NFL: Christian McCaffrey ist der Renner - DER SPIEGEL
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NFL-Profi Christian McCaffrey Gekommen, um zu laufen

Christian McCaffrey ist auf dem Weg, zahlreiche Rekorde der NFL zu brechen. Er könnte als Runningback zum besten Spieler des Jahres gewählt werden - dabei gilt das Laufspiel im Football eigentlich als altmodisch.
Dank Christian McCaffrey haben die Carolina Panthers noch Chancen auf die Playoffs
Dank Christian McCaffrey haben die Carolina Panthers noch Chancen auf die Playoffs

Dank Christian McCaffrey haben die Carolina Panthers noch Chancen auf die Playoffs

Foto: Jacob Kupferman/AFP
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Als Christian McCaffrey von den Carolina Panthers im letzten Viertel gegen die Tennessee Titans am vergangenen Spieltag zu seinem Lauf ansetzte, hatte er bereits zwei Touchdowns erzielt. Der 23-Jährige durchbrach die Abwehr, wurde aber noch von Titan-Verteidiger Adoree' Jackson eingeholt, der sich an ihm festklammerte. McCaffrey lief einfach weiter und schleifte seinen rund 85 Kilogramm schweren Gegenspieler mit in die Endzone.

In dieser Spielzeit war es McCaffreys dritter Touchdown-Lauf über mindestens 50 Yards. Kein anderer NFL-Runningback hat mehr als einen. Nach den acht Spielen der ersten Saisonhälfte steht McCaffrey bei 13 Touchdowns und 1244 Yards Raumgewinn, die er in 165 Läufen und 42 Fängen erzielt hat.

Normalerweise gehören Runningbacks zu den Besten auf ihrer Position, wenn sie die Marke von 1000 Yards knacken - in einer gesamten Saison.

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Einer der Gründe für diese besonderen Statistiken dürfte die Verletzung von Star-Quarterback Cam Newton sein. Newton setzt selbst gerne zu spektakulären Läufen an statt zu werfen und hätte den Ball mit Sicherheit öfter in den eigenen Händen behalten, als ihn seinem Runningback zu übergeben. In Newtons Abwesenheit erhält McCaffrey den Ball durchschnittlich rund 21-mal pro Spiel, vergangene Saison waren es nur knapp 14-mal. Gut 40 Prozent aller offensiven Spielzüge der Panthers laufen in dieser Spielzeit über ihn. Trotz des immensen Pensums hat sich der wohl beste Offensiv-Allrounder der Liga bislang weder verletzt noch auch nur einmal den Ball verloren.

Laufen ist altmodisch

Die Ära des Laufspiels ist eigentlich schon lange vorüber. Vor fünf Jahren war DeMarco Murray von den Dallas Cowboys der letzte, der den Ball so häufig bekam wie McCaffrey. Damals erzielte er 1845 Yards Raumgewinn, rund 44,2 Prozent aller Spielzüge liefen über Murray. Trotzdem erhielt er nur zwei der insgesamt 50 Stimmen bei der Wahl zum wertvollsten Spieler der Saison (MVP).

In den Neunziger- und Nullerjahren waren Runningbacks noch wichtiger. Doch spätestens ab 2010 wurde das Passspiel zunehmend beliebter, wozu erfolgreiche Quarterbacks wie Tom Brady und Aaron Rodgers maßgeblich beitrugen.

Der letzte Runningback, der zum MVP gekrönt wurde, war Adrian Peterson 2012. Mit dem Ball in der Hand legte er während der regulären Saison 2097 Yards zurück, als siebter Spieler der NFL-Geschichte durchbrach er innerhalb einer Saison die 2000-Yard-Marke. Seitdem ging die Trophäe stets an Quarterbacks.

Adrian Peterson (links) war von 2007 bis 2016 bei den Minnesota Vikings. Aktuell spielt er bei den Washington Redskins

Adrian Peterson (links) war von 2007 bis 2016 bei den Minnesota Vikings. Aktuell spielt er bei den Washington Redskins

Foto: Adam Bettcher / Getty Images

Runningback ist einer der körperlich härtesten und undankbarsten Jobs im Football. Immer wieder muss man sich mit dem Ball ins Getümmel stürzen, wobei man viele harte Tackles abbekommt. Die Körper der meisten Läufer werden im Laufe weniger Jahre regelrecht zermürbt.

Obwohl sie so großen körperlichen Einsatz zeigen, gehören nur wenige Runningbacks zu den Spitzenverdienern der NFL. Die meisten Teams sind heutzutage ohnehin mehr auf das Passspiel ausgelegt, was auch für das Publikum ansehnlicher ist. Wenn Runningbacks für höher dotierte Verträge streiken, verlieren sie die Machtkämpfe häufig. Den meisten Trainern und Managern gelten sie als ersetzbar.

"Herz und Seele des gesamten Spiels"

Von McCaffrey kann man das nicht behaupten: Bereits im College in Stanford wischte er die Zweifel seiner Trainer im Hinblick auf seine Körpergröße von 1,80 Metern und seine Athletik beiseite: "Er schaute mir todernst in die Augen und sagte: 'Ich bin Runningback. Ich bin nach Stanford gekommen, um zu laufen'", erinnert sich sein damaliger Trainer David Shaw an McCaffreys erste Ansage, "da wusste ich: Der Mann hat keine Zweifel an seinen Fähigkeiten."

Mittlerweile hat McCaffrey längst andere überzeugt. Am vergangenen Spieltag hallten "MVP"-Rufe durch das Stadion. Quarterback Kyle Allen sagte: "Er ist Herz und Seele unserer Offense und er ist Herz und Seele des gesamten Spiels. Seine Läufe entscheiden das Spiel - drei Touchdowns heute - und er macht das jede Woche aufs Neue." Auch McCaffrey hatte die Rufe gehört: "Das war schon ziemlich cool", sagte er nach dem Spiel: "Wir haben noch eine lange Saison vor uns, aber ich habe mich natürlich sehr gefreut."

Dass McCaffrey am Ende als Runningback wirklich MVP wird, ist immer noch unwahrscheinlich. Aber nicht unmöglich.