Warriors-Center McGee: Von der Pointe zum X-Faktor
NBA-Profi McGee Der Hofnarr lacht zuletzt
Ganz los wird JaVale McGee das Image des Basketball-Trottels nie werden, egal, wie gut er auch spielen mag. Kurz vor Beginn der NBA-Finals berichtete der US-Sender ESPN, dass ein Spieler der Cleveland Cavaliers, Gegner seiner Golden State Warriors, gesagt habe, McGee sei nicht "clever genug", um in der Serie um die Meisterschaft zu spielen. Und das, obwohl der 29-Jährige derzeit von Teamkollegen und Experten für seine starken Leistungen in den Playoffs gelobt wird.
Für McGee war das nichts Neues. Seit er vor neun Jahren in die NBA kam, ist McGee so etwas wie der unfreiwillige Hofnarr der Liga. "Die Fans denken, ich bin dumm", sagte er schon im Laufe der Saison der Zeitung "Mercury News".
Der Grund dafür, dass McGee dieses Stigma nicht abschütteln kann, heißt Shaquille O'Neal. Der frühere NBA-Superstar ist mittlerweile Experte in der populären TV-Show "Inside the NBA" und präsentiert dort in dem Segment "Shaqtin' a Fool" wöchentlich fünf Szenen, in denen Spieler besonders haarsträubende Fehler machen oder sich tollpatschig verhalten. McGee wurde schnell zu O'Neals Lieblingstrottel. Eine 2,13 Meter große Pointe.
McGee, wie er schon wieder in die Verteidigung sprintet, während sein Team noch im Angriff ist und er das nicht merkt. McGee, wie er über seine eigenen Beine stolpert. McGee, wie er einfache Dunks weit daneben setzt. McGee, wie er unbeholfen in einen Gegenspieler rennt und dieser ihn dann Huckepack nimmt. McGee, wie er bei einer Einwechslung noch seine Trainingshose trägt und das nicht merkt. Danach ist noch kurz sein jeweiliger Coach im Bild, der entweder die Hände vors Gesicht hält, den Kopf schüttelt oder schmunzeln muss. Gefühlt wöchentlich liefen diese kurzen Clips von McGee in der Primetime, sofern er denn nicht verletzt war. Dabei wurden starke Leistungen kaum erwähnt, eine Zeitlang galt er als kommender Star.
Auch gegen Cleveland stark
Im Februar dieses Jahres kam es dann zur Eskalation. O'Neal hatte in einer Spezialausgabe von "Shaqtin' a Fool" nur Szenen aus McGees Karriere gezeigt. McGees Mutter Pamela, früher selbst Profibasketballerin, warf O'Neal Cybermobbing vor, sein Superstar-Teamkollege Kevin Durant legte sich mit O'Neal über Twitter an und die Warriors beschwerten sich beim TV-Sender TNT. O'Neal versprach schließlich, sich nie mehr über McGee lustig zu machen - seine Mutter habe ihm das befohlen.
McGee selbst scheint sich mit dem Ruf abgefunden zu haben. Entsprechend gelassen reagierte der Center auf die angebliche Beleidigung aus Cleveland. "Es macht mir nichts aus. Sie können sagen, was sie wollen, wir sind in Amerika, es gibt schließlich die Meinungsfreiheit."
Warriors-Center McGee: Von der Pointe zum X-Faktor
Unbeeindruckt zeigte er im ersten Finalspiel gegen Cleveland (113:91) eine starke Leistung - auch wenn er wieder nur zu einem sechsminütigen Einsatz für die Warriors kam. Doch in dieser kurzen Zeit lieferte McGee das, wofür ihn Golden State verpflichtet hatte: Sehr viel Energie, Offensivrebounds und seine Fähigkeit, den eigenen Korb zu beschützen.
Im Sommer hatten die Warriors Superstar Durant verpflichtet, zusammen mit Stephen Curry, Draymond Green und Klay Thompson hatte das Team damit vier elitäre Spieler im Kader. Doch es fehlten Rollenspieler.
"Er verändert Spiele"
McGee war vertragslos und schon kurz davor, ins Ausland zu wechseln. Nur ein anderes NBA-Team hatte Interesse an ihm gezeigt. In den vorangegangenen drei Jahren hatte er mit Verletzungsproblemen zu kämpfen und hatte für drei verschiedene Teams deshalb insgesamt nur 57 Spiele bestritten. Golden State gab ihm eine Chance, McGee bekam einen Minimalvertrag für eine Saison.
General Manager Bob Myers sagte der Website "Undefeated" später, er habe nur Positives gehört, als er sich über McGee informiert habe: "JaVale war schon immer ein talentierter Spieler, der hart arbeitet, und den seine Teamkollegen sehr mögen." Besonders Forward Andre Iguodala, der mit McGee ein Jahr in Denver spielte, riet dem Management dazu, den Center zu verpflichten.
Es sollte sich für beide Seiten auszahlen. McGee entwickelte sich im Laufe der Saison zum X-Faktor des Teams, mit seiner Athletik und Länge gibt er den Warriors etwas, was dem Team zuvor fehlte. Im Schnitt spielt er zwar nur rund zehn Minuten, diese können aber mit spielentscheidend sein, in den Playoffs zählt McGee bislang zu den effektivsten Akteuren überhaupt.
"Er verändert Spiele", lobt Thompson. Und Durant sagt: "Er nutzt seine Stärken voll aus, öffnet uns Räume auf dem Flügel und verteidigt den Korb."
Natürlich unterlaufen McGee immer noch Fehler, über die selbst seine Teamkollegen lachen. Trotzdem sagt er, es sei eine Saison der Wiedergutmachung. Womöglich wird sie mit dem Titel gekrönt.