NBA Ein Monsterblock zur rechten Zeit
Portland - Die Los Angeles Lakers sind wie ein Stehaufmännchen, nach jeder niederschmetternder Packung kehrt das Team von Headcoach Phil Jackson mit einem Sieg zurück. Das war in Runde eins der Playoffs so (113:86-Sieg gegen Sacramento nach einem 88:101), wie in Runde zwei (87:65-Sieg gegen Phoenix nach einem 98:117), und nun auch im Westfinale gegen den ärgsten Titelkonkurrenten, die Portland Trail Blazers mit dem deutschen Korbjäger Detlef Schrempf. Nach der deklassierenden 77:106-Klatsche auf eigenem Parkett letzten Montag konnten die Lakers vergangene Nacht einen hart umkämpften 93:91-Triumph in Portland feiern und mit 2:1 in der Finalserie in Führung gehen. Dabei fand Kobe Bryant nach Ladehemmungen zuletzt wieder zu alten Scoring-Qualitäten zurück und sicherte ferner mit einer spektakulären Abwehraktion den Sieg seines Teams.
Nein, der Rose Garden von Portland, der normalerweise euphorisch singend seine Blazers nach vorne peitscht - mit besonderer Vorliebe skandieren die Fans in jüngster Zeit "Beat, L.A - Beat, L.A.!" - erwies sich für die Lokalmatadoren gestern nicht als Rosengarten. Dabei begann die Partie sehr zum Geschmack der 20.135 Zuschauer, darunter Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, der seinem Kumpel aus alten Zeiten, Blazers-Besitzer Paul Allen, zur Seite stand. Die Blazers knüpften dort an, wo sie zuletzt in Los Angeles aufgehört hatten, und legten einen 15:2-Blitzstart hin. Dank einer unglaublich hohen Trefferquote (68 Prozent) führten die Hausherren nach Viertel eins mit 30:22 und hielten diesen Vorsprung bis zum Pausenstand von 55:45. Danach ging Portland allerdings die Munition aus, und die Gäste aus Los Angeles übernahmen die Initiative.
War es in der ersten Halbzeit vor allem Kobe Bryant mit 18 Punkten gewesen, der die Lakers im Spiel gehalten hatte, war es hiernach der erfolgreichste Schütze der Liga, Shaquille O´Neal, der dominierte. Der MVP der regulären Saison erzielte allein im dritten Viertel dreizehn Zähler und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sich sein Team bis 7:30 Minuten vor Schluss eine 83:74-Führung erarbeitet hatte. Am Ende war O´Neal mit 26 Punkten Topscorer der Partie. Zwar konnten die Blazers nach einem Zwischenspurt auf 91:91 ausgleichen, das bessere Ende hatten aber die Gäste für sich.
Erst erzielte der 36-jährige Veteran Ron Harper, der sich mit zwölf Punkten unerwartet zum x-Faktor des Spiels entwickelte, mit einem Sprungwurf den letzten Korb des Abends. Anschließend war es Kobe Bryant, der zuvor in der laufenden Serie mit durchschnittlich nur 12,5 Punkten pro Partie enttäuscht hatte, vorbehalten, seine sehr gute Allroundvorstellung an diesem Abend (25 Punkte, sieben Assists) mit einer defensiven Heldentat zu krönen. Obwohl zwanzig Zentimeter kleiner als sein Gegenspieler, Blazers-Center Arvydas Sabonis (2,21m), blockte der Guard den letzten Wurfversuch des Litauers und verhinderte eine Verlängerung. Sabonis monierte zwar, er sei gefoult worden, die Zeitlupenbilder bewiesen jedoch, dass das Abwehrmanöver sauber war. "Ich musste die Blockchance einfach nutzen", begründete Bryant seine tollkühne Aktion, denn "hierfür haben wir die gesamte Saison gespielt".
Die Platzherren, die in Rasheed Wallace und Damon Stoudamire mit jeweils 19 Punkten ihre besten Schützen hatten, gaben sich selbstkritisch nach dem Spiel. "Wir hatten die Möglichkeit, dass Spiel zu gewinnen. Aber wir haben es einfach vergeigt", sagte der Reservist Brian Grant, der allerdings ebenso wie die anderen Auswechselspieler der Trail Blazers, inklusive Detlef Schrempf, der wiederum nur zwei Punkte verbuchte, nicht so effektiv agierte wie gewohnt. Trainer Mike Dunleavy äußerte sich etwas konkreter und haderte vor allem mit den vielen Ballverlusten seiner Schützlinge: "Letzten Endes waren es die Turnovers. Wir hatten 15, und die Lakers haben diese in 25 Punkte umgewandelt. Das war der größte Unterschied im Spiel".
In Duell vier am Sonntag lastet der Druck laut Lakers-Coach Phil Jackson nun auf Portland: "Wenn wir Sonntag den Gürtel noch etwas enger schnallen, sind die Trail Blazers an der Todespforte, und das wissen sie". Ganz so tragisch wäre eine weitere Niederlage Portlands sicherlich nicht, jedoch würde ein Serienstand von 1:3 zugegebenermaßen die Situation für das Team von Detlef Schrempf erheblich erschweren.