NBA: Knicks verlieren das entscheidende Brett - DER SPIEGEL
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NBA Knicks verlieren das entscheidende Brett

Auch im zweiten Spiel der Ostfinalserie musste sich das Team aus New York den Indiana Pacers geschlagen geben. Allerdings stand die Partie bis wenige Sekunden vor Schluss auf des Messers Schneide.
Von Tobias Pox
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Indianapolis - Eine alte Basketballweisheit besagt, dass die Mannschaft, die die Bretter kontrolliert, also die meisten Rebounds holt, auch das Spiel gewinnt. So geschah es auch vergangene Nacht im Conseco Fieldhouse von Indianapolis, wo die heimischen Indiana Pacers mit 88:84 über die New York Knicks triumphierten und sich eine 2:0-Führung in der Ostfinal-Serie erspielten. Allerdings war dieses Mal weniger die Quantität der erbeuteten Abpraller entscheidend - Indiana holte insgesamt nur vier Rebounds mehr als New York (Reboundverhältnis 49:45) -, als vielmehr die Qualität.

Als Dale Davis, Power Forward der Pacers, 5,8 Sekunden vor Schluss den Gang an die Freiwurflinie antrat, stand die Begegnung auf des Messers Schneide. Die Hausherren führten denkbar knapp 86:84, aber mit dem 31-jährigen Davis hielt ein nur 51-prozentiger Freiwerfer die dünnen Fäden in der Hand. Die Knicks spekulierten auf mindestens einen Fehlwurf und eine letzte Angriffschance, um das Spiel noch zu drehen. Davis tat den Gästen sogar den Gefallen und vergab beide Freiwürfe, jedoch schlief nach dem letzten Fehlwurf die gesamte New Yorker Verteidigung, so dass der Fehlschütze den eigenen Rebound holen und seinen Teamkollegen Jalen Rose mit einem Pass zu einem krachenden Dunking füttern konnte. Es war der letzte Korb des Abends. Davis' Rebound hatte den Pacers das Spiel gewonnen.

Neben Davis, der während der gesamten 48 Minuten unermüdlich unter den Körben ackerte und insgesamt 16 Rebounds pflückte, gefiel auf Seiten Indianas besonders Jalen Rose. Der Small Forward, der vorgestern von der NBA zum "Most Improved Player of the Year" gewählt worden war, zeigte sich sichtlich beflügelt von der jüngsten Auszeichnung und führte seine Mannschaft mit 24 Punkten an. Einen Zähler mehr erzielte der Knickerbocker Larry Johnson, der erstmals in den diesjährigen Playoffs überzeugen konnte und zum Topscorer des Tages avancierte. Jedoch fand "die Großmutter" - so Johnsons etwas eigenwilliger Spitzname - in der Offensive wenig Unterstützung von seinen Mitspielern. Besonders Latrell Sprewell, mit durchschnittlich 18,5 Punkten pro Partie sonst erfolgreichster New Yorker in den Playoffs, spielte unter Form und verwandelte nur drei seiner vierzehn Wurfversuche aus dem Feld. "Spree" kam insgesamt nur auf zehn Punkte und vergab beim Stand von 84:86 eine große Gelegenheit, das Spiel auszugleichen.

Zudem verletzte sich mit Patrick Ewing ein ganz wertvoller Stratege der Gäste. Der alternde Knicks-Center zog sich bereits im ersten Viertel eine Fußverletzung zu und fiel für den Rest der Partie aus. Ein ähnliches Schicksal war dem 37-Jährigen bereits letztes Jahr gegen die Pacers widerfahren, kurioserweise ebenfalls im zweiten Ostfinalspiel. Seinerzeit hatte sich Ewing die Achillessehne angerissen und war für den Rest der Postseason ausgefallen. Dieses Mal gibt sich das New Yorker Urgestein, welches nach wie vor ohne NBA-Titel ist, jedoch zuversichtlich. "Ich hoffe, ich kann am Samstag (im Madison Square Garden) spielen", so der Verletzte nach dem Spiel, "die Ärzte sagen, es handelt sich wohl nur um eine Verstauchung".

Selbst wenn ihr etatmäßiger Center ausfiele, muss dies jedoch kein schlechtes Omen für New York sein. Im Gegenteil. Letztes Jahr schafften es die Knicks auch ohne Ewing, sich gegen Indiana in sechs Spielen durchzusetzen und ins große NBA-Finale vorzudringen. Damals lag New York allerdings nicht bereits mit 0:2 im Hintertreffen, sondern die Serie stand 1:1 unentschieden.