NBA-Point-Guard Rajon Rondo Dunkender Dickkopf
Bostons Point Guard Rondo: So schnell wie stur
Foto: ELSA/ AFPEine Halle in Louisville, Kentucky. Die Scheinwerfer tauchen die Szenerie in warmes Licht, die Musik fließt aus den Lautsprecherboxen. Auf dem Parkett bewegt sich ein drahtiger Mann zu seinem eigenen Rhythmus. Schnelle, geschmeidige Bewegungen, plötzliche Richtungswechsel und abrupte Stopps gepaart mit einem nicht zu verleugnenden Flair. Wer Rajon Rondo Rollschuh laufen sieht, weiß alles über seine Art, Basketball zu spielen. "Ich fing vor meiner Rookie-Saison damit an", sagt Rondo über sein ungewöhnliches Hobby. "Ich traf ein paar Jungs, die ziemlich gut waren, und mochte ihren Stil. Am nächsten Tag kaufte ich mir ein Paar."
Die Chicago Bulls und Orlando Magic dürften immer noch bezweifeln, dass der Point Guard der Bostons Celtics seine Rollschuhe vor den vergangenen Playoffs abgelegt hatte. Mit durchschnittlich 16,9 Punkten, 9,7 Rebounds, 9,8 Assists und 2,5 Steals pro Partie entwickelte sich der 23-Jährige zum besten Akteur seines Teams. "Wenn Rajon in zwei, drei Jahren nicht der beste Point Guard der Liga ist, wäre ich sehr überrascht", ließ Mannschaftskollege Kevin Garnett jüngst verlauten.
"Er ist schnell wie (San Antonios) Tony Parker, besitzt die Übersicht und Passfähigkeiten von Jason Kidd (Dallas Mavericks) und verteidigt wie kein anderer Aufbau in der NBA. Er muss den Halbdistanzwurf konstant treffen, aber ich bin schon jetzt sehr beeindruckt", so der Forward des Meisters von 2008 weiter.
Doch trotz der starken Leistungen in den Playoffs hielten sich die Wechsel-Gerüchte um die Nummer neun über den gesamten Sommer. "Er muss erwachsen werden", kritisierte Bostons General Manager Danny Ainge. "Wir brauchen mehr Führungsqualitäten von ihm."
"Rajon ist stur und will unbedingt gewinnen", sagte Trainer Doc Rivers. "Diese Attribute sind gut für ihn, aber er muss erkennen, wann er über das Ziel hinausschießt." Zwei Tätlichkeiten gegen Kirk Hinrich und Brad Miller in den Playoffs 2009 zeigen, auf welch schmalen Grat dieser unbedingte Wille zum Erfolg Rajon Rondo zuweilen führt. Ein Balanceakt, der schon in Louisville begann.
Intelligenter Sturkopf
Der unbedingte Wille zum Wettkampf wurde Rondo bereits während seiner Jugend in Kentucky eingeimpft. "Wir machten aus allem einen Wettbewerb", erklärt Rondo. "Ich glaube, wir haben sogar um die Wette gegessen", sagt sein Bruder William. "Wenn Rajon nicht gewann, ließ er nicht eher davon ab, bis er uns besiegte."
Der smarte Jungspund spielte in seiner Jugend Baseball, Football und Basketball mit einer eindeutigen Präferenz für das orangefarbene Ei. "Football war mein Sport", sagt Rajon noch heute. "Als Quarterback die Verteidigung zu lesen und den Spielzug anzupassen, hilft mir heute auf dem Basketballfeld." Seine Mutter zeigte sich weniger begeistert, da sie um die Gesundheit ihres spindeldürren Sohnes fürchtete. Mit einer Spannweite von 2,10 Meter und großen Händen bringt Rondo optimale Voraussetzungen auf das Basketballfeld.
Dennoch bekam er in seiner ersten Highschool-Saison gerade einmal der Hälfte in aller Spiele Einsatzzeit. Nicht etwa, weil Rajon keine Leistung brachte , sondern weil er die nötige Einstellung vermissen ließ. "Ich musste ihn für 13 Begegnungen suspendieren", erinnert sich sein damaliger Coach Henry Bibby. "Er kam zu spät zum Training, verpasste Schulstunden und war einfach undiszipliniert."
Um den jungen Point Guard zu überzeugen, brauchte es rhetorische Fähigkeiten. "Einmal erklärte ich, dass ich das Sagen über die Geschehnisse auf dem Basketballcourt hätte", sagt Bibby. "Er erwiderte, dass er aber derjenige sei, der auf dem Feld stehe. Da musste ich erst mal kurz innehalten und nachdenken. Sein IQ, nicht nur auf dem Basketballplatz, ist bemerkenswert."
Immer wieder Kritik an den Mitspielern
In Rajons drittem Jahr drang der Coach endlich zu seinem sturen Schützling - 27,9 Punkte, 10,0 Rebounds und 7,5 Assists reichten, um für die letzte Highschoolspielzeit an die renommierte Oak Hill Academy in Virginia zu wechseln. Dort gewann Rondo 2004 die Staatsmeisterschaft, verteilte in einer Begegnung 31 Assists, erzielte in einer anderen 55 Punkte. Beide Leistungen reichten aber nicht aus, um Trainerlegende Rick Pitino und Rondos Heimatuni in Louisville davon abzubringen, sich auf einen Point Guard namens Sebastian Telfair als Point Guard der Zukunft festzulegen.
Stattdessen heuerte Rondo an der University of Kentucky unter Coach Tubby Smith an, die Beziehung zum Trainer gestaltete sich wieder einmal schwierig. Der Point Guard rannte den Mitspielern davon und beschwerte sich über deren Fehler auf dem Feld. "Sie würden seine Pässe nicht fangen", rekonstruiert Smith eine Diskussion mit seinem Schützling. "Ich riet ihm, bessere Pässe zu spielen." Die Wildcats blieben trotz des großen Potentials zwei Jahre weit hinter den Erwartungen zurück. Im Jahr 2006 meldete sich Rajon Rondo nach zwei Jahren in Kentucky zur NBA Draft an.
Im Schatten der "Big Three"
Die Phoenix Suns wählten den pfeilschnellen Guard 2006 an 21. Stelle. "Die längste Wartezeit meines Lebens", gab Rondo später zu. Fast alle Teams hatten Bedenken bezüglich seiner Einstellung. "Ich kannte einige Hintergründe und sah nichts, was nicht geändert werden konnte", erklärte Danny Ainge später, die Entscheidung der Celtics, sich die Dienste Rondos per Tausch zu sichern. "Sein Talent beeindruckte uns, und wir waren davon überzeugt, dass Doc Rivers mit ihm klarkommen würde."
Lesen Sie morgen im zweiten Teil des "FIVE"-Portraits über Rajon Rondo: Wie sich der Point Guard den Respekt der "Großen Drei" der Celtics erkämpfte - und warum er Boston 55 Millionen US-Dollar wert war.