NBA-Center Greg Oden: Gigant aus Glas - DER SPIEGEL
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NBA-Center Greg Oden Gigant aus Glas

Groß waren die Erwartungen, noch größer ist nun der Frust. Portlands Jungstar Greg Oden verbringt mehr Zeit in Rehazentren als auf dem Court. Fraglich ist deshalb, ob der Center jemals das werden wird, was die Blazers-Fans sich erhofften: das Herz ihres Clubs.
Portlands Oden (Mitte): Saison 2009/2010 vorzeitig beendet
Portlands Oden (Mitte): Saison 2009/2010 vorzeitig beendet

Portlands Oden (Mitte): Saison 2009/2010 vorzeitig beendet

Foto: Bruce Ely/ AP
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Die Sequenz dauerte nur Sekunden, und dennoch erhaschte Greg Oden einen ebenso klaren wie düsteren Blick in die Zukunft. Und was dem Center der Portland Trail Blazers, seinen Teamkollegen, Trainern und Vorgesetzten durch den Kopf ging, war dieser eine Satz: "Nicht schon wieder." Nicht schon wieder Operationen, quälende Reha-Maßnahmen, Trennung von der Mannschaft, der lange Weg zurück zur Top-Form.

Untersuchungen im Krankenhaus bestätigten die schlimmsten Befürchtungen: Beim Versuch, den Wurf von Houston-Guard Aaron Brooks abzuwehren, hatte sich Oden Anfang Dezember die linke Kniescheibe gebrochen - die Saison 2009/2010 ist für ihn damit beendet. Dabei hatte seine NBA-Karriere im dritten Jahr gerade erst so richtig begonnen. 11,1 Punkte, 8,5 Rebounds und 2,3 Blocks schaffte der 21-Jährige bis zu seiner Verletzung im Schnitt - in nur 23,9 Minuten pro Partie.

"Nicht schon wieder", dachte sich auch Blazers Manager Kevin Pritchard auf der Tribüne im Rose Garden. Immerhin war er es, der Oden 2007 mit dem ersten Draft Pick von der Ohio State University nach Oregon geholt hatte. Dabei folgte er einer einfachen Formel: Center-Spieler sind selten in der NBA, gute Center-Spieler eine Rarität und Center-Spieler, um die sich Spitzen-Teams aufbauen lassen, beinahe unmöglich zu finden. Also ignorierte der Manager die landesweiten Diskussionen, ob denn nun Oden oder aber Small-Forward-Sensation Kevin Durant an Nummer eins zu wählen sei.

Pritchards Vision einer jungen Blazers-Mannschaft um Guard Brandon Roy als potentiellem Star basierte fundamental auf 213 Zentimetern Muskelmasse auf der Center-Position. Oden sollte wichtigster Defensivspieler der neuen, spektakulären Blazers sein. Seine überragende Athletik machte den damals 19-Jährigen zum verlässlichen Schussblocker, seine Masse schüchterte Gegenspieler ein, und mit etwas Erfahrung und Timing würde auch das Einsammeln von Rebounds kein Problem sein.

Medizinischer Rückschlag noch vor dem ersten NBA-Einsatz

Es sollte ganz anders kommen. Noch bevor er auch nur ein Punktspiel im Blazers-Jersey gemacht hatte, lernte Oden einen Teil des NBA-Universums kennen, der eigentlich für Veteranen mit maroden Knochen reserviert ist. Mikrofrakturen im rechten Knie ließen ihn seine komplette Rookie-Saison 2007/2008 aussitzen. Auch im zweiten Jahr blieben Odens Leistungen hinter den Erwartungen zurück, trotzdem absolvierte er immerhin 61 Partien. In der laufenden Spielzeit nun schien der Durchbruch geschafft, Manager Pritchard hatte seinen Schützling noch vor kurzem als "konstantesten Profi" im Kader bezeichnet. Es folgte jener verhängnisvolle Auftritt gegen die Rockets.

Natürlich wäre es verfrüht, schon jetzt das Ende von Odens Karriere herbeizuschreiben, wie es ESPN-Kolumnist Scoop Jackson in seinem Artikel tat, der schon eher einem Nachruf gleichkam ("Vielleicht ist es nicht seine Bestimmung, ein Basketballer zu sein."). Auch Lakers-Center Andrew Bynum musste in seinen ersten NBA-Jahren zwei schwere Knieverletzungen hinnehmen, inzwischen übertrifft er beim Meister aus Los Angeles alle Erwartungen.

Eine bittere Wahrheit

Der entscheidende Unterschied jedoch: Bynums Verletzungen entstanden durch Fremdeinwirkung, waren eher Unfälle als struktureller Natur. Bei Oden dagegen gaben die Knie nach, als wären sie der Belastung der NBA nicht gewachsen. Kevin Durant, den die Blazers auch hätten wählen können, ist derzeit mit 28,5 Punkten drittbester Schütze der Liga für die Oklahoma City Thunder.

In Portland wird dagegen immer deutlicher, dass Greg Oden als zentraler Baustein der Franchise nicht geeignet ist. Auch wenn er die der Reha übersteht, volles Vertrauen in seine körperliche Verlässlichkeit wird sich Oden kaum je wieder erkämpfen. Immerhin ließen ihn die beiden Knieverletzungen in nur drei Jahren 164 von 246 regulären Saisonspielen verpassen. Die US-Medien spekulieren bereits fleißig über einen möglichen Fluch, der der Position fünf im Blazers-Kader anhaften könnte.

Fragile Center haben in Portland Tradition

Tatsächlich hatte schon der erste echte Center-Star in Portland, Bill Walton, während der 1970er-Jahre fast die Hälfte aller Partien durch eine Vielzahl von Verletzungen verpasst. Dessen Nachfolger Sam Bowie, den die Blazers in der Draft 1984 Michael Jordan vorgezogen hatten, machte in fünf Jahren nur 139 von 410 möglichen Partien in der regulären Saison. Oden befindet sich also in ebenso illustrer wie deprimierender Gesellschaft.

Die Tragödie um ihren Big Man war für die Blazers indes nur der traurige Höhepunkt einer schon fast unglaublichen Verletzungsserie. Teilweise standen nur noch acht gesunde Profis im Kader. Um im Training genug Spieler zusammenzubekommen, schlüpfte sogar Portland-Coach (und Ex-Profi) Nate McMillan noch einmal in die Turnschuhe. Kurz darauf verließ er die Übungshalle auf Krücken - seine gerissene Achillessehne musste in einer mehrstündigen Operation zusammengeflickt werden.