NBA Tumulte in Philadelphia
Philadelphia - Philadelphia ist in den Vereinigten Staaten auch als "city of brotherly love" bekannt - Stadt der brüderlichen Liebe. Vergangene Nacht konnte die größte Stadt des US-Bundesstaates Pennsylvania diesem menschenfreundlichen Ruf allerdings nicht gerecht werden. Zumindest nicht die lokalen Basketballfans im First Union Center.
Während des gesamten Spiels zwischen den heimischen Philadelphia 76ers und den Indiana Pacers skandierte der Großteil der 20.823 Zuschauer verächtliche Parolen gegen die Gäste aus Indianapolis. Besonderes Augenmerk galt dabei Pacers-Star Reggie Miller, der mächtig Hohn und Spott einstecken musste. Kurz vor Schluss der Partie, als feststand, dass Philadelphia auch Duell drei gegen den ungeliebten Gegner verlieren würde, drohte die Situation zu eskalieren. Gegenstände flogen auf das Spielfeld. Darunter war eine volle Büchse Bier, die mit George Lynch jedoch beinahe den falschen, denn eigenen Mann getroffen hätte. Man fühlte sich eher an einen fanatischen Fußballhexenkessel erinnert, als an eine Basketballarena.
Die abgezockten Indiana Pacers ließen sich durch die Animositäten allerdings nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil. Das Team von Coach Larry Bird bewahrte kühlen Kopf und fühlte sich offensichtlich ermuntert, einen 65:70-Rückstand zu Beginn des letzten Viertels noch in einen 97:89-Sieg umzuwandeln. Einmal mehr war es dabei Reggie Miller, der Mann für die ganz besonderen Situationen, der das Heft in die Hand nahm.
Der werte Herr Miller wird es kaum abstreiten können, dass ihm solche knisternden Momente in feindseliger Stimmung bei knappem Spielstand bisweilen ganz gelegen kommen. Dann und wann braucht "Killer Miller" diese Augenblicke einfach, um seine einzigartigen Begabungen zu aktivieren und seine ganz persönliche Show abzuziehen. Unterstützt von seinen blendend aufgelegten Mannschaftsgefährten Travis Best (19 Punkte) und Sam Perkins (10) schaltete Miller im letzten Spielabschnitt den Turbogang ein und teilte dreizehn seiner insgesamt 29 Punkte aus. Das brachte den Gegner samt Anhang letztlich zum Schweigen.
Und der 34-Jährige hatte noch zwei ganz spezielle Einlagen in petto. Erst schloss der gefürchtete Distanzschütze - für ihn ungewöhnlich - einen Angriff spektakulär mit einem Ausrufezeichen-setzenden Dunking ab, anschließend übte er sich in Ballakrobatik und Psychokrieg: Miller brachte die allerletzten Sekunden des Spiels damit zu, sich das rote Spielobjekt fortwährend durch die Beine zu dribbeln und dabei einen paralysiert starrenden und vielsagenden Blick Richtung Zuschauertribüne zu entsenden. Wenn Blicke töten könnten...
Nach der neuerlichen Niederlage stehen die Philadelphia 76ers am Abgrund. Verlieren die Sixers am Samstag auch das vierte Aufeinandertreffen mit Indiana, ist die Serie und somit auch die Saison für sie beendet. Gespielt wird wiederum in Philadelphia, und man kann nur hoffen, dass die "Fans" den liebenswerten Ruf ihrer Heimatstadt dieses Mal würdiger vertreten als zuletzt.