Darts-WM: Michael van Gerwen ist der große Triumphator - Dart Vader - DER SPIEGEL
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Weltmeister van Gerwen Dart Vader

Michael van Gerwen ist der große Triumphator bei der Darts-WM, und keiner hat den Titel so verdient wie er. Der Niederländer hat erheblich dazu beigetragen, dass Darts zur Boom-Sportart geworden ist.
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Gestern stand an dieser Stelle die Prognose, Michael van Gerwen könne sich die WM-Trophäe im Darts "eigentlich nur selbst rauben". Das war nicht ganz richtig.

Das Finale im Londoner Alexandra Palace stand kurz vor dem Ende, van Gerwen war gerade dabei, seine erdrückende Dominanz gegenüber Gegner Gary Anderson auszubauen, da stürmte aus dem Publikum ein angeschickerter Anzugträger auf die Bühne, riss die 20 Kilogramm schwere Sid-Waddell-Trophy vom Podest und hielt den Pokal triumphierend in die Menge. Ein paar Ordner sorgten dafür, dass der Silbertopf wieder an den angestammten Platz zurückkam, führten den Mann ab, und van Gerwen konnte danach seine Mission Weltmeister zu einem glücklichen Ende führen.

7:3 hieß es am Ende für den 27-jährigen Niederländer gegen den Titelverteidiger aus Schottland, und so besäuselt konnte auch im Saal niemand sein, als dass man diesen Sieg nicht als hochverdient hätte bezeichnen müssen. Van Gerwen war über die gesamte Turnierdauer der überragende Werfer, seine Konkurrenten konnten noch so starke Leistungen abliefern, konnten sogar Rekorde aufstellen wie Anderson, der im Finale mit 22 180er-Aufnahmen eine neue Bestmarke für ein WM-Match hinlegte. Letztlich waren sie alle chancenlos. "Der Kerl ist einfach zu gut", musste der Schotte, Weltmeister der vergangenen zwei Jahre, anerkennen. Und süßsauer anfügen, dass selbst sein Sohn ein van-Gerwen-Fan sei.

Ein würdiger Titelträger

Der Niederländer mag nicht der Weltmeister der Herzen sein, sein überaus selbstbewusstes Auftreten, die Sprüche, in denen er keinen Hehl daraus macht, dass er sich für den Allerbesten hält - das ist nicht unbedingt die Art, die die Sympathien im Sturme zufliegen lässt. Aber er ist in jedem Fall ein würdiger Titelträger, so überlegen wie van Gerwen in diesem Jahr ist lange kein Darts-Profi mehr gewesen.

Zum Aufschwung der Boom-Sportart Darts hat der Champion in jedem Fall beigetragen. Jeder kennt mittlerweile sein grünes Wettkampf-Shirt, in seiner Heimat Brabant fieberten Hunderte Fans beim Public Viewing mit, und selbst Ministerpräsident Mark Rutte rief noch in der Nacht bei seinem Landsmann an, um zu gratulieren. Da van Gerwen gerade in der Pressekonferenz saß, als der Regierungschef sich per Telefon meldete, bekam dies dann auch die ganze Welt mit.

Aber nicht nur in den Niederlanden, wo van Gerwens Glatzkopf seit Tagen auf den Titelseiten sämtlicher Zeitungen auftaucht, hat die WM wieder mobilisiert. Der Ansturm auf den Alexandra Palace war in diesem Jahr so groß, dass die Organisatoren ernsthaft über einen Ausbau der Wettkampfstätte für 2018 nachdenken. Der in Deutschland übertragende Sender Sport 1 verweist auf beste TV-Quoten, bei Twitter war die Darts-WM das große Thema über die Feiertage.

Dass die WM so viel Aufmerksamkeit bekommt, hängt sicherlich auch mit dem günstigen Termin über den Jahreswechsel zusammen, an dem die übrige Sportwelt bis auf die Skisportler noch weitgehend im Winterschlaf ist. Aber die Dramaturgie der Wettkämpfe, die ständigen Führungswechsel innerhalb eines Matches und nicht zuletzt die Typen an der Scheibe machen den eigentlich fürs Fernsehen nur bedingt geeigneten Sport Darts zur massenkompatiblen Feiertagsunterhaltung. Bis zum Dezember wird Darts zwar jetzt wieder mehr oder weniger von der öffentlichen Bildfläche verschwinden, aber dieses Problem hat so manche olympische Traditionssportart noch viel massiver.

Für van Gerwen stellen sich solche Fragen ohnehin nicht, sein Jahreskalender ist mit mehr als 20 Turnieren prall gefüllt, die WM-Prämie von knapp 400.000 Euro nimmt er fast im Vorbeigehen mit, er hatte schon vor dem Turnier angekündigt, dass er jeden seiner 25 Titel aus dem Jahr 2016 gegen den WM-Sieg eintauschen würde. Zu sehr hatten die Niederlagen aus den beiden Vorjahren geschmerzt, als er als der große Favorit vorzeitig gescheitert war. "Du brauchst den zweiten Titel, damit du zu den ganz Großen gehörst", sagte er. Den hat er jetzt, nachdem er schon 2014 einmal ganz oben stand.

Und dann schickte er noch eine Drohung an alle seine Rivalen heraus: "Trophäen gewinnen ist etwas, was ich liebe. Das möchte ich für den Rest meines Lebens machen." Das hört sich gar nicht gut an für die übrigen Darts-Profis.

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