NBA: Lakers schicken Schrempf in den Ruhestand - DER SPIEGEL
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NBA Lakers schicken Schrempf in den Ruhestand

Lange Zeit sahen die Portland Trail Blazers am Sonntagabend gegen die Los Angeles Lakers wie der sichere Sieger aus. Doch dann zog der Favorit im siebten und entscheidenden Spiel des Western-Conference-Finals noch mal an und beendete Detlef Schrempfs Traum von der NBA-Championship.
Von Tobias Pox
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Los Angeles - 41 Sekunden vor Schluss gab es im Staples Center von L.A. kein Halten mehr. Nach einem Lobpass von Kobe Bryant schloss Shaquille O'Neal einen Angriff mit einem spektakulären Alley-Oop zum 85:79 ab. Das brachte die Vorentscheidung. Der hünenhafte Center der Lakers lief danach wild jubelnd über den Court, ganz so, als hätte sein Team soeben bereits die NBA-Meisterschaft gewonnen. Die 19.000, zumeist mit "I love L.A."-T-Shirts bekleideten Zuschauer taten es ihrem Helden gleich und ließen die Arena kräftig wackeln.

Lange Zeit hatte es am Sonntagabend jedoch nicht so ausgesehen, als sollten die Lakers-Anhänger und O'Neal viel Grund zum Jubeln haben. Der Gegner aus Portland spielte groß auf, führte zeitweilig mit sechzehn Punkten und ging mit einem beruhigenden 71:58-Vorsprung in das letzte Viertel. Bis dahin hatte es die Mannschaft von Detlef Schrempf vorbildlich verstanden, den sonst so wirkungsvollen O'Neal auszuschalten. Permanentes Attackieren durch zwei Verteidiger der Blazers führte dazu, dass der Topscorer der Lakers vor Beginn der Schlussviertels lediglich neun Punkte auf dem Konto hatte. Doch dann brachen die Blazers weg.

Shaquille O'Neal, der letztlich noch 18 Punkte erzielte, und sein Team konnten das Blatt noch wenden, gewannen schließlich mit 89:84 und zogen damit ins NBA-Finale gegen die Indiana Pacers ein. Zurück blieb ein trauriger Detlef Schrempf. Ein letztes Mal noch hatte der 37-jährige mit Portland den Angriff auf jene Insignie aufgenommen, die er auch nach dem letzten Spiel seiner beeindruckenden, 15-jährigen NBA-Karriere weiter wird missen müssen: den Championship-Ring.

Während die einen sich nach dem Spiel deprimiert zurückzogen, wussten andere, wie glimpflich sie noch einmal davongekommen waren. Beispielsweise auch "Shaq-Attack": "Ich wusste, meine Mannschaftskollegen würden mir aus der Patsche helfen. Wir haben viele verschiedene Waffen im Team," verriet der 28-Jährige sichtlich erleichtert.

Die effektivste dieser Waffen stellte Kobe Bryant dar. Der Shooting Guard, der vor vier Jahren direkt von der High School ins Profigeschäft wechselte, war mit 25 Punkten, elf Rebounds und sieben Assists auffälligster Akteur der Lakers. "Das ist es, was Champions auszeichnet. Früher haben wir immer beim Finale zugucken müssen, jetzt selber eines spielen zu dürfen, ist sensationell," freute sich Bryant über den Nervenkitzelsieg. Auch Robert Horry (12 Punkte), Glen Rice und Brian Shaw (beide 11) wussten zu gefallen und ihren Beitrag zum ersten Finaleinzug der Kalifornier seit neun Jahren zu leisten.

Auf Seiten des Verlierers, der in Rasheed Wallace (30 Punkte) und Steve Smith (18) seine erfolgreichsten Scorer hatte, herrschte einerseits Ratlosigkeit ob der mangelnden Korbausbeute im letzten Viertel, in dem die Blazers "einfach keinen Schuss mehr treffen konnten" (Trainer Mike Dunleavy) und bei einer Trefferquote von lausigen 22 Prozent nur noch fünf Feldkörbe erzielten. Andererseits war die Mannschaft aus Oregon stolz darauf, sich nach einem Serienrückstand von 1:3 noch mal bravourös auf 3:3 herangekämpft zu haben. "Keiner hat uns mehr eine Chance gegeben, als wir 1:3 zurücklagen. Wir können stolz sein", so Scottie Pippen, der zwölf Punkte erzielte und seinen Kritikern mit dem Finaleinzug nur zu gerne bewiesen hätte, dass er auch ohne seinen ehemaligen Weggefährten Michael Jordan Meisterschaftskaliber besitzt.

Während Pippen sich mit sechs Meisterschaftsringen aus seiner Zeit bei den Chicago Bulls trösten kann, bleibt Detlef Schrempf ein solcher Trost verwehrt. Der gebürtige Leverkusener wird nach dem Ausscheiden der Trail Blazers ohne einen Titel in den Basketball-Ruhestand gehen müssen. "Det the Threat" trat jedoch mit Würde ab: Der beste deutsche Basketballer aller Zeiten blieb bei drei Wurfversuchen in 21 Minuten Spielzeit ohne Fehlwurf und verabschiedete sich mit sechs Punkten und fünf Rebounds aus der leistungsstärksten Basketball-Liga der Welt.

Der neue NBA-Titelträger wird ab Mittwoch in der Finalserie (Modus Best-of-Seven) zwischen den L.A. Lakers und Indiana Pacers ermittelt. In Spiel eins genießt der Favorit aus Los Angeles Heimrecht.