NBA "Das wird ein Hundekampf"
Indianapolis - Die New York Knicks hetzen von einem Play-off-Rivalen zum nächsten. Nach der anstrengenden, sieben Spiele währenden Halbfinalserie gegen die Miami Heat begann vergangene Nacht für die Knicks nach nur einem Tag Pause unmittelbar das Ostfinale gegen die Indiana Pacers. Es ist das nunmehr sechste Mal seit 1993, dass die beiden Teams in der Postseason aufeinandertreffen. Bis dato spricht die Bilanz mit 3:2 für New York. Allerdings gewannen die Pacers gestern im heimischen Conseco Fieldhouse mit 102:88 und unternahmen einen ersten erfolgreichen Schritt, um diese Bilanz auszugleichen.
"Wir haben genügend Punkte gemacht, um Indiana zu schlagen", analysierte New Yorks Center-Legende Patrick Ewing nach dem Spiel, "aber wir haben einfach nicht gut genug in der Verteidigung gespielt". Die Statistik gibt dem 37-Jährigen, der mit 21 Punkten neben Latrell Sprewell (22) erfolgreichster Werfer der Knicks war, recht: Seit zweiunddreißig Play-off-Spielen hatten die defensivstarken New Yorker keinem Team mehr als hundert Punkte in einer Begegnung gestattet. Bis gestern.
Indiana wollte laut seinem Starspieler Reggie Miller "schnell ins Spiel kommen, wohl wissend, dass New York unmittelbar aus einer emotionalen Serie in Miami kommt". Die Pacers überrollten ihren Kontrahenten im ersten Viertel und gingen mit 35:17 in Führung. Zwar erwachten die trägen Gäste hiernach aus ihrer Lethargie, aber mehr als ein Herantasten bis auf zwei Punkte im dritten Viertel war nicht drin. Knicks-Coach Jeff van Gundy wusste, dass bereits nach zwölf Minuten alles zu Ungunsten seines Teams gelaufen war. "Wenn man in dieser Liga ein Viertel verschenkt, wird man geschlagen", stellte er nüchtern fest.
Die Hausherren bestachen vor allem durch ihre mannschaftliche Ausgewogenheit und Treffsicherheit von der Drei-Punkte-Linie. Sechs Akteure punkteten zweistellig, und zehn von fünfzehn "Dreier"-Versuchen fanden ihren Weg durch den Ring - was einmal mehr Indianas Ruf als bestes Drei-Punkte-Team der Liga bestätigte. Mit Austin Croshere spielte sich zudem ein Pacer in den Vordergrund, der immer mehr vom Reservisten zum Leistungsträger heranwächst.
"Ich glaube nicht, dass ich in den bisherigen Playoffs mein bestes Basketball gespielt habe, deshalb wollte ich heute Abend rauskommen und mir wirklich die größte Mühe geben", erklärte Croshere nach Spielschluss. Und das war dem 25-jährigen Power Forward zuvor eindrucksvoll gelungen. Der gebürtige Kalifornier, der sich letzte Saison noch fast ausschließlich als Bankwärmer hatte üben müssen, verwandelte fantastische siebzig Prozent seiner Würfe, traf vier Dreier und wurde mit einer persönlichen Play-off-Bestleistung von 22 Punkte Topscorer seines Teams. Anschließend war der Mann des Abend einfach nur "glücklich".
Trotz der glanzvollen Vorstellung seines Teams gab sich Indianas Trainer Larry Bird zurückhaltend nach dem Sieg und schaute nur nach vorn: "Das zweite Spiel ist immer das schwierigste Spiel einer Serie". Ebenso vorsichtig meldete sich Miller, sonst eigentlich eher für laute Töne bekannt als für leise, zu Wort: "Es wird eine lange Serie werden. Das wird ein Hundekampf. Heute war nur ein Spiel. Ich mache mir mehr Sorgen um das Spiel am Donnerstag". Wahrscheinlich ahnen Bird und Miller, dass sich ihnen morgen eine New Yorker Mannschaft präsentieren dürfte, die nicht noch einmal so nachlässig in der Verteidigung agieren und mindestens einen Gang hochschalten wird.