Mixed Zone: Pechstein attackiert, Steiner verzichtet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mixed Zone Pechstein attackiert, Steiner verzichtet

Er will, aber er kann nicht: Olympiasieger Matthias Steiner fehlt bei der Gewichtheber-WM. Claudia Pechstein hat Angst, ihren Job zu verlieren und attackiert erneut die Internationale Eislaufunion. Basketball-Ikone Kareem Abdul-Jabbar hat Leukämie.
Gewichtheber Steiner: WM-Absage
Gewichtheber Steiner: WM-Absage

Gewichtheber Steiner: WM-Absage

Foto: A3587 Ronald Wittek/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Claudia Pechstein hat die Internationale Eislaufunion (Isu) erneut scharf attackiert. "Die Isu hat mir im Grunde genommen das ganze Leben kaputtgemacht. Innerhalb von einer Minute dreißig, sag' ich jetzt mal", schimpfte die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin am Dienstag in der N24-Sendung "Links-Rechts".

Der Internationale Sportgerichtshof Cas hatte die Entscheidung im "Fall Pechstein" zuletzt auf kommende Woche verschoben und ihr so einen Start bei den ersten beiden Weltcup-Rennen verbaut. Im Falle eines Schuldspruchs vor dem Cas fürchte sie sogar um ihren Arbeitsplatz bei der Bundespolizei. "Natürlich habe ich in erster Linie Angst, dass ich diesen Job verliere", sagte die 37-Jährige.

Schon jetzt spüre sie auch die finanziellen Folgen der Zweijahres-Sperre. Ihre Sponsoren hätten die Verträge vorerst ausgesetzt, erklärte Pechstein. Dennoch hat die Berlinerin die Hoffnung auf ein positives Ende der Affäre nicht aufgegeben. "Mittlerweile geht es auch um meine Ehre. Aber ich habe eigentlich das Ziel, noch mal Olympiasiegerin zu werden beziehungsweise eine zehnte Medaille zu erringen", sagte Pechstein. Sie werde "kämpfen bis zum Letzten". Schon am Wochenende hatte Pechstein angekündigt, im Falle einer Niederlage vor dem Cas ein Zivilgericht anrufen zu wollen.

Die Isu hatte Pechstein wegen überhöhter Retikulozyten-Werte gesperrt. Ausschlaggebend für die Entscheidung war das Urteil von Isu-Chefmediziner Harm Kuipers anhand von Langzeit-Profilen und Wettkampf-Kontrollen bei Pechstein. Die Deutsche hatte in der vergangenen Woche Kuipers Rücktritt wegen angeblicher Ungleichbehandlung gefordert.

Jabbar an Leukämie erkrankt

Olympiasieger Matthias Steiner hat seinen Start bei der Gewichtheber-WM in Südkorea abgesagt. Der 27-Jährige begründete seinen Verzicht auf den Saisonhöhepunkt in Goyang (18. bis 29. November) mit zu großem Trainingsrückstand nach einem Anfang des Jahres diagnostizierten und operierten Leistenbruch. Steiner wollte in Südkorea erstmals in seiner Karriere WM-Gold gewinnen.

"Leider muss ich meinen Start bei der diesjährigen WM absagen. In Absprache mit meinem Trainer habe ich entschieden, dass es besser so ist", sagte Steiner. "Meine Konzentration gilt voll und ganz der WM im September des kommenden Jahres. Dort möchte ich um eine Medaille kämpfen." Steiner sei zwar angeblich voll belastbar, dennoch wäre für die WM eine sehr lange Wettkampfvorbereitung notwendig. Der gebürtige Österreicher hatte jedoch im Vergleich zu Olympia eine drei Monate kürzere Vorbereitungsphase von nur sechs Monaten.

Der frühere Basketball-Star Kareem Abdul-Jabbar aus den USA ist an Leukämie erkrankt. Der mit seinen in 20 Spielzeiten erzielten 38.387 Punkten beste NBA-Scorer aller Zeiten leidet an chronischer myeloischer Leukämie (CML). "Ich war nie eine Person, die ihr Privatleben gern geteilt hat. Aber ich kann jetzt damit Leben retten. Es ist eine Verpflichtung für mich, darüber zu reden", sagte Abdul-Jabbar. Der 62-Jährige ergänzte, sein Arzt habe ihm zwar keinerlei Garantie gegeben, aber immerhin erklärt: "Du hast eine sehr gute Chance, dein Leben zu leben, ohne große drastischen Änderungen vorzunehmen."

Seine Form des Blutkrebses, bei der die Anzahl der weißen Blutkörperchen extrem hoch ist, ist mit Medikamenten und ständiger Beobachtung behandelbar. Abdul-Jabbar will daher ähnlich wie sein früherer Los-Angeles-Lakers-Teamkollege Earvin "Magic" Johnson, der mit seiner HIV-Infektion das Bewusstsein für Aids stärkte, das Augenmerk der Öffentlichkeit auf seine Erkrankung lenken. "Es gibt Hoffnung. Es kann behandelt werden. Du kannst weiterhin ein erfülltes Leben führen", sagte Abdul-Jabbar.

goe/sid/dpa

Mehr lesen über

Verwandte Artikel