NFL: Wie Ryan Fitzpatrick die NFL verzaubert - DER SPIEGEL
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Quarterback der Tampa Bay Buccaneers Wie Ryan Fitzpatrick die NFL verzaubert

Er ist aktuell das Gesprächsthema in der NFL: Dabei galt Ryan "Fitzmagic" Fitzpatrick vor der Saison als aussichtsloser Ersatzmann bei einem hoffnungslosen Team. Was ist passiert?
Von Fabian Held
Ryan Fitzpatrick
Ryan Fitzpatrick

Ryan Fitzpatrick

Foto: Christian Petersen / Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als Ryan Fitzpatrick kürzlich vor die Presse trat, mussten die anwesenden Journalisten plötzlich laut lachen. In einem viel zu engen, glänzenden und aufgeknöpften Sakko stand der Quarterback am Pult. Um seinen Hals zwei große, dicke Goldketten. "Sie sind ganz schön schwer", sagte der 35-Jährige, ohne eine Miene zu verziehen.

Was an seinem Aufzug denn wirklich ihm gehöre, fragte ein Medienvertreter. "Das Brusthaar", antwortete Fitzpatrick und musste dann auch lachen. Neben ihm stand sein Teamkollege DeSean Jackson, in Unterhose, und feixte mit. Von ihm hatte sich Fitzpatrick das Outfit geliehen.

Die Stimmung bei Fitzpatrick und seinem Team Tampa Bay Buccaneers ist derzeit prächtig. Der Quarterback selbst ist nach den ersten beiden Saisonspielen die große Überraschung der NFL. Der Fitzpatrick-Vollbart gehört schon zum Standardrepertoire der "Bucs"-Fans, im Internet kursieren "Fitzmagic"-Memes . Eine Erfolgsgeschichte, die vor der Saison alles andere als absehbar war.

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Zum einen gilt Fitzpatrick nicht als sonderlich talentiert, er ist auch als Söldner verschrien. Für sieben Teams spielte er bereits, meist als Ersatz-Quarterback. So auch in Tampa Bay. Mit 35 Jahren schien seine NFL-Karriere eigentlich auch schon so gut wie vorbei. Doch im Sommer wurde klar: Stamm-Quarterback Jameis Winston, einst als talentiertester Nachwuchsspieler seines Jahrgangs gedraftet, wird für drei Spiele gesperrt. Er soll eine Uber-Fahrerin sexuell belästigt haben.

Also musste Fitzpatrick ran. Die Buccaneers galten vor der Saison als eines der schlechteren Teams. Dazu kam ein schweres Auftaktprogramm: Die ersten beiden Gegner waren die Titelanwärter aus New Orleans und Philadelphia. Die Experten rechneten mit zwei Auftaktniederlagen, Bucs-Coach Dirk Koetter galt bei den Buchmachern als heißester Kandidat für die erste Trainerentlassung der Saison.

Doch es kam alles anders.

Fitzpatrick spielte zwei überragende Partien, warf jeweils vier Touchdowns und Pässe für mehr als 400 Yards Raumgewinn. 21 Mal warf er den Ball über 20 Yards - 18 dieser Passversuche kamen an. Für einen Quarterback in der NFL sind diese Zahlen außergewöhnlich gut. Und die Liste ließe sich forstsetzen. "Es macht Spaß", sagt Fitzpatrick dazu ganz abgebrüht.

Ryan Fitzpatrick

Ryan Fitzpatrick

Foto: Mike Ehrmann / AFP

Konstant zwischen o.k. und schlecht

Das dürfte auch an seiner Geschichte liegen. "Ich hatte so viele Höhen und Tiefen in meiner Karriere, ich versuche, es jetzt einfach zu genießen", so der sechsfache Vater. 2005 wurde er als einer der letzten Spieler im Draft gezogen und wechselte dann fast jährlich das Team. Fitzpatrick gilt als einer der intelligentesten Spieler der NFL-Geschichte. Bevor Football-Spieler in den Draft kommen, absolvieren sie eine Reihe von Tests, darunter auch einen IQ-Test. Fitzpatrick bestand ihn mit 48 von 50 Punkten. Mehr hat bis jetzt nur ein anderer Spieler erreicht.

"Es macht Spaß, den Jungs zuzuschauen, wie sie erfolgreich sind", sagt Cheftrainer Koetter. "Wir waren der größte Underdog der NFL". Gleichzeitig sah er vor allem den Sieg gegen den aktuellen Meister aus Philadelphia kritisch: "Nimm zwei Big-Plays und einen guten Drive vor der Halbzeit raus und es ist eine sehr fehlerhafte erste Hälfte von uns."

Genau das ist auch das Problem der Bucs: Derzeit scheint alles zu klappen, was Fitzpatrick versucht. Jeder riskante Pass findet sein Ziel, dazu kommen ungewöhnliche Fehler des Gegners. Die Chance, dass es einfach so weiter geht, liegt rein statistisch gesehen quasi bei null. "Die wichtigste Sache ist Konstanz", sagt Fitzpatrick. Doch genau die ging ihm bislang völlig ab. Seine Zahlen schwankten stets zwischen "in Ordnung" und "schlecht".

Egal, wie gut er spielt, er ist nicht die Zukunft der Bucs

Die Fans wollen die aktuell gute Phase auskosten, der Quarterback sieht es ähnlich: "Wenn man älter wird, genießt man es mehr, wenn es gut läuft. Denn du weißt, dass es Probleme geben wird". Mit seiner ironischen Art, seinen trockenem Humor und der typisch amerikanischen Underdog-Geschichte kommt Fitzpatrick gut an. Doch allen ist klar: Er ist nicht die Zukunft des Teams, egal, wie erfolgreich er spielt. Die Bucs werden weiter auf Winston bauen.

Kurzfristig steht Trainer Koetter dennoch vor einem Problem: Wen soll er in die Startformation stellen? Winston, der die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte, aber mit 24 Jahren noch nicht den Zenit seiner Leistungsgrenze erreicht hat. Oder doch einen 35-Jährigen, der vielleicht selbst gar nicht genau weiß, wieso er gerade so gut spielt?

Eine Antwort könnte das nächste Ligaspiel geben. Die Bucs treten in der Nacht von Montag auf Dienstag zu Hause gegen die Pittsburgh Steelers an. Es ist die letzte Partie, für die Winston gesperrt ist. Verzaubert Fitzpatrick mit seinen Pässen weiter die NFL, hat er gute Chancen, zumindest in dieser Spielzeit der Starting-Quarterback zu bleiben. Und vielleicht haben die Bucs mit ihm doch eine Chance, in die Playoffs zu kommen. Es hätte etwas Magisches.

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