NBA Pippen schickt den "Mailman" heim
Portland - Nach einem 81:79 über Utah hat Portland die Halbfinalserie mit 4:1 gewonnen und sich zum zweiten Mal in Folge für das Western-Conference-Finale qualifiziert. Hier treffen die Trail Blazers in einer Traumpaarung auf die Los Angeles Lakers.
Für Portlands Detlef Schrempf ist es bereits der dritte Einzug in ein Westfinale. 1988 scheiterte der Deutsche dort noch mit seinem ersten NBA-Verein, den Dallas Mavericks, am späteren "World Champion" aus L.A. Acht Jahre später, inzwischen im Dress der Seattle SuperSonics, setzte sich "Det, the Threat"'s Team dann im Westen durch, unterlag aber den Chicago Bulls mit Michael Jordan im großen Finale.
Der Sieg Portlands im heimischen Rose Garden war von einigen Hindernissen gepflastert. Zunächst dominierten die Gäste aus Salt Lake City das Spiel und führten nach einer guten ersten Halbzeit mit 41:33. Vor allem Karl "The Mailman" Malone, der mit 27 Punkten das Spiel als absoluter Topscorer beendete, machte Portland das Leben schwer. Nach Durchgang eins übernahmen dann die jüngeren und athletischeren Hausherren die Initiative. Allerdings stellten sie sich dabei fast selber ein Bein.
Wie in einer Slapstick-Komödie streckte Arvydas Sabonis, litauische Center-Dampfwalze in Diensten der Blazers, knapp sechs Minuten vor Schluss seinen eigenen Teamkollegen Scottie Pippen nieder. Der Litauer, mit 16 Punkten zweitbester Schütze seines Teams, hatte gerade einen erfolgreichen Hakenwurf gelandet, erwischte danach jedoch mit seinem kantigen Ellbogen den Kopf seines nichts ahnenden Gefährten. Pippen ging zu Boden, konnte aber nach kurzer Pause weitermachen. Und das war mehr als wichtig für seine Mannschaft.
In der hektischen Schlussphase des Spiels konnte Pippen, der in den letzten drei Spielen insgesamt nur 15 Punkte erzielt hatte, alle seine jüngsten Kritiker eines Besseren belehren. Erst erzielte der ehemalige Jordan-Kompagnon sieben Sekunden vor dem Ende einen Drei-Punkte-Wurf, anschließend traf er einen entscheidenden Freiwurf und stellte so das Endergebnis von 81:79 her. Letztlich kam der elegante Forward auf 23 Zähler und war Topschütze seines Kollektivs. Nebenbei holte der 34-Jährige noch neun Rebounds und teilte acht direkte Vorlagen aus, was seine exzellente Allround-Vorstellung abrundete.
"Ich denke die Erfahrung, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe und was ich daraus mache, wird dem Team helfen", sagte Pippen nach dem Spiel. "Allerdings werde ich nicht als Einziger die Verantwortung auf den Schultern tragen", sprach er die Ausgeglichenheit der Blazers an. Auch von Trainer Mike Dunleavy bekam Pippen Lob: "Er war schon über die ganze Saison ein großartiger Spielmacher und Scharfschütze."
Die sportliche Botschaft wird Pippen wohl besonders Olden Polynice gewidmet haben. Der Center der Utah Jazz, der im letzten Spiel durch wilde Jubelgesten und reichlich "Trash Talk" aufgefallen war, hatte nach Begegnung vier ordentlich Front gemacht gegen Portlands All-Star: "Pippen lebt immer noch von seinen sechs Meisterschaftsringen. Aber damals war da ein Kerl namens Michael Jordan, der alles besorgt hat". Diesen irrigen Vorwurf, lediglich eine "Jordan-Marionette" zu sein, dürfte Pippen nunmehr entkräftet haben.
Detlef Schrempf verlebte während seines 17-minütigen Arbeitseinsatzes, in welchem er fünf Punkte und vier Rebounds verbuchte, einen eher unspektakulären Abend. Allerdings wäre der deutsche Basketball-Guru beinahe unfreiwillig zum tragischen Helden des Abends aufgestiegen. Drei Sekunden vor Schluss foulte Schrempf seinen direkten Gegenspieler, Byron Russell, und gab diesem Gelegenheit, mit zwei Freiwürfen sein Team doch noch auf die Siegerstraße zu bringen. Russell, der mit 18 Punkten eigentlich gut in Schuss war, vergab jedoch beide Versuche. Und nach Pippens erfolgreichem Freiwurf unmittelbar danach war am Finaleinzug Portlands nichts mehr zu rütteln.