NBA: Vier Jungs, zwölf Teams, 60 Tage Haft - DER SPIEGEL
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NBA Vier Jungs, zwölf Teams, 60 Tage Haft

Gemeinsam wurden sie College-Meister und schafften den Sprung in die NBA. Doch ein Star wurde keiner der goldenen Jungs aus Maryland. Warum einer von ihnen sogar im Gefängnis landete, erklärt Gerhard Spörl im zweiten Teil seiner NBA-Kolumne.
Detroit-Center Wilcox: Immer noch in der NBA
Detroit-Center Wilcox: Immer noch in der NBA

Detroit-Center Wilcox: Immer noch in der NBA

Foto: Paul Connors/ AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lesen Sie im ersten Teil, wie Juan Dixon, Steve Blake, Lonny Baxter und Chris Wilcox die College-Meisterschaft gewinnen und den Sprung in die NBA schaffen.

Unsere vier kamen in der NBA unter. Juan Dixon landete bei den Washington Wizards, meiner Mannschaft. Es war die Zeit, als Michael Jordan sein Comeback feierte, und von ihm weiß man, dass er Dixon schätzte, seinen Kampfgeist, seine Leidenschaft, seine Biografie aus einer Familie mit zwei drogensüchtigen Eltern, die sich früh zu Tode gespritzt hatten. Wenn Dixon aufs Feld kam, tobte die Halle. Wir liebten ihn aus denselben Gründen wie "MJ". Die Trainer mochten ihn auch, aber bald war klar, dass er ein Ergänzungsspieler war, mehr nicht. Und Ergänzungsspieler müssen öfter Wohnort und Mannschaft wechseln, ob es ihnen passt oder nicht. Keiner fragt sie, sie werden einfach Teil eines Geschäfts, bei dem Spieler die Vereine wechseln, oftmals im Paket. Sie sind Besitz ihres Teams, und das Team kann mit ihnen machen, was es will. Seltsame Sitten im Riesengeschäft Basketball.

Juan Dixon, der kühle Junge mit dem goldenen Arm: Drei Jahre spielte er in Washington, dann in Portland, wo auch sein Freund Blake angespült worden war, Dann in Toronto, dann in Detroit, dann wieder in Washington. In diesem vergangenen Sommer wollte ihn niemand mehr in der NBA, und so blieb ihm nur Europa. Juan Dixon, dessen Tante die Bürgermeisterin von Baltimore ist, spielt mittlerweile für Aris Thessaloniki, und das Schicksal bringt es mit sich, dass er auf Drew Nicholas trifft, den fünften "Terrapin" (so heißen die Spieler von der University of Maryland), der für Panathinaikos Athen aufläuft, den griechischen Abonnementmeister.

Steve Blake ist er der erste Point Guard bei den Trailblazers

Steve Blake begann auch bei den Washington Wizards. Dann verkauften sie ihn nach Milwaukee zu den Bucks, dann verkauften ihn die Bucks nach Denver zu den Nuggets, dann verkauften ihn die Nuggets nach Portland zu den Trailblazers. Und dort fand er sein Glück. Heute ist er der erste Point Guard in dieser Mannschaft, die gut in die neue Saison gestartet ist. Er wirft mal viele, mal wenige Punkte. Er ist der Mann für die Assists und die Drei-Punkt-Würfe. Ihm ist es unter den Vieren am besten ergangen. Er ist 29 Jahre alt, verdient sehr gutes Geld und hat sich durchgesetzt. Er ist kein Star, und es ist gut möglich, dass sein Trainer morgen beschließt, dass er einen Star als Point Guard braucht. Wie lange das so geht, weiß Blake deshalb am allerwenigsten, aber egal, es geht ihm heute gut, und es ist müßig, in diesem Geschäft allzu weit nach vorne zu schauen.

Auch Chris Wilcox hat eine kleine Rundreise durch ein paar NBA-Mannschaften hinter sich. Er landete zuerst bei den Clippers in Los Angeles, einem berüchtigt schwachen Verein. Sie verscherbelten ihn an die SuperSonics in Seattle, er zog weiter nach New York zu den Knicks und spielt jetzt in Detroit bei den Pistons. Keine schlechte Adresse unter den schlechten Mannschaften, die ihm zuteil wurden. Immerhin, er ist noch immer dort, wohin es ihn zog, als er die Universität in Maryland verließ, in der NBA.

Und so bleibt mir noch, von Lonny Baxter zu erzählen, dem Tier. Leider lässt sich nichts Erbauliches erzählen, Lonny entwickelte sich zum schwarzen Schaf unter den Vieren. Was ihm widerfuhr, ist auch nicht ungewöhnlich. Andere vor ihm haben mit Waffen herumgeballert und wanderten ins Gefängnis. Andere vor ihm fielen heraus aus diesem Leben, nach dem sie sich gesehnt hatten und für das sie alles taten. Nichts Besonderes, eine Geschichte, die sich immer wieder ereignet und die trauernd beschwiegen wird.

Lonny fing bei den Bulls in Chicago an, da war noch alles gut. Bald wechselte er nach Europa, spielte für Panathinaikos Athen. Dann zurück in die NBA, erst zu den Houston Rockets, dann zu den Bobcats nach Charlotte. Dann wieder nach Europa, diesmal Italien, Montepaschi Siena.

Ballernder Baxter, statt "Playing for Pizza"

Italien kann schön sein, Italien kann die Rettung sein für Spieler, die sich begnügen. John Grisham hat die Geschichte eines Quarterbacks einer Football-Mannschaft in einem Roman beschrieben, der in der NFL verfemt ist nach einem katastrophalen Fehlwurf und nach Italien geht: "Playing for Pizza" heißt der schöne Roman. Der Quarterback spielt für eine unbedeutende italienische Mannschaft, die ihn braucht und mag. Er macht seinen Frieden mit der Liga und seinem Talent, und natürlich läuft ihm eine Schönheit über den Weg, merkwürdigerweise aber keine Italienerin, sondern eine verwöhnte Amerikanerin. Ende gut, alles gut.

Lonny Baxter hielt es nicht lange in Siena, dieser wunderbaren Stadt mitten in Europa, diesem historischen Juwel. Im August 2006 ballerte er mit einer Pistole mitten in Washington herum, nicht weit weg vom Weißen Haus. Nach den Anschlägen von 9/11 war es schon ziemlich kühn, mit einer Pistole Schießübungen zu halten. Er zielte in die Luft, und so kam er mit 60 Tagen Haft davon. Allerdings war er so unvernünftig, vier Pistolen per Fedex durchs Land zu schicken, und dieses Vorkommnis brachte ihm weitere 60 Tage Gefängnis. Mittlerweile spielt er wieder in Europa, diesmal für Besiktas Istanbul.

Vier Jungs, vier Schicksale. Zählt man alle Teams zusammen, bei denen sie waren, kommt fast die halbe NBA zusammen: Washington, Portland, Toronto, Detroit, Chicago, Houston, Charlotte, Milwaukee, Denver, Los Angeles (Clippers), Seattle und New York. Zwölf von 30 Teams haben sie kennengelernt.

Und so schaue ich morgendlich nach den Ergebnissen der NBA im Internet, und wenn Portland gespielt hat, schaue ich nach, wie viele Punkte und wie viele Assists Steve Blake geschafft hat. Und wenn die Detroit Pistons gespielt haben, schaue ich nach, wie viele Minuten Chris Wilcox dabei war und was ihm diesmal gelungen oder misslungen ist. Na gut, und über Aris Thessaloniki werde ich mich auch noch informieren.

Die March Madness 2002 verbindet uns für immer.

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