Millionenschulden: Wallau-Massenheim vor der Insolvenz - DER SPIEGEL
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Millionenschulden Wallau-Massenheim vor der Insolvenz

Die Finanzprobleme in der Handball-Bundesliga verschärfen sich. Nach dem HSV Hamburg sorgt nun auch die SG Wallau-Massenheim für negative Schlagzeilen. Die Hessen müssen bis Montag eine halbe Million Euro auftreiben, sonst ist der Verein Insolvent. Die Spieler haben bereits seit Dezember kein Gehalt mehr bekommen.
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Wallau-Massenheim - Nur noch ein Wunder kann die SG Wallau-Massenheim vor einem finanziellen Kollaps bewahren. 545.000 Euro benötigt die SG Wallau-Massenheim bis Montag, teilte der Club heute auf einer Pressekonferenz mit. "Wenn uns das nicht gelingt, ist es zappenduster. Dann müssen wir Insolvenz ", erklärte Gesellschafter Ralf Jahncke. Die Hessen wollen allerdings auch im Falle einer Insolvenz den Spielbetrieb für diese Saison aufrechterhalten. Als bislang einziger Erstligist hatte sich der OSC Rheinhausen im Dezember 1998 pleite vom Spielbetrieb abgemeldet.

Doch selbst wenn es gelingen sollte, bis zu Wochenbeginn die halbe Millionen Euro aufzutreiben, steht der zweifache deutsche Meister (1992 und 1993) und zweifacher Pokalsieger (1993 und 1994) bis zum 30. Juni dieses Jahres vor einer wirtschaftlich fast unlösbaren Aufgabe. Denn bis zu diesem Zeitpunkt muss Wallau sogar eine Summe von einer Million Euro aufbringen.

"350.000 Euro wollen und können wir bei den Spielergehältern einsparen. Die Spieler haben bereits erklärt, dass sie mitziehen", sagte Jahncke und richtete zugleich einen Hilferuf an das gesamte Umfeld des Vereins: "Für den Rest können wir nur jeden aufrufen, uns zu helfen." Ohne Gegenmaßnahmen würden sich die Schulden bis Ende Juni auf 1,75 Millionen Euro belaufen.

1,45 Millionen Euro Schulden

Mit Blick auf die Lizenz für die kommende Saison habe die Liga laut Jahnke ihr Entgegenkommen signalisiert. Zumindest könne der Club später als bis zum eigentlich vorgesehenen Termin am 10. März wichtige Unterlagen für die Erteilung einer erneuten Lizenz einreichen.

Die aktuelle Überschuldung gab Jahncke mit rund 1,45 Millionen Euro an. Noch am Samstag hatten der fristlos gekündigte Geschäftsführer Bülent Aksen und der Hauptgesellschafter Volkmar Rohr die Überschuldung mit 1,277 Millionen Euro angegeben. Allein bei der Stadt Hofheim sind 292.000 Euro Steuerschulden fällig.

Maßgeblichen Anteil an der brisanten Situation haben laut Jahncke Aksen und der Hauptgesellschafter. Der diplomierte Architekt Rohr hatte nach eigenen Angaben im Jahr 2004 rund 600.000 Euro für knapp 70 Prozent GmbH-Anteile und eine geplante Kapitalerhöhung von 400.000 Euro gezahlt. "Die Kapitalerhöhung ist nicht erfolgt und entsprechend nicht im Handelsregister eingetragen worden, weil dafür nur 200.000 Euro eingegangen sind", sagte Jahncke. Außerdem hatte Rohr einen Werbevertrag mit der GmbH abgeschlossen, für deren Rechte er 550.000 Euro bezahlen wollte. Laut Jahncke sind bisher dafür nur 188.500 Euro geflossen.

"Sehr angespanntes Klima"

Der vor dem Absprung stehende Trainer Martin Schwalb, der im Falle einer Rettung Bereitschaft signalisierte, doch in Wallau zu bleiben, sprach unterdessen von einem "sehr angespannten Klima" innerhalb der Mannschaft. "Der Kopf ist voll mit allen möglichen Dingen", klagte Schwalb. Der Verein ist mit der Zahlung der Spielergehälter bereits drei Monate in Rückstand. "Wenn die Banken mitspielen, können wir bis Freitag zumindest die Gehälter für den zurückliegenden Dezember zahlen", sagte Jahncke.

Vor Wallau hatte bereits Erstligist HSV Hamburg mit seinen Finanzproblemen für negative Schlagzeilen gesorgt. Den Hanseaten wurden bereits acht Punkte abgezogen, auch beim HSV ist die Lizenz für die kommende Saison gefährdet. Zudem haben auch Tusem Essen, der Wilhelmshavener HV und Schlusslicht SV Post Schwerin mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.