NFL-Playoffs: Die letzte Ehrenrunde - DER SPIEGEL
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NFL-Playoffs Die letzte Ehrenrunde

Am Wochenende kämpfen die verbliebenen acht Mannschaften der NFL ums Weiterkommen in den Playoffs. Für zwei der besten Quarterbacks geht es dabei aber noch um viel mehr. Scheiden Kurt Warner oder Brett Favre aus, könnten es ihre letzten Spiele gewesen sein.
Von Marco Plein
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Warner und Favre: Karrieren kurz vor dem Schlusspunkt

Foto: JEFF HAYNES/ REUTERS

Auf einmal wurde vielen tausend Fans klar, dass dieser emotionale Moment vielleicht doch kein so schöner für sie war. Unten auf dem Footballfeld lief ihr Held eine große Ehrenrunde, sie bejubelten ihn, einige umarmte er, anderen winkte er freudestrahlend zu. Doch dann bemerkten sie, dass sie Kurt Warner, den 38 Jahre alten Quarterback der Arizona Cardinals, der sein Team gerade mit einer der besten Leistungen seiner langen Laufbahn in die nächste Runde der Playoffs geführt hatte, womöglich nie mehr wiedersehen.

Schließlich könnte es gut sein, dass Warners erfolgreiche Karriere in der NFL an diesem Samstag nach seinem 137. Spiel ein plötzliches Ende nimmt. Verlieren die Cardinals im Viertelfinale bei den leicht favorisierten New Orleans Saints, sind sie raus - ob sich Warner im Sommer dazu durchringen kann, noch eine 13. Saison in Angriff zu nehmen, scheint äußerst fragwürdig.

"Wenn jemand so gut spielt wie er, dann mag man sich gar nicht vorstellen, wie es erst sein wird, wenn er nicht mehr da ist", sagte Cardinals-Cheftrainer Ken Whisenhunt kürzlich. Wenn der 57-Jährige bei diesem Satz ein wenig genervt klang, wäre das nachvollziehbar, denn seit Wochen schon muss er die Wann-hört-Kurt-Warner-auf-Debatten über sich ergehen lassen, eine Antwort darauf kann er freilich ebenso wenig geben wie der Spielmacher selbst. Zumindest äußerte der sich zuletzt arg zurückhaltend. "Erst wenn die Saison vorbei ist, ziehe ich mich zurück und entscheide, wie es weitergeht", sagte er selbst nachdem der US-Sportsender ESPN über sein nahendes Karriereende spekuliert hatte. "Es gibt Tage, da würde ich am liebsten sofort aufhören, an anderen denke ich ganz anders. Es ergibt für mich keinen Sinn, eine Entscheidung aus einer Emotion heraus zu treffen."

Sicher, routiniert und zielstrebig

Würde er das doch machen, könnte er derzeit von sich behaupten, ewig spielen zu wollen. Denn die Sicherheit, die er im Passspiel zeigt, die Routine, mit der er die Angriffe organisiert und die Zielstrebigkeit in seiner Ausführung beeindrucken nicht nur seine schärfsten Kritiker. "Wenn ich ehrlich bin, würde ich es gerne mit einem anderen Quarterback zu tun bekommen", sagte selbst Sean Payton, Cheftrainer der New Orleans Saints, vor dem Duell am Samstag.

"Kurt Warner ist ein Gewinnertyp. Es wäre schade, wenn wir uns jetzt schon von ihm verabschieden müssten", bekannte US-Football-Kolumnist John Clayton. "Es ist erstaunlich. Man bekommt das Gefühl, dass er mit zunehmendem Alter immer besser wird." Allerdings hat er auch immer weniger Zeit, seinen großen Traum, als erster Stamm-Quarterback mit zwei verschiedenen Clubs den Super Bowl zu gewinnen, in die Realität umzusetzen. Vor zehn Jahren, kurz nachdem er über die Umwege Hallenfootball und NFL Europa in die US-Profiliga gekommen war, gewann er bereits als Spielmacher der St. Louis Rams seinen ersten Titel. Und nachdem Warner ein paar Jahre seiner Form hinterher gelaufen und in der Bedeutungslosigkeit verschwunden schien, scheiterte er im Vorjahr mit Arizona im Finale nur ganz knapp an den Pittsburgh Steelers.

"Kurt ist jemand, der nicht aufhören würde, so lange ihm niemand sagt, dass die Zeit gekommen ist", sagte Ehefrau Brenda. Nachdem Warner im Spätherbst ein Spiel mit einer Gehirnerschütterung hatte aussetzen müssen, verdeutlichte sie: "So ein Schlag auf den Kopf kann alles verändern, man betrachtet den Sport plötzlich mit ganz anderen Augen." Ob Warner auch das zweite Jahr seines im vergangenen Sommer unterzeichneten und bis 2011 gültigen Vertrages erfüllt, hängt letztlich davon ab, wie erfolgreich seine Mannschaft in diesem Januar spielt.

Favre: Eine Karriere, die kein Ende nimmt - oder doch?

Auch im Umfeld von Brett Favre, dem mit 40 Jahren ältesten Quarterback der NFL, wird schon seit langem darüber spekuliert, wann er sich endgültig zurückzieht. Vor drei Jahren hatte er nach 16 Saisons bei den Green Bay Packers schon mal im Fernsehen unter Tränen seinen Abschied erklärt - dann aber kehrte er zurück und zeigte sich in dieser Saison bei den Minnesota Vikings in überraschend starker Verfassung. Im heimischen Stadion musste sich die Mannschaft noch nicht einmal geschlagen geben.

Am Sonntagabend erwartet der seit 19 Jahren aktive Favre mit seinem Club die Dallas Cowboys zum Playoff-Viertelfinale, für ihn ist es das 312. Spiel seiner scheinbar endlosen Karriere. "Es wäre unfair mir und meiner Mannschaft gegenüber, wenn ich jetzt schon an nächstes Jahr denken würde", sagte er. "Ich bin in Minnesota, um den Super Bowl zu gewinnen, und nicht um mich mit dem Ende meiner Laufbahn zu beschäftigen."

Warner und Favre, zwei große Passgeber auf der Zielgeraden ihrer Karriere. Nur für einen der beiden kann in diesem Winter der große Traum vom zweiten Titel wahr werden - sollten beide mit ihren Mannschaften das Viertelfinale überstehen, treffen sie im Halbfinale im direkten Duell aufeinander.