NBA Blazers mit Sand im Getriebe
Salt Lake City - Totgesagte leben bekanntlich länger. Überträgt man dieses Sprichwort auf die Utah Jazz, könnte man meinen, John Stockton, 38 Jahre, Jeff Hornacek, 37, und Karl Malone, 36, würden auch mit hundert Jahren noch erfolgreichen Basketball auf Meisterschaftsniveau spielen. Der Schein trügt jedoch. Nach dem jüngsten 88:85-Sieg über Portland haben die Jazz zwar ihre diesjährigen Play-offs verlängert, aber mehr als ein Abschied auf Raten wird dies nicht sein. Portland führt die Serie weiterhin souverän mit 3:1 an.
Nein, irgendetwas lief gestern bei den Portland Trail Blazers nicht rund. Das Team von Detlef Schrempf konnte an diesem Abend seine zuletzt so eindrucksvoll demonstrierte Überlegenheit nicht ein weiteres Mal offenbaren. Ungewohnt viele Ballverluste - sechzehn an der Zahl - und eine miese Trefferquote von 37,5 Prozent ließen die Mannen aus Oregon nie richtig ins Spiel kommen.
Wahrscheinlich lag dies aber auch daran, dass Utah mit einer Intensität spielte, welche in den vorherigen Spielen schmerzlich vermisst worden war. Der zweimalige Vizemeister der letzten drei Jahre war offensichtlich bemüht, die Schmach eines 0:4-Serien-Sweeps, der Höchststrafe im Play-off-Basketball, auf jeden Fall zu verhindern. Noch nie in der Geschichte des Clubs aus dem Tal von Salt Lake City hatte man sich ohne einen einzigen Sieg aus einer Endrundenpaarung verabschiedet. Und so wird es vorerst auch bleiben.
Besonders das bewährte Tandem Stockton/Malone wehrte sich mit viel Stolz gegen ein frühzeitiges Ausscheiden. Mit zusammen 45 Zählern (Malone 27, Stockton 18) erzielten "Stockalone" über die Hälfte aller Utah-Punkte. Auf Seiten Portlands zeigte sich Brian Grant mit zwanzig Punkten hauptverantwortlich fürs Scoring. Der Reserve-Forward war ferner mit dreizehn Rebounds bester Brettabräumer der Partie.
Enttäuschend hingegen die Vorstellung von Scottie Pippen. Der sechsmalige Champion verhält sich bereits während der ganzen Serie gegen die Jazz merklich zurückhaltend. Auch gestern war der Star-Forward mit sechs Punkten kein Faktor.
Zu mehr ist sicherlich ebenfalls Detlef Schrempf fähig. Seine Rolle bei Portland ist zwar die des unauffälligen Drahtziehers im Hintergrund. Aber der 37-Jährige, der als erster Deutscher in der besten Basketball-Liga der Welt Fuß fasste, hat zuletzt gezeigt, dass er mehr als nur einen Fünf-Punkte-Beitrag wie gestern beizusteuern vermag.
Es spricht jedoch für die Stärke Portlands, dass das Team trotz seiner bescheidenden Leistung immer auf Tuchfühlung blieb. Greg Anthony hatte sogar die Möglichkeit, mit dem letzten Wurf des Spiels noch auf 88:88 auszugleichen. Bezeichnenderweise traf der Drei-Punkte-Versuch des Guards aber nur den Ring und prallte von dort ab.
Frei nach dem tiefschürfenden Ausspruch des Fehlschützen kann man auch die ganze Partie sehen: "Das ist Basketball. Entweder der Ball ist drin oder nicht, damit muss man leben," so Anthony nach dem Spiel. Genau. Die Trail Blazers werden ihre ins Stocken geratene Maschinerie bis morgen kräftig nachölen, und der Ball wird dann wieder drin sein. Und Utah draußen.