NBA-Kolumne: Eine Playoff-Reform muss her - DER SPIEGEL
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Western Conference: Wie immer unberechenbar

Foto: Darren Abate/ AP

NBA-Kolumne Eine Playoff-Reform muss her

Houston bleibt auf der Strecke, Indiana steht in den Playoffs - obwohl sie deutlich weniger Spiele gewonnen haben. In der NBA herrscht eine große Diskrepanz zwischen der starken Western und der schwachen Eastern Conference. Es wird Zeit für eine Neuordnung der Liga.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"World Champion" steht auf dem Banner, das die Los Angeles Lakers für ihre 16. NBA-Meisterschaft unter die Hallendecke des Staples Centers hängten. Eine anmaßende Bezeichnung, schließlich sind nur nordamerikanische Teams in der Liga vertreten. Aber sie unterstreicht auch die Selbsteinschätzung der NBA als beste Basketball-Liga der Welt. Da stellt sich die Frage, warum in den Playoffs, die am Samstag beginnen, nicht die besten Teams den Meister ausspielen - und das keinesfalls zum ersten Mal.

Seit 2002 standen nur im Jahr 2007 die statistisch besten 16 Mannschaften in der Endrunde um die Meisterschaft. Beispielsweise mussten die Golden State Warriors (Westen) 2008 trotz 48 Siegen zuschauen. Im Osten hatten damals fünf Playoff-Teams weniger Erfolge. Der Grund: die Stärke der Western Conference. Dieses Jahr müssen die West-Teams Houston Rockets (43:39 Siege), Phoenix Suns (40:42) und Utah Jazz (39:43) den Indiana Pacers (37:45) den Vortritt lassen, die als Achter in den Playoffs der Eastern Conference stehen.

Für die Befürworter ist das aktuelle System, bei dem die jeweils besten acht Clubs jeder Conference in die Playoffs kommen, eine unumstößliche Tradition.

Farce würde es wohl besser treffen: Für die Ost-Teams ist es schließlich leichter, überhaupt die Playoffs zu erreichen. Im Westen dagegen droht selbst den besten Teams schon in der Auftakt-Serie das Aus.

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Eastern Conference: Die Bullen stürmen den Osten

Foto: Jim Prisching/ AP

Ein Blick auf die Bilanz der West-Teams gegen die Mannschaften aus dem Osten macht das deutlich. Elf Clubs haben gegen die Eastern Conference mehr Siege als Niederlagen (insgesamt 58,0% Siegquote). Im Osten haben nur die Topteams aus Chicago, Miami, Boston und Orlando sowie Philadelphia mehr Siege als Niederlagen gegen ihre Konkurrenten aus dem Westen verbucht.

Rechnet man die Bilanzen gegen Teams der jeweils anderen Conference auf 52 Spiele hoch - so häufig spielt jeder Club gegen die eigene Conference - ergibt sich folgendes Bild: Aus dem Osten wären zwar sieben Mannschaften in den Playoffs, aber auch die drei schwächsten. Dagegen kämen vier der besten sechs Teams aus dem Westen.

Die NBA-Playoffs bei gleich vielen Spielen gegen jede Conference aus

Team Hochgerechnete Bilanz* Conference
1 Chicago Bulls 79:25 (76%) Osten
2 San Antonio Spurs 78:26 (75%) Westen
3 Dallas Mavericks 73:31 (70,2%) Westen
4 Miami Heat 73:31 (70,2%) Osten
5 Los Angeles Lakers 72:32 (69,2%) Westen
6 Oklahoma City Thunder 71:33 (68,3%) Westen
7 Boston Celtics 70:34 (67,3%) Osten
8 Denver Nuggets 65:39 (62,5%) Westen
9 Orlando Magic 64:40 (61,5%) Osten
10 Portland Trail Blazers 61:43 (58,7%) Westen
11 New Orleans Hornets 60:44 (57,7%) Westen
12 Memphis Grizzlies 58:46 (55,8%) Westen
13 Houston Rockets 56:48 (53,9%) Westen
14 Atlanta Hawks 54:50 (51,9%) Osten
15 Philadelphia 76ers 53:51 (51%) Osten
16 New York Knicks 52:52 (50%) Osten
*Bilanz gegen Teams der jeweils anderen Conference auf 52 Spiele hochgerechnet plus Bilanz gegen Clubs aus der eigenen Conference (ebenfalls 52 Partien)

Früher, in der Anfangszeit der NBA, war die Aufteilung in Ost und West finanziellen Zwängen geschuldet. Weitere Flüge bedeuteten höhere Kosten. Und vor dem Sport steht in der Liga immer noch das Geschäft. Das floriert seit mehr als 20 Jahren prächtig, darüber kann auch der Tarifstreit zwischen der NBA und der Spielergewerkschaft, dem die kommende Saison zum Opfer fallen könnte, nicht hinweg täuschen. Das Fliegen ist billiger geworden, zwischen den Großstädten in Nordamerika gibt es stündlich Verbindungen. Es besteht also keinen Grund mehr, an den Conferences festzuhalten.

Doch die optimale Lösung ist nicht leicht zu finden. Zwei Variablen sind fest: 82 Partien in der regulären Saison und 41 Heimspiele für jeden Club. Denn einen Einnahmeverlust werden die Teambesitzer nicht hinnehmen. Zudem müssen die TV-Verträge eingehalten werden. Bis 2016 kassiert die NBA pro Saison etwa 930 Millionen US-Dollar von ihren Fernsehpartnern.

Einem möglichst ausgeglichenen Spielplan steht vor allem die Anzahl der Teams (30) im Weg. Spielt jeder Club zweimal gegeneinander, so wären 58 Begegnungen pro Mannschaft zu wenig, bei drei Partien sind 87 aber zu viel. Zwei Lösungen sind umsetzbar:

  • Mini-Revolution: Die Conferences bleiben, jedes Team spielt zweimal gegen jeden anderen Club (58 Spiele). Zudem gegen 24 Mannschaften, jeweils zwölf aus jeder Conference, noch ein drittes Mal. Diese 24 Gegner werden jedes Jahr per Losverfahren neu ermittelt. Die besten 16 Teams - unabhängig der Conference-Zugehörigkeit - kommen in die Playoffs und werden dementsprechend gesetzt.

  • Tradition verpflichtet: Die Sieger der sechs Divisions sind automatisch für die Playoffs qualifiziert, deshalb sollten die Divisionen auch einen höheren Stellenwert bekommen. Deshalb acht Spiele gegen die vier Teams aus der eigenen Division (32), gegen jedes andere Team zweimal (50). Dazu kommen die zehn besten Clubs. Die Setzliste in den Playoffs orientiert sich an der Bilanz.

NBA-Commissioner David Stern will immer "das beste Produkt für unsere Fans" bieten. Und dazu gehört auch, dass die besten Teams in den Playoffs stehen. Eine Reform ist unumgänglich.

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