Nicolas Kiefer: Triumph in der "Traumstadt" - DER SPIEGEL
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Nicolas Kiefer Triumph in der "Traumstadt"

Nicolas Kiefer hat das ATP-Turnier in Hongkong gewonnen. Der 23-Jährige besiegte im Finale den Australier Mark Philippousis in drei Sätzen und feierte damit seinen zweiten Turniersieg in diesem Jahr.
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Hongkong - Nicolas Kiefer hat mit dem Sieg beim Tennisturnier in Hongkong sein "Seuchenjahr" beendet. Nur zwei Wochen nach dem bittersten Moment seiner Karriere bei den Olympischen Spielen in Sydney, als er mit einem Muskelfaserriss in der ersten Runde ausschied, holte sich der 23-Jährige am Sonntag durch einen souveränen 7:6 (7:4), 2:6, 6:2-Erfolg gegen den Australier Mark Philippoussis seinen insgesamt sechsten Turniersieg. Schweißgebadet, aber überglücklich reckte der Holzmindener bei 35 Grad und über 80 Prozent Luftfeuchtigkeit die Arme nach dem verwandelten ersten Matchball in die Höhe und sagte: "Es ist unglaublich; ein tolles Wochenende für Deutschland."

Schon vor dem Endspiel hatte sich Kiefer ausgemalt: "Erst gewinnen die Fußballer in England, dann holt Schumi den WM-Titel und schließlich gewinne ich hier das Turnier." Nachdem die beiden ersten Ziele am Sonntagmorgen erfüllt waren, "musste ich ja gewinnen", meinte der beste deutsche Tennisprofi im Gespräch mit der dpa. Ganz ungetrübt war der Erfolg allerdings nicht. "Mein Handgelenk hat teilweise stark geschmerzt. Aber ich habe mich durchgebissen", so der Sieger. "Hoffentlich kann ich kommende Woche in Tokio spielen."

Nach dem so kurz nach der Olympia-Verletzung unerwarteten Erfolg offenbarte Kiefer zum ersten Mal, wie sehr ihn das Aus geschmerzt hat. "Es war furchtbar. Ich war unheimlich frustriert. Aber inzwischen habe ich es überstanden." Die Pleite von Sydney fügte sich nahtlos in die Serie der Rückschläge, die der Niedersachse nach seinem Sieg in Dubai erfahren und erlitten hatte. Immer wieder warfen ihn Verletzungen zurück und schließlich brachte erst die Trennung von Trainer Bob Brett den Umschwung. Mit Sven Groeneveld hoffte Kiefer sogar, seinen olympischen Traum erfüllen zu können. Es kam anders. Als ausgerechnet Thomas Haas Silber holte, war Kiefers Sportsgeist besonders gefordert. Und der "Sturkopf" bewies, dass er sich positiv verändert hat.

Dass er auch als Tennisspieler einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, mussten beim 6:4, 6:2 im Halbfinale der chancenlose Brite Tim Henman und auch Endspielgegner Philippoussis eingestehen. "Im dritten Satz war ich völlig von der Rolle", sagte der Australier. Gleich sein erstes Aufschlagspiel hatte er abgegeben und sich über seine drei Doppelfehler dermaßen echauffiert, dass er sein Racket zerschmetterte. Prompte Reaktion des Schiedsrichters: Verwarnung. Von dem Ärger erholte sich Philippoussis nicht, zumal ihm Kiefer auch keine Chance dazu ließ. Nach dem 4:0 war der Sieg des an Nummer drei Gesetzten nur noch Formsache.

In Tokio will der WM-Halbfinalist nun seinen Titel verteidigen und danach in Schanghai, Stuttgart und Paris die nötigen Punkte sammeln, um beim Saisonfinale in Lissabon dabei sein zu können. "Aber daran denke ich jetzt noch nicht", sagte er in Hongkong, packte seine Tasche und ging mit Coach Groenefeld in der "Traumstadt" den Sieg feiern. Auch Thomas Haas steigt an diesem Montag wieder ins Geschehen ein. Der Silbermedaillen-Gewinner spielt mit einer Wildcard in Wien.

In Tokio holte Serena Williams unterdessen ihren dritten Turniersieg. Die Amerikanerin setzte sich in Tokio (535.000 Dollar) mit 7:5, 6:1 gegen Julie Halard-Decugis aus Frankreich durch.

Von Andreas Bellinger, dpa