NBA Knicks stoppen den "Flying Dutchman"
New York - Spielt er, oder spielt er nicht? Das war die große Frage vor dem dritten Eastern-Conference-Finale zwischen den New York Knicks und den Indiana Pacers im Madison Square Garden. Er spielte nicht. Doch auch ohne ihren Star-Center Patrick Ewing, der sich in der letzten Begegnung eine Sehnenverletzung am Fuß zugezogen hatte, präsentierten sich die Knickerbockers wie ein angeschlagener Boxer am gefährlichsten und besiegten die Indiana Pacers mit 98:95. Allerdings war der Erfolg teuer erkauft, denn mit Marcus Camby fiel gleich der nächste groß Spieler der Knicks verletzungsbedingt aus.
Eigentlich hatten alle damit gerechnet, dass New Yorks Trainer Jeff van Gundy Kurt Thomas oder Marcus Camby als Center-Ersatz für Patrick Ewing in die Starting Lineup berufen würde. Der eigenwillige Coach schenkte jedoch Dave Dudley sein Vertrauen, einem Spieler, der in den zwölf vorausgegangenen Play-off-Partien gerade einmal insgesamt zehn Minuten auf dem Parkett gestanden hatte. Diese Entscheidung wäre beinahe ein glatter Eigenkorb geworden. Zu keiner Phase in der ersten Halbzeit konnte der nicht eben für seine Beweglichkeit bekannte Dudley seinen unmittelbaren Gegenspieler Rik Smits in Schach halten. Der "Flying Dutchman", so Smits Kosenamen, spielte Katz und Maus mit seinen Pendants - auch Thomas sah alles andere als gut aus, wenn er Smits verteidigte - und schenkte den Hausherren bis zum Pausenstand von 42:41 für Indiana stolze 21 Punkte ein. Allerdings intensivierten Dudley und Thomas in Durchgang zwei ihre Abwehrbemühungen merklich und ließen nur noch vier weitere Zähler des mit 2,23m extrem hoch aufgeschossenen Holländers zu.
Dass New York trotz des Fehlens von Altmeister Ewing und des frühen Ausfalls von Marcus Camby, der sich in der 16. Spielminute bei einer Angriffsaktion eine Kapselverletzung am Knie zuzog, den Erzrivalen aus Indianapolis bezwingen und die Serie auf 1:2 verkürzen konnten, zeigt einmal mehr, welch großes Basketballherz in dem Team aus dem "Big Apple" steckt. In der Stunde der Not spielen die ihrem Trainer zufolge "außergewöhnlich stolzen" Knicks häufig am besten. Und zumeist sind es dabei Latrell Sprewell und Allan Houston, die über sich hinauswachsen. So auch gestern, als das dynamische Duo zusammen sechzig Punkte aus dem Hut zauberte.
Sprewell, der letzten Donnerstag nach Eigenaussage "das schlechteste Play-off-Spiel seiner Karriere" abgeliefert hatte, fühlte sich auf heimischen Boden wieder "richtig gut und locker" und erzielte mit 32 Punkten eine neue persönliche Postseason-Bestmarke. Obendrein holte der sprunggewaltige Flügelspieler mit acht "Brettern" die meisten Rebounds seines Teams. Houston stand seinem Kollegen in nichts nach und vernaschte mit 28 Punkten seinen renommierten Antagonisten, Pacers-Derwisch Reggie Miller (19 Punkte). Tatkräftige Unterstützung erhielten die beiden Helden des Tages von ihren Mannschaftskollegen Charlie Ward und Larry "Grandma" Johnson, die je vierzehn Punkte erzielten. Ward teilte zudem neun Assists aus.
Die Pacers, die nach Meinung ihres Headcoaches Larry Bird vor allem in der zweiten Halbzeit "zu viele Würfe von draußen nahmen" und Smits nicht mehr so wirkungsvoll in Szene setzten wie zuvor, hatten dem aufopferungsvoll auftretenden Heimteam in der zweiten Halbzeit nichts mehr entgegenzusetzen. Nur dank Jalen Rose, der 22 seiner insgesamt 26 Punkte im letzten Viertel einstreute, konnten die Gäste noch ein wenig Ergebniskosmetik betreiben und einen zeitweilig zweistelligen Rückstand in ein scheinbar enges Endresultat von 95:98 umwandeln.
Indianas Aufbauspieler Mark Jackson stellte zwar nach der Niederlage nüchtern fest, dass sein Team im Ostfinale "immer noch 2:1 führt", aber der jüngste Knicks-Erfolg könnte durchaus das Startsignal für ein weiteres Kapitel der erfolgreichen Comeback-Geschichte der Knickerbockers gewesen sein. Und es erscheint beinahe belanglos, ob beim nächsten Gipfeltreffen am Montag New Yorks Ewing und Camby wieder dabei sind oder nicht, denn die Knicks werden ohnehin nur einem einzigen Instinkt folgen: dem ihres Herzens.