine Sammelkarte und verabschiedete sich mit den Worten: "Vielleicht sehen wir uns im Juni bei den Playoffs."
Und so kam es, tatsächlich standen sich die Jazz und die Bulls dann im Endspiel um die NBA-Meisterschaft gegenüber. Als Jordan vor dem dritten Spiel der Serie die Gäste-Umkleide in Utah betrat, warteten dort bereits Cracker und Apfelmus auf ihn. Der Spieler war beeindruckt und bedankte sich. Truman hatte da bereits den Plan gefasst, Jordan unbedingt nach einem Paar Schuhe zu fragen.
Jordan war krank, doch Truman blieb hartnäckig
Doch als das fünfte Spiel anstand, hätte er sich beinahe nicht getraut: Jordan lag krank im Behandlungszimmer des Delta Center, das Licht war aus, die Augen hatte er geschlossen. Die Grippe - oder, wie sich später herausstellte, wahrscheinlich eher eine Lebensmittelvergiftung - hatten Jordan geschwächt, nur mit Bedenken genehmigten die Ärzte einen Einsatz im Spiel am Abend. Truman fasste sich ein Herz und bat, nach der Partie die Schuhe zu bekommen, Jordan sagte zu - und führte seine Bulls mit 38 Punkten, sieben Rebounds, drei Steals und einem Block zum wichtigen 90:88-Auswärtssieg.
Doch sobald die Partie unterbrochen war, sah man Jordan an, wie schwach er war, mit Mühe schleppte er sich dann auf die Bank. Immer in nächster Nähe: Truman. Mal reichte er dem Star ein Handtuch, mal einen Löffel mit Apfelmus. Das Bild, wie Jordan wenige Sekunden vor der Schlusssirene völlig erschöpft in den Armen von Scottie Pippen zusammenbricht, ging um die Welt und ist fest in der NBA-Historie verankert.
Doch trotz seines Zustands vergaß Jordan sein Versprechen nicht, als ein Bulls-Zeugwart die Schuhe einpacken wollte, ging Jordan dazwischen: "Die gehören ihm", sagte er, zeigte auf Truman und unterschrieb auf dem Geschenk. Zwei Tage später war Jordan wieder bei Kräften, mit 39 Punkten überragte er beim 90:86-Erfolg gegen Utah, die Meisterschaft für Chicago war perfekt.
Trotz guter Angebote hatte Truman die Schuhe bisher stets behalten, doch nun wollte er sich von ihnen trennen. "Ich bin 35 Jahre alt, bis 40 ist es nicht mehr weit und es kommt mir so vor, als verginge die Zeit immer schneller. Vielleicht ist es nun einfach an der Zeit, die Teile jetzt wegzugeben."