NFL: Tom Brady führt New England Patriots zum Super Bowl - DER SPIEGEL
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Tom Brady: Der Rekordmann

Foto: ELSA / AFP

NFL-Superstar Tom Brady Rekorde als Rache

Zu Saisonbeginn musste Tom Brady seine "Deflategate"-Sperre absitzen - seitdem spielt der Quarterback der New England Patriots wieder in Bestform. Nun hat er sein Team zum Super Bowl geführt. Dort wartet ein alter Widersacher.
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"Roger! Roger!", hallte es durch den Nieselregen in Foxborough, Massachusetts. "Roger! Roger!", immer wieder sangen die Patriots-Fans gemeinsam.

Der viermalige Super-Bowl-Champion aus New England führte zu diesem Zeitpunkt bereits 33:9 im AFC Championship Game gegen die Pittsburgh Steelers, das gleichbedeutend mit dem Playoff-Halbfinale ist. Da die Entscheidung bereits gefallen war und der erneute Super-Bowl-Einzug der Patriots feststand, nutzten die Zuschauer die Gelegenheit, um einen alten Feind zu verhöhnen.

Ihre "Roger! Roger!"-Rufe waren an Roger Goodell gerichtet, den Commissioner der National Football League. Seitdem er Patriots-Quarterback Tom Brady wegen der "Deflategate"-Affäre für vier Spiele gesperrt hatte, ist er in Neuengland nicht mehr sonderlich beliebt. Goodell meidet deshalb seit zwei Jahren konsequent das Gillette Stadium, die Heimstätte der Patriots. Es gibt sogar Leute im Nordosten der USA, die genau gezählt haben, seit wann der Ligaboss nicht mehr bei einem Patriots-Heimspiel war. "Goodell-freie Zone - 736 Tage", stand am Sonntag auf einem Plakat.

NFL-Boss Roger Goodell

NFL-Boss Roger Goodell

Foto: Scott Cunningham / AFP

Am 18. Januar 2015 begann im Halbfinale zwischen den Patriots und den Indianapolis Colts die Saga um nicht hart genug aufgepumpte Footbälle. Es folgten Untersuchungen, Gerichtstermine, Urteile, Revisionen. Brady konnte nie nachgewiesen werden, dass zwei Vereinsangehörige tatsächlich auf seine Anweisung hin Luft aus den Bällen entfernt hatten. Doch der Quarterback, so Goodells Überzeugung, habe zumindest Kenntnis vom Regelverstoß gehabt - und musste deshalb zu Saisonbeginn vier Spiele zuschauen.

Weil Brady nach abgesessener Sperre trotz seiner 39 Jahre so gut spielte, wie nie jemand zuvor in seinem Alter, sahen ihn viele auf einer Art Revanchetour Richtung Texas. Durch den 36:17-Sieg gegen Pittsburgh hat er nun das erste Etappenziel erreicht - den Super Bowl am 5. Februar (Liveticker SPIEGEL ONLINE). Auch wenn Goodell ihm und den Patriots bislang erfolgreich aus dem Weg gegangen ist, beim Finale in Houston wird es ein Wiedersehen geben.

"Haben Sie die Schlachtrufe der Fans gehört", wollte ein Journalist auf der Pressekonferenz von Brady wissen. Nein, sagte der Superstar, obwohl es unmöglich war, den Gesang nicht mitzubekommen. Aber Brady spielt inzwischen seit 17 Jahren in der NFL, er weiß längst, wie er unbequeme Themen umgehen kann. Ob denn dieser Endspieleinzug angesichts seiner Vier-Spiele-Sperre eine besondere Genugtuung sei, wollte ein anderer Kollege wissen. Wieder verzichtete Brady auf jede Spitze in Richtung Goodell. Er bemühte stattdessen einen Profisport-Klassiker - und sprach von der "harten Arbeit", die Trainer und Mitspieler investiert hätten.

"Verdammt, da muss man einfach glücklich sein"

Brady ist abseits des Platzes kein besonders spannender Typ, trotz seiner Ehefrau Gisele Bündchen. Hat er aber einen Football in seinen Händen, gibt es kaum aufregendere Spieler. Das bewies er auch gegen Pittsburgh, denen mit Runningback Le'Veon Bell ihrerseits ein zuletzt überragender Akteur frühzeitig mit einer Leistenverletzung ausfiel.

Brady spielte in einem überraschend einseitigen Halbfinale fast fehlerfrei und konnte seine Rekordesammlung erweitern.

  • Zum neunten Mal gelangen ihm in einer Playoff-Partie drei Touchdown-Pässe. Somit zog Brady in der NFL-Rekordliste mit dem bislang führenden Joe Montana gleich.
  • Mit seinen Würfen schaffte er einen Raumgewinn von herausragenden 384 Yards - Vereinsrekord.
  • Brady steht zum siebten Mal in einem Super Bowl - so oft, wie kein anderer Spieler der NFL-Geschichte.

Bei einem Sieg wäre er mit dann fünf Titeln auch noch der erfolgreichste Quarterback der Liga-Historie. Rekorde sind Bradys Art, Rache zu nehmen.

Doch darüber wollte Brady nach dem Spiel nicht sprechen. Er freute sich über seinen siebten Finaltripp genauso wie der mit zwei Touchdowns stark aufspielende Wide Receiver Chris Hogan, der erstmals im Endspiel steht. "Es ist unglaublich. Unglaublich. Wir fahren zum Super Bowl. Verdammt, da muss man einfach glücklich sein", sagte Brady.

Sollte er tatsächlich den Titel gewinnen und vielleicht - wie bei drei seiner bisher vier Super-Bowl-Titeln - auch noch die MVP-Trophäe, wartet auf Brady bei der Siegerehrung noch ein ganz besonderer Moment: Zeremonienmeister ist Roger "Roger! Roger!" Goodell.