Mike Tyson "Ich bin kein Charles Manson"
Las Vegas - Der mit Spannung erwartete Kampf zwischen Doppelweltmeister Lennox Lewis und Herausforderer Mike Tyson ist vorerst geplatzt. Für ein Rekordbudget von rund 170 Millionen Dollar sollte das Boxspektakel zwischen den beiden Schwergewichtlern am 6. April in Las Vegas auf die Beine gestellt werden. Doch nach den Vorfällen der vergangenen Woche, als es während der Vorstellung der beiden Faustkämpfer zu einer Massenschlägerei in einem New Yorker Hotel kam, hat die Nevada State Athletic Commission (NSAC) Tyson die erforderliche Kampflizenz verweigert.
Untolerierbares Verhalten
Nach einer zweieinhalbstündigen Anhörung am Dienstag, in der sich "Iron Mike" als reumütiger und umgänglicher Zeitgenosse präsentierte, entschied die fünfköpfige Kommission mit 4:1 Stimmen gegen Tyson. Der ehemalige Schwergewichtsweltmeister habe ein "Verhaltensmuster unkontrollierter Gewalt" an den Tag gelegt, hieß es in der Begründung. "Wir werden ein derartiges Benehmen nicht tolerieren, weder im Boxsport noch in Las Vegas", sagte Kommissar Amy Ayoub.
Damit kann das Duell auf keinen Fall wie geplant im MGM Grand von Las Vegas stattfinden. Es ist aber möglich, dass der Fight in einem anderen US-Bundesstaat oder im Ausland über die Bühne geht.
WBC-Präsident Jose Sulaiman hatte bereits letzte Woche bekannt gegeben, dass der Fight stattfinden wird, "egal, in welcher Stadt oder in welchem Land". Das Spielerparadies im Südwesten, seit dem 11. September in einer schweren Krise, was die Touristenzahlen angeht, hatte gehofft, durch den Megakampf wieder an alte Popularität anknüpfen zu können.
"Fakt ist: Er hat mich gebissen"
Was nun aus dem Fight Tyson - Lewis wird, ist unklar. Lewis erklärte, die Nevada-Kommission habe eine Entscheidung getroffen, die er respektiere und die im Interesse der Integrität des Boxens sei. "Ich habe noch keine Entscheidung über die Möglichkeit des Kampfes gegen Tyson getroffen, wenn er woanders eine Lizenz erhält. Ich werde die Sache noch mit meinen Beratern besprechen", so Lewis. Vor allem dass Tyson vor der Kommission versichert hätte, dass er niemanden gebissen habe, ärgerte den Engländer. "Fakt ist: Mike Tyson biss durch meine Hose und riss ein ordentliches Stück Fleisch aus meinem Oberschenkel heraus. Es hat mich besonders gestört, dass er vor der Kommission nicht die Wahrheit gesagt hat." Dennoch war Lewis zuversichtlich, dass das Boxduell stattfindet. "Der Kampf hat eine zu große Bedeutung. Tyson ist das Letzte, was mir in meiner Karriere noch fehlt, ich brenne darauf, auch diesen Kampf noch zu realisieren", erklärte Lewis am Mittwoch in London.
Tyson verteidigte sich vor der Kommission mit den Worten, er sei weder Mutter Teresa noch Charles Manson. "Ich möchte gleich wie alle anderen behandelt werden", so der 35-Jährige. Über die Aussagen seines Kontrahenten ärgerte sich Tyson jedoch mächtig. "Wenn er so etwas sagt, sieht es nicht nach einem Kampf zwischen uns aus. Lewis ist ein Feigling. Ich werde ihn vermöbeln, wenn ich ihn auf der Straße treffe", schimpfte er, als er nach der Verhörung von Lewis' Aussagen hörte.
Die NSAC ist eine der angesehensten Boxbehörden der Welt. Normalerweise werden ihre
Entscheidungen von den meisten anderen Boxkommissionen anerkannt. Die Kommission hatte Tyson die Lizenz 1997 erstmals aberkannt, nachdem er Ex-Weltmeister Evander Holyfield (USA) beim damaligen
WM-Fight ins Ohr gebissen hatte. Für einen Fight im Staat Nevada 1999 gegen den Südafrikaner Frans Botha erhielt er die Zulassung nach einer Anhörung, bei der er von Muhammad Ali und Basketball-Superstar Magic Johnson unterstützt wurde, zurück. Ihm wurde von der Kommission aber empfohlen, nicht mehr in Nevada zu
boxen, nachdem er Botha noch nach dem Gong schlug und ihm fast einen Arm gebrochen hatte.
Hoffnung für Universum
"Dieses Urteil hat mich ernsthaft überrascht", sagte am Mittwoch Klaus-Peter Kohl. Der Promotor des Hamburger Universum-Boxstalls hatte erwartet, dass das Geld die Entscheidung der Kommission zu
Tysons Gunsten beeinflussen würde. "Irgendwann ist aber das Maß auch in den USA mal voll. Das ist gut so. Für uns steigen dadurch natürlich die Chancen beträchtlich, dass einer der Klitschkos gegen Lewis oder Tyson boxt."
Auch sein Cheftrainer Fritz Sdunek findet "es sehr gut, dass das Geld nicht die entscheidende Rolle bei der Urteilsfindung gespielt hat. Dennoch glaube ich, dass der Kampf stattfindet. Ob in London, Afrika oder Asien, irgendwer wird sich schon als Ausrichter finden, das hatte ja schon WBC-Präsident Sulaiman durchklingen lassen."