NBA: "Shaq-Attack" weinte über den Titel - DER SPIEGEL
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NBA "Shaq-Attack" weinte über den Titel

Er ist der größte, Furcht erregendste Spieler der nordamerikanischen Basketball-Liga, doch im Triumph weint er wie ein Riesenbaby: Shaquille O'Neal holte mit den Los Angeles Lakers seinen ersten NBA-Titel und brach auf dem Platz in Tränen aus.
Von Tobias Pox
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Los Angeles - Spiel, Satz und Meisterschaft L.A.: Mit einem dramatischen, erst in der Schlussminute gesicherten 116:111-Triumph gewannen die Lakers das sechste Finalspiel gegen die Indiana Pacers und holten sich ihren zwölften Titel (den ersten seit 1988). Zum wertvollsten Spieler der Finals wurde erwartungsgemäß Shaquille O´Neal gewählt. Der Starcenter, der bereits in der regulären Saison zum MVP gekürt worden war, war am Montag mit 41 Punkten der alles überragende Akteur auf dem Court und, abgesehen von seiner pathologischen Freiwurfschwäche (O´Neal traf wiederum nur drei von zwölf Versuchen von der Linie), erneut über jeden Zweifel erhaben.

Angesichts des ersten Ligatitels seit der Showtime-Ära des legendären Earvin "Magic" Johnson waren nach dem Meisterakt Worte der Erleichterung und Superlative Trumpf im mit 19.000 Zuschauern restlos ausverkauften Staples Center von L.A. "Wir haben so schwer gerackert. Es war ein hart umkämpftes Spiel. Wir haben aber endlich eine Meisterschaft gewonnen, und es fühlt sich einfach großartig an", schwärmte ein überglücklicher Kobe Bryant, der sich mit 26 Punkten und vier verwandelten, Spiel entscheidenden Freiwürfen unmittelbar vor Schluss mehr als gut erholt zeigte von seinem Totalausfall in Spiel fünf.

Auch der Meistermacher der Lakers, Headcoach Phil Jackson, gab sich euphorisch, und dies, obwohl Titelzeremonien nach sechs Meisterschaften mit den Chicago Bulls ein alter Hut für den 54-jährigen Trainerguru sind: "Diese Meisterschaft ist für L.A. Was für ein großartiger Start ins neue Millennium".

Allerdings hätten die Indiana Pacers den triumphalen Platzherren die Meisterschaftsfeier beinahe gründlich verdorben. Angeführt von ihrer wiederum äußerst produktiven Flügelzange Jalen Rose (insgesamt 29 Punkte) und Reggie Miller (25) präsentierten sich die Gäste drei Viertel lang als das besser werfende und erfahrener wirkende Team. Die Mannen von Larry Bird, der ehemaligen Spielerlegende und dem jetzigen Pacers-Trainer, führten zum Teil mit zwölf Punkten und gingen mit einem 84:79-Vorsprung in das letzte Quarter. Gepusht vom frenetischen heimischen Publikum konnte L.A. in diesem Spielabschnitt das Blatt jedoch noch wenden und den lang und heiß ersehnten Titelgewinn unter Dach und Fach bringen.

"Wir hatten die große Möglichkeit, Meister zu werden. Aber wir konnten unseren Job einfach nicht richtig erledigen", beklagte sich Bird über die ausgelassene Chance seiner Mannschaft, ein alles entscheidendes siebtes Duell zu erzwingen. Dass die Lakers es nicht soweit kommen ließen, lag vor allem an einem Akteur: Shaquille O´Neal. Der 28-jährige Superstar drang einmal mehr in astronomische Punkteregionen ein und sammelte 41 Zähler. Nebenbei ergatterte der emsige Korbjäger noch zwölf Rebounds.

Insgesamt erzielte Shaq in der Finalserie dreimal über vierzig Punkte und kam auf einen sagenhaften Schnitt von 38 Punkten pro Partie. Ein Wert, der den einstigen Heldentaten des abgetretenen Basketballgotts Michael Jordan in nichts nachzustehen scheint. So nahm es auch kein Wunder, dass "Shaq-Attack" einstimmig zum Finals-MVP gewählt wurde. Mit zwei Trophäen in den überdimensional großen Händen zeigte sich der frisch geehrte Meister und wertvollste Spieler dankbar und versprach den Fans postwendend den nächsten Titel: "Ich möchte mich bei den Fans im Staples Center bedanken. Dies ist die beste Arena der Welt. Und im nächsten Jahr holen wir gleich die nächste Championship".

Ob die Lakers es wirklich schaffen, eine so genannte "Back-to-back"-Meisterschaft zu gewinnen und eine Dynastie à la Chicago Bulls der neunziger Jahre einzuleiten (die Bulls gewannen von 1991-98 sechs Titel), wird sich zeigen. Mit Shaquille O´Neal und Kobe Bryant als außergewöhnlich talentierte Spieler und Phil Jackson als ausgebufften Trainer scheint L.A. zumindest die richtigen Zutaten zu haben. Nun kommt es nur noch auf deren richtige Verwertung an.