NFL: Strafe für Football-Profi Husain Abdullah war ein Fehler - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

NFL Strafe für Gebet von muslimischem Profi war falsch

NFL-Profi Husain Abdullah hatte einen Touchdown mit einem kurzen Gebet gefeiert. Dafür war sein Team bestraft worden. Die US-Football-Liga stellte nun klar: "Es hätte keine Strafe geben dürfen."
Chiefs-Profi Abdullah: Erst gepunktet, dann gebetet
Chiefs-Profi Abdullah: Erst gepunktet, dann gebetet

Chiefs-Profi Abdullah: Erst gepunktet, dann gebetet

Foto: Twitter
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Empörung und Unverständnis hat die Bestrafung von Football-Profi Husain Abdullah während der NFL-Partie der Kansas City Chiefs gegen die New England Patriots (41:14) hervorgerufen. Nun hat die US-Profiliga NFL mitgeteilt, dass die Schiedsrichter einen Fehler gemacht haben.

Abdullah, ein Muslim, war nach einem Touchdown im Schlussviertel auf seinen Knien gerutscht und hatte dann für ein kurzes Gebet seinen Kopf auf den Boden gepresst. So verharrte er für einige Sekunden . Für dieses sogenannte unsportliche Verhalten hatten die Schiedsrichter eine Raumverluststrafe beim nächsten Spielzug über 15 Yards verhängt. Exzessiver Jubel ist in der NFL verboten, darunter fällt auch das "Auf-den-Boden-gehen" ("Going to the ground").

Mit einer Ausnahme: "In dieser Situation geht der Spieler als Teil einer religiösen Bekundung auf den Boden. Deshalb hätte es keine Strafe geben dürfen", sagte ein NFL-Sprecher in Bezug auf den Vorfall mit Abdullah.

Damit beendete die NFL auch Spekulationen darüber, ob Abdullah für das Rutschen auf den Knien oder das Gebet bestraft worden war. Ersteres hatte der 29-Jährige nach der Partie selbst vermutet. "Ich habe mich etwas zu sehr gefreut", berichtete Abdullah laut der Zeitung "Kansas City Star". Defensivspieler erzielen selten Touchdowns, Abdullah hatte zuvor einen Pass von Patriots-Quarterback Tom Brady abgefangen und 39 Yards in die Endzone New Englands zurückgetragen. Es war erst der zweite Touchdown in Abdullahs sechster Profisaison.

Abdullah hatte Gebetspose angekündigt

Fotostrecke

Football-Liga NFL: Doppelmoral im US-Sport

Foto: imago

Auch sein Trainer Andy Reid dachte offenbar, die Strafe sei für das Rutschen ausgesprochen worden. "Er sagte: 'Du darfst nicht rutschen'", sagte Abdullah. Reid selbst war sich nach der Partie nicht mehr sicher, was er gesagt hatte. "Wenn man nach Mekka geht, solltest du rutschen dürfen, wo immer du willst", so der Kansas-City-Trainer: "Wir haben zwei Priester hier, sie würden wahrscheinlich für mich bürgen."

Die Strafe löste heftige Debatten aus, denn religiöse Jubelposen christlicher Sportler werden in der NFL seit Jahren nicht nur toleriert, sondern als vorbildlich gewertet. So wurde der Quarterback Tim Tebow von den Denver Broncos vor allem dank seiner Gebete nach erfolgreichen Spielzügen bekannt. Der bekennende Christ kniete sich nach erfolgreichen Touchdownpässen nieder, stützte den Kopf auf die Hand und dankte Gott. Die religiöse Rechte in den USA feierte Tebow als "Football-Messias" und "Gottes Quarterback". Tebow spielt mittlerweile nicht mehr in der NFL.

Abdullahs Agent CJ LaBoy hatte bereits während der Partie bei Twitter geschrieben: "Wenn die NFL Abdullah für seinen Jubel mit einer Geldbuße bestrafen will, wird es Probleme geben."

Abdullah spielt seit 2008 in der NFL, zunächst für die Minnesota Vikings. In der Saison 2012 setzte er aus, um die Hadsch zu machen, die Pilgerfahrt nach Mekka. Zur Saison 2013 wechselte er zu den Chiefs und kündigte den religiösen Jubel laut des "Kansas City Star" gegenüber Reportern an : "Wenn ich einen Touchdown erziele, werde ich in der Endzone vor Gott auf die Knie gehen und meinen Kopf senken."

max