NBA-Clubbesitzer: Der Andere von Microsoft - DER SPIEGEL
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NBA-Clubbesitzer Der Andere von Microsoft

Er gründete mit Bill Gates Microsoft. Dann stieg Paul Allen aus und steckte sein Geld in einen Basketballverein - die Portland Trail Blazers. Im ersten Teil der Reihe über die schillerndsten Clubbesitzer der NBA portraitiert "FIVE"-Autor Johannes Korge den 55-jährigen Milliardär.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paul Allen bestellt Burger und Pommes. Champagner und Häppchen gehören für ihn nicht zum Basketball. Seine Kleidung ist hochwertig, aber unauffällig. Als die Portland Trail Blazers einen Fastbreak mit krachendem Dunk abschließen, springt Allen auf und jubelt – wie die meisten der 20.000 Zuschauer im ausverkauften Rose Garden. Auch sonst unterscheidet den 55-Jährigen wenig von den klatschenden, Fast Food vertilgenden Fans, die ihn umgeben. Sein Platz ist besser, zugegeben. Courtside, für den Durchschnittszuschauer unerschwinglich. Und es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen ihm und der Masse: Alle anderen Blazers-Fans sind heute Abend Gäste, Paul Allen sitzt zu Hause.

Die Blazers sind sein Team, der Rose Garden ist seine Arena – überkäme ihn Müdigkeit oder Langeweile, könnte er sich in sein Luxusappartement zurückziehen, das in den luftigen Höhen der Halle verborgen liegt. Wahrscheinlich würde Allen dort zu einem Science-Fiction-Roman greifen oder den gigantischen Fernseher anwerfen. Vermutlich wäre auch Mutter Faye Allen nicht allzu weit. Die ganz normale, leicht "nerdige" Abendbeschäftigung eines mittelmäßig sozialen Junggesellen. Wäre das Appartement nicht mit den neuesten, geradezu schmerzhaft teuren Hightech-Spielereien ausgestattet. Und besäße Allen dazu nicht mehr als dreißig weitere, nicht minder luxuriöse Domizile rund um den Globus.

Nun taugt ein pralles Bankkonto keineswegs als Alleinstellungsmerkmal in der überschaubaren Riege der NBA-Besitzer. Vielmehr ist es Voraussetzung, vor allem wenn – wie im Fall Allen – keine Investorengruppe im Hintergrund steht, sondern das eigene Privatvermögen involviert ist. Doch selbst im elitären Kreis der Team-Owner gilt Allen als Sonderling.

Das liegt zum einen an seinem schon fast märchenhaften Reichtum. Als "der andere Typ von Microsoft" kann und will Allen mit seinem Jugendfreund Bill Gates in Sachen Popularität und Kontostand zwar nicht konkurrieren, für einen Platz weit im ersten Drittel der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt genügt es trotzdem allemal. 1975 gründeten die beiden Computer-Freaks die Software-Firma Micro-Soft (der Bindestrich ging irgendwann verloren) und legten mit dem Dos-Betriebssystem einen Grundstein für den Personal Computer. Schon 1983 schied Allen gesundheitsbedingt aus dem operativen Geschäft aus, blieb aber im Hintergrund aktiv.

Mein Auto, meine Yacht, mein Club

Nach dem Börsengang der Firma 1986 sah er sich endgültig mit dem finanziellen Spielraum konfrontiert, der beispielsweise folgende Fragen aufwirft: Braucht meine Yacht einen zweiten Helikopter-Landeplatz? Und einen Basketball-Court an Bord? Und ein eigenes U-Boot? Dreimal lautete die Antwort "ja", doch die Allensche Shopping-Tour endete keineswegs bei Palästen (schwimmend und stationär), edlen Sportwagen und sündhaft kostspieligen Sammlerstücken der Rock’n’Roll-Geschichte.

Als Jugendlicher hatte sich Allen als Basketballer versucht, jedoch schnell seine körperlichen Limitierungen akzeptiert. In der finanziellen Unabhängigkeit lag nun die Möglichkeit, doch noch einmal Teil eines Teams zu werden. Nachdem die heimischen Seattle SuperSonics nicht zum Verkauf standen, orientierte er sich einige hundert Kilometer südlich und erwarb 1988 die Trail Blazers.

Den Strategen Allen reizt vor allem der organisatorische Aspekt, die vielen Puzzleteile, die ein erfolgreiches Team ausmachen. "Es gibt sicher Besitzer, die häufiger öffentlich auftreten", sagte Allen der "Sports Illustrated" in einem seiner äußerst raren Interviews. "Ich sehe mich als die Person, die im Hintergrund die Strippen zieht, um letztlich Erfolg zu haben." So unscheinbar und schüchtern sich der Multimilliardär in der Öffentlichkeit gibt – auch mit seinen Spielern pflegt er so gut wie keinen Kontakt –, so sehr engagiert er sich im Tagesgeschäft des Clubs.

Der BlackBerry von General Manager Kevin Pritchard glüht, wenn sein Boss wieder einmal glaubt, von einem möglichen Draft-Geheimtipp erfahren zu haben. Allens Fachwissen wird nur noch von seiner Großzügigkeit gegenüber der Mannschaft übertroffen. Den Rose Garden finanzierte er zu großen Teilen aus der eigenen Tasche, der Privatjet und die Trainingsanlage der Blazers waren schon auf dem neuesten Stand, als Mark Cuban sich noch die Offensive-Goaltending-Regel erklären lassen musste.

Wie sehr verhätschelte und überbezahlte Superstars aus dem Ruder laufen können, musste Allen während der legendären "Jailblazers-Ära" erfahren. "Ich habe Talent stärker bewertet als Charakter, das war ein Fehler", musste der Boss rückblickend eingestehen. Spieler wie Rasheed Wallace, Damon Stoudamire, Ruben Patterson, Qyntel Woods, Zach Randolph oder Bonzi Wells zeigten in den Klatschspalten und Polizeiberichten mehr Präsenz als in den Boxscores. Die Folge waren leere Ränge im Rose Garden, katastrophale Saisonbilanzen und ein Paul Allen, der einen Verkauf der Franchise nicht mehr ausschließen wollte.

Nach dem Komplettumbau der Mannschaft unter Coach Nate McMillan sieht es so aus, als ob sich Allens Geduld doch noch auszahlen könnte. Center Greg Oden bildet zusammen mit dem Vierer LaMarcus Aldrige einen athletischen One-Two-Punch in der Zone und beide mit Shooting Guard Brandon Roy einen Mannschaftskern, der für die Zukunft einiges erwarten lässt. Das Minimalziel muss die erste Playoff-Teilnahme seit der Saison 2002/03 sein. Nach der vielversprechenden letzten Spielzeit stehen die Chancen auf einen Postseason-Run auch im tiefen Westen nicht schlecht.

Ein unscheinbarer Fan wird sich dann auf seinem Stammplatz im Rose Garden zurücklehnen und neben Pommes und Burger das wohl schönste Hobby der Welt genießen.

Lernen Sie am Mittwoch im zweiten Teil der Serie das besondere Brüderpaar der Sacramento Kings kennen und lesen Sie, wieso der Club bald in Las Vegas beheimatet sein könnte.

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