NBA-Wechselbörse: Sommer der Diebe - DER SPIEGEL
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NBA-Sommer: Trades, Sperren und eine Odyssee

Foto: A2800 epa Mabanglo/ dpa

NBA-Wechselbörse Sommer der Diebe

Pause in der NBA - Hochbetrieb in der Gerüchteküche: Während die Profis noch unter Palmen relaxen, sondieren Manager, Medien und Fans den Spielermarkt. In diesem Jahr blieben die ganz großen Deals aus - die Chance für B-Teams, einmal im Rampenlicht zu stehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Leben als NBA-Berichterstatter folgt einem seltsamen Rhythmus. Während der Hälfte des Jahres, von Ende Oktober bis Anfang Juni, läuft der Ligabetrieb - und produziert Schlagzeilen im Stundentakt. In den Playoffs steigt die mediale Intensität noch weiter, um sich schließlich im Knall der Finalserie zu entladen. Rund um die Uhr berichten die US-Sender aus den Lagern der konkurrierenden Teams, jede Bewegung der Protagonisten wird von streitbaren Expertenrunden seziert. Und dann? Wenn der Champagner getrunken, die Sieger-Trophäe vergeben und das letzte Highlight-Video editiert ist, beginnt der lange, ereignisarme NBA-Sommer.

Es ist traditionell der Zeitraum, in dem Kolumnisten, Blogger und neuerdings auch noch die twitternden NBA-Helden ihre Kreativität entdecken und beginnen, das Headline-Vakuum mit selbstgebastelten Wechselgerüchten zu füllen. Der Sommer 2009 machte da keine Ausnahme. Täglich flackerten neue, angeblich längst eingetütete Verpflichtungen über die einschlägigen Internetseiten - den tatsächlichen Umzug eines NBA-Stars zogen die wenigsten nach sich. New Yorks Forward David Lee spielte schon vor Monaten absolut sicher in Portland, bald wird er wohl zähneknirschend für ein weiteres Jahr bei den Knicks unterschreiben müssen.

Der in zwei Jahren vom Superstar zum schwer vermittelbaren Lückenfüller degradierte Allen Iverson stand abwechselnd in Griechenland und bei den Los Angeles Clippers vor der Unterschrift, hatte schließlich nur noch das NBA-Exil in Memphis als letzte Option. Und auch Spaniens junges Aufbau-Genie Ricky Rubio schrieben die Klatschspalten mal zu den Timberwolves, Kings, Grizzlies oder in die Heimat. Die Liste lässt sich beliebig verlängern.

Dennoch hat sich einiges getan, nicht zuletzt bei den Teams, die wohl auch in der Saison 2009/10 den Titel unter sich ausmachen werden. Alle potentiellen Meistermannschaften waren auf dem Transfermarkt aktiv - letztlich gelang es aber nur einem Kandidaten, sich signifikant zu verbessern.

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NBA-Sommer: Trades, Sperren und eine Odyssee

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Ein kurzer Überblick: Mit Trevor Ariza verlor der Meister als Los Angeles einen hochtalentierten, blutjungen Publikumsliebling an Houston, der sich in den Playoffs 2009 als Leistungsträger und Defensivwaffe etabliert hatte. Als Ersatz kam Ron Artest, dessen einst exzellente Verteidigungskünste kaum noch seinen Leumund als mental labiler Sonderling mit Dramagarantie aufwiegen. Warum LA den 29-Jährigen zudem für fünf Jahre vertraglich bindet, sorgt nicht nur in den Fan-Foren für Ratlosigkeit.

Während die Dallas Mavericks die Antwort auf ihre enttäuschende Post-Season 2009 in Forward Shawn Marion gefunden zu haben glauben (dessen Drei-Punkte-Quote von 18,9 Prozent in der Saison 2008/09 jeden Verteidiger ruhig schlafen ließ) und in Houston die besten Reha-Strategien für die maladen Tracy McGrady und Yao Ming diskutiert werden, kann sich das dritte Texas-Team wohl über die erfolgreichste Off-Season freuen.

Small-Forward Richard Jefferson kam aus Milwaukee nach San Antonio und verstärkt das Trio Tim Duncan, Tony Parker, Manu Ginóbili. Die Spurs gewinnen damit eine weitere Angriffsoption und müssen nun hoffen, dass Duncan und Ginobili ihre Verletzungen konsequent auskurieren und Parker seinen EM-Einsatz mit dem französischen Nationalteam ohne selbige übersteht.

Ost-Teams rüsten zaghaft auf - O'Neal zu den Cavaliers

Dem zweifelhaften Trend zur Verpflichtung alternder Routiniers als Hoffnungsträger folgten die Top-Clubs im Osten: Die Cleveland Cavaliers sorgten mit dem Einkauf von Center Shaquille O'Neal sicher für die spektakulärste Personalie des Sommer. Bei aller Erfahrung, Charisma und PR-Wirbel, die der 2,16-Meter-Mann mitbringt, bleibt jedoch mehr als fraglich, ob er mit seinen 37 Jahren noch in der Lage ist, die Cavs an die Spitze der Eastern Conference zu führen. Denn genau dort muss der Club landen, will er im kommenden Sommer eine Chance auf die Weiterverpflichtung von Superstar LeBron James haben.

Die Konkurrenz in Boston und Orlando beschränkte sich auf den Austausch ähnlicher Spielertypen (Vince Carter statt Hedu Turkoglu bei den Magic) oder den Einkauf eines Haudegens jenseits seiner besten Jahre (Rasheed Wallace zu den Celtics).

Clippers auf dem Weg nach oben - Quentin Richardson auf Odyssee

Bei so viel Unspektakel auf der Hauptbühne blieb genug Zeit, die kuriosen, bedenklichen und bemerkenswerten Randgeschichten der Liga zu beleuchten. Dass ein einziger Pingpong-Ball in der Lage ist, eine ganze Franchise binnen weniger Monate von der Lachnummer der NBA zum It-Club zu machen, beweisen etwa zur Zeit die Los Angeles Clippers. Ihnen wurde in der Draft im Juni der erste Pick zugelost - Blake Griffin von der University of Oklahoma -, seitdem ist das einstige Krisenteam kaum wieder zu erkennen. Plötzlich gelingt es, Problemspieler wie Zach Randolph abzuschieben, baut der vielgescholtene Trainer und Manager Mike Dunleavy ein junges, talentiertes und vor allem billiges Team zusammen. Das zudem im kommenden Sommer durchaus Chancen auf eine Verpflichtung von LeBron James haben könnte.

Am anderen Ende des Spektrums bekam Ex-Clipper Quentin Richardson die ganze Härte des durch die Finanzkrise gebeutelten Business zu spüren. Von den Knicks zu den Memphis Grizzlies, dann zu den Clippers, nach Minnesota und schließlich zu den Miami Heat trieb ihn seine Odyssee, fünf Clubs in drei Monaten. Richardsons attraktiver Vertrag machte ihn zum begehrten Tauschobjekt.

Sperre für Orlandos Rashard Lewis

Für willkommenes Gossip-Material sorgte schließlich Orlando Rashard Lewis, dem Anfang August die Einnahme einer dopingverdächtigen Substanz nachgewiesen wurde. Der Forward der Magic wurde für die ersten zehn Saisonspiele gesperrt.

Die Trainingslager der Clubs öffnen Anfang Oktober ihre Tore, die Saison beginnt am 27. Oktober mit dem Duell der Boston Celtics gegen die Cleveland Cavaliers. Spätestens dann werden die Schlagzeilen statt in der Blogosphäre wieder auf dem Parkett geschrieben.