NBA: Lakers verhindern historische Pleite - DER SPIEGEL
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NBA Lakers verhindern historische Pleite

Die erste Runde der Play-offs ist vorüber. In den beiden letzten Partien der Western Conference konnten sich die Favoriten aus Los Angeles und Salt Lake City durchsetzen.
Von Tobias Pox
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Los Angeles - Auch das Halbfinalfeld der Western Conference ist nun komplett. Sowohl die Los Angeles Lakers als auch die Utah Jazz überstanden ihren Drahtseilakt in Spiel fünf und retteten sich in die nächste Play-off-Runde. Los Angeles besiegte die aufmüpfigen Sacramento Kings letztlich deutlich mit 113:86 und trifft nun auf die Phoenix Suns. Utah machte die Angelegenheit etwas spannender und stellte seinen 96:93-Sieg über Seattle erst in der finalen Spielminute sicher. Im Halbfinale bekommen es die Jazz mit Detlef Schrempf und seinen Portland Trail Blazers zu tun.

Vielseitig waren die Vergleiche, die im Vorfeld der alles entscheidenden Erstrunden-Partie zwischen den Los Angeles Lakers und den Sacramento Kings herangezogen wurden. Sollte der hoch dotierte Meisterschaftskandidat aus L.A. gegen die Kings ausscheiden, so kolportierte etwa die Associated Press, wäre dies "eine der größten Überraschungen der Sportgeschichte". So groß wie 1964 der unerwartete Triumph des jungen Cassius Clay über Sonny Liston. Solche und ähnliche Superlative haben sich seit vergangener Nacht jedoch erübrigt. Mit einem 113:86-Sieg im heimischen Staples Center konnten die Lakers im letzten Moment noch die Kurve kratzen und ihren Kreuzzug zum ersten Titel seit zwölf Jahren fortsetzen.

Lakers-Coach Phil Jackson sah das Vorbeischrammen seines Starensembles an einer sportlichen Katastrophe als willkommene Zerreißprobe für das anstehende Ziel. Genau solche Situationen seien es, die "abhärten" und "Champions machen", sinnierte der ehemalige Basketball-Lehrer und Freund von Michael Jordan. Und Jackson weiß, wovon er redet. Schließlich hat der Mann als Trainer - mit den Chicago Bulls - bereits sechs Meisterschaften gewinnen können.

Dass Jacksons Schützlinge dieses Mal gegen Sacramento nichts anbrennen ließen, war hauptsächlich das Verdienst des Superstars Shaquille O'Neal. Der 2,16m große und 142kg schwere Koloß bewies mit 32 Punkten ein treffsicheres Händchen, welches er mit 18 ergatterten Bällen auch beim Rebound mehr als erfolgreich einzusetzen wusste. Nur von der Freiwurflinie zeigte Shaq altbekannte Schwächen und traf nur indiskutable 28 Prozent seiner Versuche (zwei von sieben).

Bei den Gästen war Chris Webber (20 Punkte) im Angriff auf sich alleine gestellt. Das zuletzt so hoch gelobte und effektive Banktrio Stojakovic/Barry/Delk vermochte es dieses Mal nicht, entscheidende Impulse zu setzen. Bedingt durch eine überragende Lakers-Defense hatten die Kings eine miserable Trefferquote aus dem Feld (34 Prozent).

Nach einem tapferen Serien-Auftritt gegen die Lakers muss sich Sacramento also von den diesjährigen Playoffs verabschieden. Das Team mit der besten Angriffsabteilung der Liga - die Kings erzielten in dieser Saison im Schnitt 105,1 Punkte pro Partie - sollte sich jedoch nicht grämen. Bleibt die Mannschaft in ähnlicher Besetzung zusammen, blüht ihr eine rosige Zukunft.

Cool Jazz

Im wie immer mit 19.911 Zuschauern vollgestopften Delta Center von Salt Lake City blieb ebenfalls ein Favoritensturz aus. Angefeuert von ihren frenetischen Fans präsentierten sich die erfahrenen Utah Jazz gegen die Seattle SuperSonics wesentlich abgeklärter als noch zuletzt in Spiel vier, als die Routiniers doch Nerven gezeigt hatten und Coach Jerry Sloan und Power Forward Karl Malone in den letzten Spielminuten disqualifiziert worden waren. Dank zwei verwandelter Freiwürfe von Aufbauspieler John Stockton neun Sekunden vor Schluss fuhren die Hausherren einen 96:93-Sieg ein.

In einer ausgeglichenen Utah-Mannschaft punkteten alle fünf Spieler der Anfangsformation zweistellig. Ganz oben auf der Scorerliste war Karl Malone mit 27 Punkten. Malones kongenialer Partner John Stockton überzeugte vor allem durch seine Anspielkünste. Bemerkenswerte 15 Assists gelangen dem erfolgreichsten Paßgeber aller Zeiten, der in seiner bis dato 15-jährigen NBA-Karriere nunmehr fast 13.000 direkte Vorlagen ausgeteilt hat (bis zu Beginn der Playoffs waren es 12.713).

Seattle verabschiedete sich mit einer respektablen Leistung aus der Saison. Einmal mehr spielte sich dabei Gary Payton in den Vordergrund. Der Allroundkünstler der Sonics, der während der jüngsten Partie sowie der gesamten Serie kaum zu einer Verschnaufpause auf der Bank kam, bestätigte mit 27 Punkten, dass er einer der ganz Großen in der besten Basketball-Liga der Welt ist. Neben Payton gefiel erneut auch das Nachwuchstalent Rashard Lewis, der mit 20 Punkten zweitbester Scorer bei Seattle war.