NBA: Dirk Nowitzki im Interview - "Ich bin ja eher Oldschool" - DER SPIEGEL
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Dirk Nowitzki in der NBA: Wunderkind, Rekordjäger, MVP

Foto: Tony Gutierrez / dpa

NBA-Star Dirk Nowitzki "Ich bin ja eher Oldschool"

In der NBA purzeln die Rekorde, Fans jubeln LeBron James oder Kevin Durant zu. Dirk Nowitzki träumt trotzdem lieber von der guten, alten Zeit. Im Interview erzählt er, warum es die Stars von heute einfacher haben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Herr Nowitzki, wie geht es Ihrer Achillessehne?

Dirk Nowitzki: Nicht so toll. Ich dachte, ich hätte die Probleme überwunden.

SPIEGEL ONLINE: Sie mussten deswegen in der abgelaufenen Saison schon zwei Monate pausieren.

Nowitzki: Ja, mittlerweile muss ich viel mehr Reha machen, viel vorsichtiger mit meiner Wade sein, und immer wieder die Muskeln lockern. Ich habe mich daran gewöhnt, dass du zwar viel trainierst, aber dass du auch auf Dinge abseits des Platzes viel mehr Wert legen musst.

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie damit?

Nowitzki: Kältebad, Joga, Stretching. Alles gehört mittlerweile zum Trainingsalltag dazu. Es klingt verrückt, aber in meinem Alter trainiert man fast mehr abseits des Platzes als auf dem Feld.

SPIEGEL ONLINE: Was planen Sie in der freien Zeit?

Nowitzki: Neben einigen Sponsorenterminen in Deutschland bin ich erst mal mit meiner Familie in Europa und Afrika unterwegs, wo ein großer Teil der Familie meiner Frau lebt. Da nehmen wir auch die Kinder mit. Und auch meine Heimat, Würzburg, darf dabei natürlich nicht zu kurz kommen.

SPIEGEL ONLINE: Wann beginnt die heiße Phase der Vorbereitung? Die Summer League hat ja schon begonnen.

Nowitzki: Ja, aber da schicken wir nicht unsere guten Spieler hin. Wir machen jetzt Urlaub bis August, ehe die Vorbereitung dann Ende September auch mit dem Team intensiv losgeht.

SPIEGEL ONLINE: Die Saison beginnt in diesem Jahr schon am 20. Oktober.

Nowitzki: Ja, die Saison haben sie in diesem Jahr vorverlegt. Die Liga versucht, die Saison auszudehnen, damit wir nicht so oft zwei Spiele in Folge absolvieren müssen, wie es sonst der Fall war. Dafür wird uns aber eine Woche Vorbereitung genommen, was schwierig werden dürfte, wenn man bedenkt, wie lang und intensiv eine Saison werden kann.

SPIEGEL ONLINE: Trainieren Sie denn wieder individuell mit ihrem persönlichen Trainer Holger Geschwindner?

Nowitzki: Ja, das mache ich wieder im August. In den USA habe ich natürlich ein besseres Umfeld, weil man sich gegenseitig motivieren kann. Hier ist es manchmal etwas zäh. Ich verbringe teilweise zwei Stunden allein im Fitnessraum, dann noch zwei weitere Stunden allein mit Holger. Drüben habe ich Teamkollegen, die mich auch immer wieder pushen. Deshalb habe ich mich noch nicht genau festgelegt, wie ich meine Vorbereitung genau einteile.

SPIEGEL ONLINE: Die Konkurrenz im Westen hat die freie Zeit ja wieder für viele spektakuläre Trades genutzt.

Nowitzki: Ja, das ist extrem, was die Teams da aktuell machen. Jimmy Butler zu den Timberwolves, Paul George geht jetzt auch noch zu OKC. Auch Paul Milsap verlässt den Osten und schließt sich Denver an. Es ist einfach der Wahnsinn, was die Teams alles tun, um Golden State und Cleveland Paroli zu bieten.

SPIEGEL ONLINE: Was sind Ihre Ziele für die kommende Saison?

Nowitzki: Unser Ziel ist es natürlich, die Playoffs zu erreichen, aber das wird extrem schwer. Wir versuchen gerade, Nerlens Noel zu halten, der ein wichtiger Teil unser Offensive ist. Aber sich im kommenden Jahr im Westen durchzusetzen, wird nicht einfach.

SPIEGEL ONLINE: Ruhen die Hoffnungen auf einem Rookie?

Nowitzki: Ja, das ist richtig. Im Draft haben wir uns die Dienste von Dennis Smith jr. gesichert. Da waren wir super glücklich. Er ist sehr athletisch und explosiv. Wir hoffen alle, dass er voll einschlägt.

SPIEGEL ONLINE: Er wird ja jetzt schon mit Russell Westbrook verglichen.

Nowitzki: Ja, aber da muss man vorsichtig sein. Das ist schon ein wahnsinniger Vergleich. Der hatte in der vergangenen Saison im Durchschnitt ein Triple-Double, ein 55 Jahre alter Rekord von Oscar Robertson. Das ist eigentlich kaum zu begreifen. Die Vergleiche sind vielleicht etwas hoch gegriffen, dennoch erwarten wir viel von ihm.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben den Lauf von Westbrook angesprochen. Die abgelaufene Saison war ohnehin ein Jahr voller Rekorde. Auch James gelang in den Playoffs ein historisches Triple-Double-Average, Harden schaffte das erste 50+, 15+, 15+ Triple-Double. Ist das eine goldene Generation an Spielern? Oder haben Sie da eine andere Erklärung?

Nowitzki: Ich glaube, die Liga und das Spiel haben sich verändert. Es gibt viel mehr gefährliche Dreier-Schützen, es ist viel mehr Platz da. Heutzutage ist es deutlich leichter, ein Triple Double zu holen, als noch vor 20 Jahren, als ich aus Würzburg in die NBA gewechselt bin. Damals war die Zone immer voll, alles war sehr kompakt mit muskulösen Centern und Power Forwards. Jetzt gibt es das ja kaum noch, die Center müssen heute nicht nur laufen können, sondern auch von außen schießen, auch aus der Halbdistanz. Das Spiel hat sich total geändert. Es ist alles viel schneller, jeder kann mittlerweile locker Dreier schießen, wenn du da einen Aufbauspieler in deinen Reihen hast, der gut werfen kann und außerdem über ein gutes Auge verfügt, ist es natürlich leichter, auf ein Triple-Double zu kommen.

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Dirk Nowitzki in der NBA: Wunderkind, Rekordjäger, MVP

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SPIEGEL ONLINE: Wie schätzen Sie allgemein die Lage der Liga ein? In Europa hatte man den Eindruck, die Dominanz der Cavs und Warriors habe dem Image der NBA geschadet.

Nowitzki: Es war nicht unbedingt gut für die reguläre Saison und für die ersten Runden in den Playoffs, weil das die Spannung nimmt. 2003, als wir in die Playoffs eingezogen sind, haben wir die ersten beiden Runden nach sieben Spielen gewonnen und dann in den Conference Finals nach sechs Partien verloren. Da war Spannung in jeder Runde, das geht heute so ein bisschen verloren. Aber das Finale hat dann für vieles entschädigt. Auch wenn es nur fünf Spiele waren, die Athletik, die Schüsse von draußen - das war echter Wahnsinn.

SPIEGEL ONLINE: Es hätte ja auch durchaus enger ausgehen können, wenn Durant in Spiel drei nicht kurz vor Schluss den Dreier getroffen hätte.

Nowitzki: Ja, genau. Es war enger, als es das Ergebnis vermuten lässt. Aber wenn man mal auf die reinen Zuschauerzahlen schaut: Es waren die höchsten Quoten seit dem Finale 1998 mit Michael Jordan und Karl Malone. Das zeigt eindeutig, dass die Menschen das sehen wollen. Die Finals waren unglaublich, es waren mit Sicherheit die besten Finals, die ich je gesehen habe.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es Ihnen persönlich, wenn Sie die Playoffs vom Sofa aus verfolgen? Nehmen Sie das entspannter auf als noch zu Beginn Ihrer Karriere?

Nowitzki: Es ist schon schwer. Ich will immer in die Playoffs, es ist immer unser Ziel. Als ich verletzt war zu Beginn der Saison, hatten wir sehr schnell 18 oder 19 Niederlagen. Wenn du im Westen einmal so weit hinten dran bist, wird es fast unmöglich. Wir haben uns gut herangekämpft, trotzdem tut es immer weh. Es ist meine Lieblingszeit, es wird warm, die Atmosphäre ist einmalig. Hunderte Fans empfangen einen vor der Halle. Es ist ein bitteres Gefühl, nicht dabei zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind jetzt fast 20 Jahre in der NBA, haben mit zahlreichen Legenden auf dem Court gestanden. Gibt es jemanden, mit dem sie noch einmal unbedingt zusammenspielen wollen?

Nowitzki: Ich bin ja eher Oldschool, ich hätte unglaublich gerne mal mit dem Kobe oder Shaq zusammengespielt. Aber ich war in der glücklichen Lage, fast immer am All-Star-Game teilnehmen zu dürfen. Da waren sie dann alle, Tim Duncan, Kevin Garnett. Als ich plötzlich mit den Leuten in der Umkleide stand, die ich lange, lange bewundert habe, das war schon Wahnsinn. Das erste All-Star-Game werde ich niemals vergessen. Das war eine unglaubliche Erfahrung.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben gerade Garnett und Duncan angesprochen. Beide haben ihre Karrieren mittlerweile beendet und arbeiten als Personal Coach. Garnett trainiert sogar mit Blake Griffin von den Clippers. Könnten Sie sich so etwas für die Zeit nach Ihrer Karriere vorstellen?

Nowitzki: Ich glaube, ich muss zunächst ein bisschen Abstand von dem ganzen Geschäft gewinnen. Wenn alles vorbei ist, brauche ich erst mal eine Pause, dann sollten vor allem meine Kinder und meine Familie im Vordergrund stehen. Fest steht aber auch, dass ich nicht nur zuhause sitzen kann, das ist zu langweilig.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie sich vorstellen, noch einmal nach Deutschland zurückzukehren?

Nowitzki: In naher Zukunft auf keinen Fall. Die Kinder sind alle in den USA geboren, die Große geht fast schon in den Kindergarten und spricht fast nur Englisch. Zwar versuche ich teilweise mit ihr Deutsch zu reden. Das gestaltet sich aber noch etwas schwer. Ich habe mein Netzwerk in Dallas, von daher plane ich meine Zukunft erst mal da.