NBA Blazers fegen die Lakers vom Parkett
Los Angeles - Mit einem 106:77-Kantersieg im Staples Center von Los Angeles haben die Portland Trail Blazers von Detlef Schrempf den L.A. Lakers nicht nur die erste Heimniederlage der diesjährigen Play-offs zugefügt, sondern die herbste Abfuhr der gesamten Saison. Obwohl das Spiel erst im dritten Viertel kippte, zeichnete sich der Sieg der Gäste bereits in der ersten Halbzeit ab, denn anders als zuletzt verstand es Portland, den Wirkungskreis von Shaquille O'Neal einzuschränken.
Es dauerte bis zur zwölften Spielminute, ehe Shaquille O'Neal seinen ersten Feldkorb erzielte. Der Starcenter der Lakers, der in Spiel eins mit 41 Punkten eine imposante Ein-Mann-Show abgezogen hatte, wurde dieses Mal von Portland wesentlich effektiver abgeschirmt und erhielt nur wenig Möglichkeiten zur Entfaltung. Bis zur Halbzeitsirene hatte Shaq lediglich sechs Punkte auf seinem Konto - angesichts eines Play-off-Schnitts von 30,8 Punkten pro Spiel eine auffällig geringe Ausbeute. Scottie Pippen hingegen hatte bis zu diesem Zeitpunkt bereits 17 Zähler gesammelt und maßgeblichen Anteil daran, dass seine Trail Blazers zur Pause mit 48:45 in Front lagen.
Was danach im dritten Viertel geschah, wird Lakers-Coach Phil Jackson wohl noch lange Zeit beschäftigen und schlaflose Nächte bereiten. Wie von allen guten Geistern verlassen, ließen sich seine Schützlinge von Portland willenlos über das Knie legen und mächtig vermöbeln. Ganze acht Punkte bekamen die Lakers in zwölf Minuten zustande und verfehlten den NBA-Minusrekord bezüglich erzielter Punkte in einem Quarter nur um zwei Zähler. Nachdem die furios aufspielenden Gäste aus Oregon das Viertel mit 28:8 gewonnen hatten, war auch dem Letzten und Hoffnungsvollsten unter den 18.997 Zuschauern klar, dass der Zug für das Heimteam an diesem Abend abgefahren war und die West-Finalserie nunmehr ausgeglichen 1:1 stand.
Besonders Rasheed Wallace setzte den Platzherren arg zu. Der Power Forward der Blazers, der seinem Riesentalent nur allzu häufig durch Disziplinlosigkeiten Steine in den Weg legt und in Spiel eins wegen zwei technischer Fouls frühzeitig zum Duschen geschickt worden war, befolgte den Rat seiner Mutter, "bewahre deine Ruhe, Sohn", und machte mit 29 Punkten und 12 Rebounds das erfolgreichste und beste Play-off-Spiel seiner noch jungen NBA-Karriere. Dabei bewies der 25-Jährige auch ein lockeres Handgelenk von jenseits der Drei-Punkte-Linie und versenkte alle seine drei Versuche von dieser Marke.
Außer Wallace und Pippen, der insgesamt auf 21 Punkte kam, erwischte auch Portlands etatmäßiger Shooting Guard, Steve Smith, mit 24 Punkten einen sehr guten Tag. Detlef Schrempf ließ es etwas ruhiger angehen. Der 37-Jährige stand nur 14 Minuten auf dem Parkett und trug sich lediglich durch zwei verwandelte Freiwürfe in die Punkteliste ein. Da der deutsche Vorzeigebasketballer, der mittlerweile seit zwanzig Jahren in den USA lebt, jedoch jüngst in einem SPIEGEL-ONLINE-Interview zugab, dass ihm nicht mehr sonderlich viel am Scoren läge - O-Ton Schrempf: "ob ich 10 oder 15 Punkte mache, ist scheißegal" -, dürften ihm seine zwei Pünktchen von letzter Nacht nicht sonderlich zusetzen. Schließlich hat sein Team gewonnen - und das, so Schrempf, sei sowieso das Entscheidende.
Shaquille O'Neal kam dank 17 Zähler in Halbzeit zwei noch auf insgesamt 23 Punkte und war Topscorer bei Los Angeles. Allerdings offenbarte der Mann mit der Trikotnummer 34 wiederum eine unterirdische Freiwurfquote von 29 Prozent (fünf von siebzehn). Wollen die Lakers in der nächsten Begegnungen am Freitag in Portland eine Chance haben, muss allerdings nicht nur O'Neal besser treffen, sondern auch Kobe Bryant, der nur zwölf Punkte einfuhr.