NBA My Home is My Castle
Indianapolis - Auch im dritten Heimspiel des Eastern-Confernce-Finals konnten die Indiana Pacers gegen die New York Knicks ihren Heimcourt verteidigen. Nach einem 88:79 im Conseco Fieldhouse von Indianapolis führt das Team von Larry Bird die Best-of-seven-Serie mit 3:2 an und braucht nur noch einen einzigen Erfolg, um zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins NBA-Finale vorzudringen.
Nachdem beim letzten Heimauftritt gegen New York zum Entsetzen aller lokalen Schlachtenbummler Fans der Knicks auf den besten Plätzen direkt neben dem Spielfeld gesichtet worden waren, hatten die beiden Klubeigner der Pacers, die Gebrüder Simon, eine kuriose Grossaktion gestartet: Sie erwarben den Löwenanteil der Tickets für die begehrten Exklusivplätze am Court und verteilten diese an junge, hungrige Hoopfans der eigenen Couleur. An tatkräftiger, hautnaher Unterstützung sollte es dieses Mal nicht mangeln. Allerdings dauerte es bis zum zweiten Viertel, ehe im Conseco Fieldhouse richtig Stimmung aufkam, denn die Heimmannschaft erwischte einen grauenhaften Start.
Mit Patrick Ewing wieder in Basketballkluft und in der Startformation - Ewing hatte die letzten zwei Partien wegen einer Fussverletzung aussetzen müssen - legte New York ein unglaubliches erstes Quarter auf das Parkett und führte nach zwölf Minuten mit 32:17. Die Knickerbockers trafen nach Belieben, und die Taktik von Trainer Jeff van Gundy, den Pacers von Beginn an "die Emotionen zu nehmen und schon bei der ersten Auszeit klar zu führen", schien mehr als aufzugehen. Jedoch wahrte die Magie der Grossstadtbasketballer aus dem "Big Apple" nicht lange.
Schien der gegnischere Korb zuvor noch himmelweit offen für Ewing und Co., war er plötzlich wie vernagelt. Bis zur Pause gelangen New York nur noch acht Punkte. Angeführt von Jalen Rose, der dreizehn seiner insgesamt 18 Punkte in der ersten Halbzeit markierte, kämpfte sich Indiana Korb um Korb wieder heran und ging schließlich mit einer 42:40-Fuehrung in die Kabine. Jetzt entflammte auch das Feuer der Zuschauer, und die Menge stand Kopf.
Besonders Pacers-Point-Guard Mark Jackson verstand es, dem Publikum einzuheizen. In Antwort auf Larry Johnsons "Big L"-Geste aus dem letzten Spiel - der Knickerkocker hatte nach Korberfolgen seine Unterarme zu einem "L" formiert und sich so selber zelebriert - verschraenkte Jackson seine Arme nach jedem erfolgreichen Korbwurf zu einem Kreuz und nickte dabei selbstgefällig mit dem Kopf. Der 35-jährige Zeichenkünstler, der früher selber einmal bei New York aktiv war, beendete die Partie mit elf Punkten.
Den zuvor verlorenen Faden fand New York im Verlauf des Spiels nicht mehr wieder. Lediglich Allan Houston lies dank seiner insgesamt 25 Punkte im letzten Viertel nochmal kurz Hoffnung aufkommen, als er die Gäste auf 71:76 heranbrachte. Zwei Drei-Punkte-Wuerfe von Sam Perkins und Travis Best, der mit 24 Punkten seinem Nachnamen alle Ehre machte und bester Werfer seines Teams wurde, besiegelten aber endgültig das Schicksal der Knicks.
Fuer Duell sechs am Freitag gab Indianas Wortführer Reggie Miller eine einfach gestrickte Marschroute aus. "Wir müssen so spielen, wie heute in den letzten 36 Minuten, und nochmal zwölf Minuten draufpacken", so der Weitwurfspezialist, der gestern sechzehn Zaehler markierte. Jedoch sollte Miller eines bedenken: das nächste Spiel findet im Madison Square Garden statt. Und dort herrschen eigene Gesetze - zum Beispiel, dass die Pacers seit fünf Anläufen nicht mehr in dieser Arena haben gewinnen können.