NBA: "Und beug' deine Knie, Daddy!" - DER SPIEGEL
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NBA "Und beug' deine Knie, Daddy!"

Gerne würde Detlef Schrempf in seiner fünfzehnten und letzten NBA-Saison mit den Portland Trail Blazers seinen ersten Meistertitel einfahren. Nach einer deutlichen 91:103-Niederlage gegen die Los Angeles Lakers droht dieses Unterfangen aber zu scheitern.
Von Tobias Pox
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Portland - Nur noch ein Sieg trennt die Los Angeles Lakers vom Erreichen des NBA-Finals 2000. Im Finale der Western-Conference führen die Kalifornier in der Serie gegen die Portland Trail Blazers nunmehr mit 3:1 und brauchen nur noch einen Sieg zum Weiterkommen. Besonders bitter für Detlef Schrempf: Der deutsche Vorzeigeprofi, der sich einst seinen ersten Basketballkorb vom Sperrmüll holte und seit jeher als harter Arbeiter bekannt ist, durfte nicht eine einzige Sekunde spielen und musste die möglicherweise vorentscheidenden Niederlage seines Teams tatenlos von der Bank aus mitverfolgen.

Am Sonntag abend lief es im Rose Garden von Portland erdenklich schlecht für die Heimmannschaft, bei den Lakers hingegen ging alles. Shaquille O'Neal, sonst mit einer 52-prozentigen Trefferquote bei Freiwürfen eine Bank für den Gegner, verwandelte alle seiner neun Freiwürfe. Insgesamt traf LA traumhafte 91 Prozent (31 von 34) von der Freiwurflinie. Und auch die Dramaturgie des Spiels gestalteten die Lakers nach eigenem Gusto: Bis zum dritten Viertel zögerte der Top-Titelaspirant, dann bat er zur "Showtime" und wandelte innerhalb von zwölf Minuten einen 42:47-Pausenrückstand in einen spielentscheidenden 76:66-Vorsprung um.

Nach der Schlusssirene offenbarte Shaquille O'Neal das Geheimnis seines Erfolges von der Freiwurflinie. Vor dem Spiel, so der 2,16-Meter große Lakers-Center, habe er sich Rat bei seiner dreijährigen Tochter geholt. "Viel Glück hat sie mir gewünscht", erklärte der Mann mit Schuhgröße 56 und dann habe sie den entscheidenden Hinweis gegeben: "Und beug' deine Knie, Daddy." Daddy beugte, und schon fielen alle seine Freiwürfe und die Hälfte seiner Wurfversuche aus dem Feld in den Korb der Trail Blazers. Mit 25 Punkten avancierte O'Neal zum erfolgreichsten Schützen seines Teams. Der MVP der regulären Saison war jedoch auch selber nicht um einen wertvollen Tipp verlegen, den er seinem Mannschaftskollegen Glen Rice mit auf den Weg gegeben hatte: Rice, der gestern seinen 33. Geburtstag feierte, solle einfach "das Gleiche tun, wie ich an meinem Geburtstag" - O'Neal hatte an diesem Tag mit 61 Punkten einen neuen Karriererekord aufgestellt. Mit insgesamt 21 Zählern schaffte Rice zwar keine neue persönliche Bestmarke, dafür aber bot der wurfgefährliche Flügelakteur seine beste Play-off-Leistung, seitdem er das blau-gelbe Jersey der Lakers trägt.

Anerkennendes Lob für den Sieger gab es hinterher vom enttäuschten Verlierer. "Die Lakers haben heute ein großartiges Spiel gezeigt", sagte Portlands Star-Forward Scottie Pippen, der mit elf Punkten weit unter seinen Möglichkeiten geblieben war und mit fünf Ballverlusten ungewohnt unsicher agierte hatte. "Ich weiß nicht, ob es was geholfen hätte, wenn wir gut gespielt hätten - so gut, wie die waren". Neben O'Neal und Rice wussten bei Los Angeles auch die beiden Matchwinner der letzten Begegnung, Kobe Bryant und Ron Harper, mit je 18 Punkten zu gefallen. Das Team von Cheftrainer Phil Jackson offenbarte ein ausgewogenes Scoring-Verhältnis und schlug die Trail Blazers mit deren eigener Waffe: mannschaftlicher Geschlossenheit.

In Portland hat man indes die Hoffnung auf das Erreichen des NBA-Finales noch nicht aufgegeben, wie Rasheed Wallace, mit 34 Punkten Topscorer des Tages, verriet: "Mein Herz sagt mir, dass wir diese Serie noch gewinnen können." Die Statistik gibt dem optimistischen Power Forward jedoch Unrecht: Erst sechsmal in der 51-jährigen Play-off-Geschichte der Liga gelang es einer Mannschaft, einen 1:3-Rückstand noch wettzumachen. Und in Anbetracht der überzeugenden Darbietungen der Lakers in den letzten beiden Spielen scheint es derzeit eher unwahrscheinlich, dass die Blazers diese Statistik ändern werden.