NBA Eine Dampfwalze der Marke "Shaq"
Los Angeles - "Vorhang auf und Bühne frei" hieß es vergangene Nacht im mit 19.000 Zuschauern wiederum restlos ausverkauften Staples Center von Los Angeles. Nach drei kräfte- und nervenraubenden Play-off-Runden mit ursprünglich sechzehn Mannschaften luden die beiden einzig verbliebenen Teams, die Los Angeles Lakers und Indiana Pacers, zum ersten Akt des ultimativen Saison-Showdowns, des NBA-Finals 2000. Der bessere Einstand gelang den heimischen Lakers, die angeführt von einem alles überragenden Shaquille O'Neal klar und deutlich mit 104:87 siegten.
Auf die Frage, wie er gedenke, Shaquille O'Neal, das dominante Center-Bollwerk der Lakers, zu stoppen, hatte sich Indianas Cheftrainer Larry Bird einen Tag vor dem ersten Finalspiel auf einer Pressekonferenz noch ratlos gegeben und die fragenden Journalisten um Rat gebeten. O-Ton Bird: "Ich habe keine Ahnung. Haben sie vielleicht eine Idee für mich?" Offensichtlich hatte niemand eine Antwort parat. Shaq-Attack dominierte die Pacers gestern nach Belieben und zog mit beeindruckenden 43 Punkten eine Galavorstellung in der Offensive ab. Obendrein hielt er die Bretter sauber und angelte sich neunzehn Rebounds.
"Ich habe den Ball einfach tief bekommen und hochprozentige Würfe genommen", analysierte der Überflieger des Abends nüchtern und sachlich nach seiner Lehrbuch-Vorstellung, fügte jedoch selbstbewusst hinzu: "Wenn diese Schüsse durchs Netz rutschen, sind wir nur schwer zu schlagen".
Wie einfach es für O'Neals Mannschaftskollegen an diesem Abend war, sich zurückzuhalten, verdeutlichte Kobe Bryant, mit 14 Punkten zweitbester Schütze der Lakers: "Wenn Shaq in eine solche Laune kommt, muss man ihm einfach den Ball geben", so der 21-jährige Nachwuchsstar, der vielerorts als potenzieller Nachfolger von Michael Jordan gehandelt wird. Als weitere zweistellige Scorer konnten sich bei Los Angeles Ron Harper (12 Punkte) und Rick Fox (11) in die Punkteliste eintragen.
Neben der unbeantwortbaren Frage, wie der Wirkungskreis von O'Neal einzudämmen sei, bestätigte sich bei den Pacers und Larry Bird noch eine weitere Befürchtung. "Wir können es uns nicht leisten, bereits im ersten Viertel ins Rücktreffen zu geraten, denn gegen L.A. wird man kein Comeback schaffen", hatte Bird vor dem Spiel prognostiziert. Der legendäre Trainer, der einst als Spieler mit den Boston Celtics selber drei Meisterschaften gewann und seither eine sportlich gesunde Rivalität zu dem Team aus Los Angeles pflegt, sollte Recht behalten. Die Lakers legten ein furioses erstes Quarter aufs Parkett und führten nach zwölf Minuten bereits mit 33:18. Allein O'Neal hatte bis zu diesem Zeitpunkt schon fünfzehn Punkte auf dem Buckel. Von diesem Wirbelsturm der Platzherren erholte sich Indiana nicht mehr. Zwar kamen die Gäste im vorletzten Viertel noch mal auf 69:71 heran, aber das war es auch. Die Pacers brachen danach komplett zusammen, und die Demontage nahm ihren Lauf.
Besonders Reggie Miller enttäuschte maßlos auf Seiten des Verlierers. Der gefürchtete Distanzschütze fand im Angriff zu keiner Zeit seinen Rhythmus und blieb mit nur einem Feldkorb bei immerhin sechzehn Versuchen weit unter seiner Normalform. Insgesamt kam der Shooting Guard, der wenigstens von der Freiwurflinie traf (fünf von fünf), auf nur sieben Zähler, ein neuer persönlicher Play-off-Minusrekord. Die erfolgreichsten Werfer Indianas waren Aufbauspieler Mark Jackson mit 18 Punkten und der Reservist Austin Croshere mit sechzehn.
Der glücklose Miller gab sich nach Spielende allerdings überraschend gelassen und blickte zuversichtlich Richtung Begegnung zwei, welche morgen erneut in L.A. stattfindet: "Es war einfach einer dieser Abende, an denen nichts geht. Freitag wird aber wieder was gehen", kommentierte der 34-Jährige. Das hoffen auch alle Pacers-Fans, denn ohne einen effektiven Miller könnte sich die allererste Finalteilnahme des Teams aus Indianapolis als kurzes Gastspiel erweisen.