NBA Shaq schreibt Ligageschichte
Los Angeles - Das zweite Spiel des NBA-Finals begann für den Favoriten aus Los Angeles denkbar schlecht. Nach nur siebeneinhalb Minuten verletzte sich Superstar Kobe Bryant und fiel mit einem verstauchten Knöchel für den Rest der Partie aus. Ob das 21-jährige Ausnahmetalent beim dritten Aufeinandertreffen mit den Pacers am Sonntagabend wird auflaufen können, ist ungewiss.
Denkbar nervend verlief das Spiel zudem, weil die Pacers exzessiv die mittlerweile in der Liga angesagte "Hack-a-Shaq"-Taktik verfolgten: Shaquille O'Neal foulen und den Lakers-Center damit zu seiner großen Schwäche Freiwürfe zwingen. Nicht weniger als 39-mal jagten die Pacers den bedauernswerten Shaq durch die Hölle von der Freiwurflinie.
Nachdem O'Neal in den ersten drei Vierteln nur neun seiner dreiundzwanzig Freiwurfversuche getroffen hatte, war dem Centerhünen in den letzten zwölf Spielminuten beim Gang an die Linie schon ein wenig mulmig zumute, denn Indiana saß den Lakers fortwährend im Nacken. Der derzeit überragende Spieler der NBA riss sich jedoch zusammen und verwandelte neun von sechzehn Freiwürfen im Schlussviertel, eine für ihn respektable Ausbeute. "Als ich erst mal zur Ruhe gekommen bin, sind die meisten Freiwürfe durchs Netz gegangen," gab sich der geplagte O'Neal nach dem Spiel sichtlich erleichtert.
Es war jedoch weniger die neue Ligarekordmarke für die meisten Freiwurfverssuche in einem Spiel - die alte Bestmarke hielt seit 1962 Center-Legende Wilt Chamberlain mit 34 -, die O'Neal zum Mann des Abends im Staples Center machte, sondern vielmehr seine erneut fantastische Gesamtleistung. Nach dem 43-Punkte-Galaauftritt im ersten Spiel, liess der 2,16 Meter große und 143 Kilogramm schwere Koloss eine weitere Vorstellung der allerfeinsten Güteklasse folgen.
40 Punkte und 24 Rebounds lautete das beeindruckende Arbeitszeugnis des 28-Jährigen nach vollbrachter Arbeit. Anerkenndes Lob gab es dafür auch vom Verlierer: "Ich finde, Shaq hat heute noch besser gespielt als im letzten Spiel", zollte Indianas Headcoach Larry Bird dem Superstar Respekt. O'Neal ist nunmehr der erst fünfte Spieler in der Geschichte der NBA, der in einer Finalserie zweimal hintereinander vierzig oder mehr Punkte erzielen konnte.
Bei den Lakers war jedoch mit O'Neal nicht nur die Hauptrolle bestens besetzt. Nach dem frühen Ausscheiden von Kobe Bryant, übernahmen vor allem Ron Harper und Glen Rice mehr Verantwortung und füllten ihre Nebenrollen mit jeweils 21 Punkten mehr als zufriedenstellend aus. "Wenn man einen Schlüsselspieler verliert, müssen halt andere Spieler in die Bresche springen", sagte Rice, der besonders von jenseits der Drei-Punkte-Linie glänzte und fünf von sechs Würfen von "downtown" versenkte.
Die Indiana Pacers, die sich gegenüber der 87:104-Niederlage am Mittwoch stark verbessert präsentierten, versuchten zwar alles, um in der Serie nicht mit 0:2 ins Hintertreffen zu geraten, doch das Team fand erneut keine Antwort auf das "O-Neal-Problem" und steht nun mit dem Rücken zur Wand. Wollen die Schützlinge von Larry Bird noch eine Chance auf den ersten NBA-Titel der Vereinsgeschichte haben, ist ein Sieg im nächsten Spiel am Sonntag im heimischen Indianapolis absolute Pflicht.
Erfolgreichste Werfer der Pacers waren Jalen Rose mit 30 Punkten und Auswechselspieler Austin Croshere mit 24. Indianas ansonsten tödlichste Waffe, Reggie Miller, erzielte 21 Zähler und war wesentlich effektiver als in Spiel eins, in dem der Scharfschütze vom Dienst nur sieben Punkte eingefahren und mit einem von 16 getroffenen Schüssen eine schauderhafte Trefferquote aus dem Feld vorzuweisen hatte. Allerdings verpasste es "Killer-Miller" vergangene Nacht in der Crunch-Time - sonst die Lieblingszeit des 34-Jährigen mit dem E.T.-Look -, einen ausschlaggebenden Beitrag zu leisten und brachte es im letzten Viertel auf gerade einmal zwei Pünktchen.