NBA-Play-offs: Ein Sieg gegen die Trauer - DER SPIEGEL
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NBA-Play-offs Ein Sieg gegen die Trauer

Die Stimmung bei den Portland Trail Blazers ist zu Beginn des Conference-Semifinals gegen die Utah Jazz von tiefer Trauer um den verstorbenen Assistenztrainer Bill Musselman geprägt. Der deutliche 94:75-Sieg über das Team aus Salt Lake City vergangene Nacht spendete ein wenig Trost.
Von Tobias Pox
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Portland - Vor dem ersten von sieben möglichen Halbfinalspielen zwischen den Portland Trail Blazers und den Utah Jazz kam die Andacht. In einer Schweigeminute gedachten die Aktiven auf dem Feld und die 20 351 Zuschauer auf den Rängen des Rose Gardens von Portland dem dahingeschiedenen Bill Musselman. Der beliebte Ex-Coach der Blazers war am Freitag 59-jährig einem Krebsleiden erlegen. Danach wurde wieder Basketball gespielt, mit Trauerflor.

Die Hausherren erwischten den besseren Start und rissen das Spiel sofort an sich. Bis zur Pause setzte sich Portland auf zehn Punkte ab (44:34). Diese Führung gaben die Blazers im weiteren Spielverlauf nicht mehr her. Zwar kam Utah im zweiten Durchgang noch mal auf 61:65 heran, aber Scottie Pippen leitete mit neun Punkten im letzten Viertel einen Schlussspurt ein, der den letztlich deutlichen Triumph seines Teams besiegelte. Portland bestach erneut durch mannschaftliche Geschlossenheit. Sechs Spieler erzielten zehn oder mehr Punkte, wobei Scottie Pippen (20 Punkte) und Damon Stoudamire (14) am erfolgreichsten waren. Für die Reboundarbeit waren der Litauer Arvidas Sabonis (14 Rebounds) und Brian Grant (10) zuständig.

Hinzu kam deutsche Wertarbeit von der Bank. Detlef Schrempf erhielt nach seiner guten Vorstellung im letzten Spiel gegen Minnesota mit 22 Minuten mehr Spielanteile als zuletzt und agierte erfolgreich im Hintergrund. Mit vier Punkten und jeweils zwei Rebounds, Assists und Steals trug sich der 37-Jährige in jede spielrelevante Statistik ein. Solche unauffälligen, aber effizienten Auftritte sind es, die Schrempf zu einem der wertvollsten Bankspieler der Liga machen.

Den unterlegenen Gästen steckte scheinbar noch die fünf Spiele währende Serie gegen Seattle in den Knochen. Nach nur einem Ruhetag ließ der zweimalige Vizemeister der letzten drei Jahre vor allem im letzten Viertel jedes kämpferische Engagement vermissen und fügte sich ohne Gegenwehr der Niederlage. Diese unprofessionelle Einstellung verärgerte Utah-Coach Jerry Sloan maßlos. Und von Müdigkeit als ausschlaggebenden Faktor wollte der Trainer erst recht nichts wissen: "Meine Spieler hatten 24 Stunden Zeit zum Schlafen. Es ist ihre eigene Schuld, wenn sie sich ihre Ruhe nicht holen und danach nicht spielbereit sind." Und sollten seine Schützlinge nicht mit einer anderen Motivation in die nächsten Spiele gehen, prognostizierte Jerry Sloan, dass die Serie gegen Portland "sehr schnell vorbei sein wird". Den Trail Blazers wäre dies sicherlich recht.

Kleine Kuriosität zum Schluss: Obwohl Karl Malone Ende der ersten Halbzeit gar nicht auf dem Feld weilte, verletzte sich der Power Forward der Jazz am Knie. Nachdem Teamgefährte Armen Gilliam einem ins Aus gehenden Ball hinterher gehechtet war, kollidierte dieser mit dem ahnungslos auf der Auswechselbank sitzenden Malone. Der "Mailman" zog sich dabei eine leichte Bänderverletzung zu, konnte jedoch weiterspielen und mit 22 Punkten sogar bester Korbjäger seines Teams werden.