NBA-Trainerlegende Winter: Im Zeichen des Dreiecks - DER SPIEGEL
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NBA-Trainerlegende Winter Im Zeichen des Dreiecks

Er ist einer der größten Taktik-Tüftler der Basketball-Geschichte: Als Assistenztrainer der Chicago Bulls gewann Tex Winter sechs NBA-Titel - und wurde zum Mentor von Phil Jackson. Das Basketball-Magazin "FIVE" stellt den Meister der Triangle Offense vor.
Von Jan Schiecke
Hall-of-Famer Winter: Meister der Triangle Offense
Hall-of-Famer Winter: Meister der Triangle Offense

Hall-of-Famer Winter: Meister der Triangle Offense

Foto: Michael Bradley/ Getty Images
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Tex Winter sitzt in der Halle seiner Highschool in Huntington Park, Kalifornien und beobachtet das Training der Loyola University. Der gerade mal 14-Jährige kritzelt den Verlauf der Pässe im Trainingsspiel in seinen Notizblock. Es sind Dreiecke, die der Junge aufmalt. Jahre später, Winter hat gerade seine Wehrpflicht als Pilot im Zweiten Weltkrieg hinter sich, spielt er für die University of South California (USC) unter dem damaligen Trainer Sam Berry. Und er erinnert sich an seine Beobachtungen als Teenager.

Berry lässt ein Offensivsystem laufen, welches immer wieder ein Dreieck auf einer Seite des Basketballfeldes bildet. Es ist diese sogenannte Triple-Post-Offense oder Triangle Offense, die Winter nicht mehr loslassen wird und die er immer später als Coach weiter entwickelt. Von 1953 bis 1968 begeistert die Mannschaft der Kansas State University unter ihrem Chef-Trainer Winter mit einer völlig neuen Form des Angriffs. "Wenn wir in unserem Rhythmus waren und uns sowie den Ball bewegten, fühlte es sich manchmal an, als würden wir fliegen", sagt Bob Boozer, einer der damaligen Stars des Teams.

Zu diesem Zeitpunkt erreicht die Triangle-Offense Kultstatus, und Winter hält sein Wissen nicht geheim. "Er hat wahrscheinlich die meisten Basketballcamps weltweit veranstaltet", sagt der legendäre NBA-Trainer Phil Jackson heute. "Menschen aus Island oder Neuseeland pilgerten zu seinen Seminaren und ließen sich noch spät nachts an der Bar sitzend von ihm Spielzüge auf Servietten malen."

Mentor für Phil Jackson

Doch nach und nach verlässt Winter der Erfolg, 1985 steht er kurz vor dem Karriereende. Doch dann stellt ihn der neue General Manager der Chicago Bulls Jerry Krause als Assistenztrainer ein. "Meine erste Amtshandlung war, Tex anzurufen", erinnert sich Krause. "Ich kannte ihn noch vom College und sah ihn in der Rolle des Lehrers für unseren Trainer." Zunächst nutzen die Bulls den erfahrenen Strategen nicht. Stan Albeck und später Doug Collins vertrauen darauf, dass Michael Jordan einfach nur den Ball in seinen Händen braucht, um die Bulls zum Sieg zu führen.

Während Winter von den Chefs ignoriert wird, entwickelt sich eine tiefe Bindung zwischen ihm und seinem Kollegen Johnny Bach sowie einem der anderen, aufstrebenden Assistenztrainer. "Wir wurden schnell Freunde", sagt Jackson, der später elf NBA-Titel holt. "Ich wusste damals wenig über Coaching und suchte nach einer Idee, die etwas ganz anderes war. Tex war für mich wie der Gott des Basketballs mit all seinem Wissen."

1989 setzen die Bulls Jackson schließlich auf den Chefsessel. Dieser muss jetzt dem besten Spieler des Planeten erklären, dass er nicht mehr den Ball für sich allein hat. "Ich kämpfte zu Beginn gegen die Triangle-Offense an", verrät Jordan später. "Aber Phil ließ nicht locker, Tex und er zwangen uns das System auf."

Das Ziel der Angriffsphilosophie sei die Selbstständigkeit des Spielers, erklärt Bach. "NBA-Trainer riefen immer feste Spielzüge aufs Feld, aber Tex glaubte nicht daran. Das Team auf dem Court bestimmt sein eigenes Schicksal durch eine Reihe von Aktionen, die nicht auf Zuruf passieren. Improvisation und das Wissen, in jeder Situation reagieren zu können, sind so viel wichtiger."

Endlich auch ein Hall-of-Famer

Jackson adoptiert diesen Ansatz und lässt die Bulls spielen. Selten nimmt er Auszeiten oder brüllt Spielzüge gen Parkett. Der Vater des Gedankens ist Winter, und der Erfolg gibt dem Trainergespann recht. Sechs Meisterschaften gewinnt Chicago mit Jackson und Winter an der Seitenlinie.

Nachdem die Bulls-Dynastie 1998 zerfällt und Jackson eine Auszeit nimmt, sieht sich Winter endgültig im Ruhestand. Die Hall-of-Fame verleiht ihm den "John Bunn Award" für sein Lebenswerk, nimmt ihn allerdings nicht in die Ruhmeshalle auf. "Alle, die für ihn wählen würden, sind schon verstorben", witzelt Jackson, der Winter im Sommer 1999 zu sich und seinem neuen Club Los Angeles Lakers ruft. Auch dort bildete die Triangle Offense die Grundlage für fünf weitere Titel.

Im April 2011 gab die Hall-of-Fame bekannt, dass Winter nach über 60 Jahren im Trainergewerbe endlich in die Ruhmeshalle aufgenommen wird. "Es ist sehr traurig, dass dies nicht früher passierte", ärgert sich Jackson, der seine Karriere mittlerweile beendet hat. "In seinem jetzigen Zustand kann Tex es einfach nicht mehr so genießen." Seit seinem Schlaganfall 2009 bekommt die Trainerlegende nicht viel mehr als ein paar Worte heraus, und ein Teil seines Körpers ist gelähmt. "Die Ärzte hatten befürchtet, dass er sich abkapselt", erklärt sein Sohn Brian. "Aber Basketball und Spielzüge sind sein Ventil, er nimmt dabei immer noch alles wahr."

Sogar Spiele der Kansas State University schaut er sich noch live an. Fans, deren Eltern noch nicht geboren waren, als Winter schon ihr College trainierte, skandieren seinen Namen. "Die Hall-of-Fame tat sich schwer, einen Assistenztrainer zu nominieren", sucht Jackson nach Gründen für die späte Berufung. "Aber er war so viel mehr als das. Am College gehörte er zu seiner Zeit zu den Besten überhaupt. Er war ein Lehrer in der Halle, und die Art, wie er Drills aufeinander aufbauend entwickelte, um das System zu verinnerlichen, prägte mich als Trainer. Elf Titel in der NBA sprechen für sich." Tex Winter trägt nur einen Ring, den die Lakers zu seinen Ehren entwarfen. Neben Diamanten ziert ein Dreieck den Schmuck.

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