NBA-Legende Robert Horry: Big Shot Rob - DER SPIEGEL
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NBA-Legende Robert Horry Big Shot Rob

Triumphe mit den Rockets, Lakers und Spurs: Sieben Titel sammelte Robert Horry - und wuchs in entscheidenden Momenten über sich hinaus. Im zweiten Teil des Portraits beschreibt das Basketballmagazin "FIVE" Horrys erfolgreiche Zeit in LA und San Antonio, die nicht ohne dunkle Momente blieb.
Von Sven Simon
Dreierkönig Horry: In fremden Arenen stöhnten die Fans, wenn der Ball seine Hand verließ
Dreierkönig Horry: In fremden Arenen stöhnten die Fans, wenn der Ball seine Hand verließ

Dreierkönig Horry: In fremden Arenen stöhnten die Fans, wenn der Ball seine Hand verließ

Foto: Lisa Blumenfeld/ AFP
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Lesen Sie im ersten Teil: Warum der Start von Robert Horrys Karriere äußerst holprig verlief, wie er sich den Ruf des Crunchtime-Killers erarbeitete und wieso er trotz durchschnittlicher Statistiken eine NBA-Legende ist.

Im Sommer 1996 wechselt Robert Horry von den Houston Rockets zu den Phoenix Suns und noch während der Saison 1996/1997 weiter zu den LA Lakers. Dort folgen die Erfolgsjahre mit dem Super-Duo Shaquille O'Neal und Kobe Bryant. Von 2000 bis 2002 holen die Lakers drei Meisterschaften in Folge - und Horry bastelt weiter an der eigenen Legende.

Der erste Streich gelingt in den Finals 2001. In der dritten Partie spielen die Philadelphia 76ers stark auf. O'Neal sitzt bereits mit sechs Fouls auf der Bank, die Lakers brauchen einen Helden. 45 Sekunden vor dem Ende trifft Horry den entscheidenden Dreier aus der linken Ecke, der die Lakers mit vier Punkten in Front bringt.

Ein Jahr erwischt es die Portland Trail Blazers im dritten Spiel der ersten Runde. Bei zwei Punkten Rückstand passt Bryant rechts raus auf Horry, der mit zehn Sekunden auf der Uhr den Siegdreier verwandelt. Dann folgt sein berühmtester Treffer: Die Lakers liegen nach Siegen 1:2 gegen die Sacramento Kings zurück und hecheln in der ersten Hälfte der vierten Partie bereits mit 24 Punkten hinterher.

Es folgt eine dramatische Aufholjagd. Beim Stand von 97:99 gegen Los Angeles bleiben für den letzten Angriff elf Sekunden. Nachdem Bryant und O'Neal ihre Würfe vergeben, trifft Horry mit der Schlusssirene - die Lakers gewinnen. "Am schönsten sind natürlich die Würfe, die einschlagen, wenn die Zeit bereits runtergelaufen ist. Dann kannst du als Team gleich anfangen zu feiern", sagt Horry.

Horrys Wechsel von den Lakers zu den Spurs

Als der Crunchtime-Killer im Sommer 2003 zu den Spurs nach San Antonio wechselt, ändert sich seine Situation grundlegend. War er in Los Angeles noch Leistungsträger und gelegentlich auch Starter gewesen, halbiert sich in Texas die Spielzeit des damals 33-Jährigen. Dennoch hat er in den Ausscheidungsspielen weiter seine großen Momente. 2005 netzt er in den Playoffs für die Spurs 38 seiner 85 Dreier ein. Im fünften Finale in Detroit liefert er, was Teamkollege Tim Duncan als "größten Auftritt, den ich als teilnehmender Spieler jemals erlebt habe" bezeichnet.

Nachdem er am Ende des dritten Viertels seine ersten drei Punkte erzielt, legt Horry im Schlussabschnitt und der Verlängerung 21 weitere drauf. Auch weil Duncan schwächelt, macht er 21 der letzten 35 Punkte der Spurs und bleibt bei seinen letzten sechs Würfen fehlerlos. Den fünften und siegbringenden Dreier versenkt er knapp sechs Sekunden vor dem Ende.

Es gibt jedoch auch Momente, in denen Horry versagt. Besonders schwerwiegend ist sein offener Dreier im fünften Spiel der Conference Finals von 2003 mit den Lakers gegen die Spurs. Horry vergibt, San Antonio geht 3:2 in Führung und zieht danach ins Finale ein. Während der Serie trifft Horry für die Lakers nicht einen seiner 18 Versuche aus der Distanz.

Kritiker verweisen auf Horrys großartigen Mitspieler

Natürlich verblassen solche negativen Momente hinter den eingenetzten Gamewinnern. Für die Fans ist Horry nur "Big Shot Rob". Bei Heimspielen brandet schon während seiner Wurfbewegung Jubel auf, in fremden Arenen stöhnen die Fans bereits, wenn der Ball seine Hand verlässt.

Horry selbst hat eine eigenwillige Theorie, warum er immer im Frühling zur Bestform aufläuft. "Es ist das warme Wetter. Wenn es warm ist, komme ich besser in Fahrt. Ich hasse die kalten Jahreszeiten", sagt er. Natürlich spiele auch die besondere Atmosphäre in den Playoffs eine Rolle. "Dann kannst du die Energie um dich herum spüren, selbst wenn du nicht auf dem Feld bist. Das baut dich auf und gibt dir mehr Kraft. Du spielst besser."

Kritiker verweisen mit Blick auf die sieben Titel gerne auf seine großartigen Mitspieler. Natürlich hatte er mit Hakeem Olajuwon bei den Rockets, Shaquille O'Neal bei den Lakers und Tim Duncan bei den Spurs immer einen dominanten, großen Teamkollegen an seiner Seite, der gedoppelt werden musste und ihm dadurch Chancen bescherte. Aber: Einen offenen Wurf kann jeder kriegen, ihn versenken kann aber eben nicht jeder.

NBA-Gemeinde gespalten: Sollte Horry in die Hall-of-Fame?

Der einzig echte schwarze Fleck in der Vita von Robert Horry ist sein unsportlicher Hüftcheck aus den Conference Finals 2007 gegen die Suns. Damals katapultiert er Steve Nash aus vollem Lauf in die Anschreibertische. Wegen der folgenden Tumulte werden die Suns-Profis Ama're Stoudemire und Boris Diaw gesperrt. Die Serie geht an die Spurs, es folgt Horrys siebter Titel.

Seit dem Ende von Horrys Karriere im Jahr 2008 gibt es eine Frage, die die NBA-Gemeinde in zwei Lager teilt: Ist er ein Kandidat für die Hall-of-Fame?

Abgesehen von seiner halben Saison in Phoenix gewann er bei jedem seiner Arbeitgeber die Meisterschaft. In allen 16 Profijahren stand er in den Playoffs, erreichte immer mindestens die zweite Runde und wurde im Schnitt in fast jedem zweiten Jahr Meister. Natürlich war er nie der wichtigste Akteur seines Teams, aber es ist schwer vorstellbar, dass die Lakers 2002 oder die Spurs 2005 ohne ihn gewonnen hätten. "Er war vielleicht nicht derjenige, der sein Team in die Lage versetzte, um den Titel mitzuspielen. Aber am Ende war er einige Male derjenige, der die Trophäe nach Hause brachte", sagt Manu Ginobili, der fünf Jahre gemeinsam mit Horry bei den Spurs spielte.

Richtig brisant wird die ganze Diskussion aber erst im Jahr 2013. Dann ist Robert Horry fünf Jahre in NBA-Rente - und darf erstmals für die Hall-of-Fame vorgeschlagen werden.

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