Nowitzki in Dallas: Der Dirk-Fanatiker - DER SPIEGEL
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NBA-Playoffs: Nowitzki-Hype im Rathaus

Foto: TIM SHARP/ REUTERS

Nowitzki in Dallas Der Dirk-Fanatiker

Dallas versinkt im NBA-Wahn. Nach dem Ausgleich in der Finalserie gegen Miami Heat wollen die Mavericks auch Spiel fünf gewinnen. Ein selbsternannter Garant für den Sieg sitzt im Nowitzki-Trikot auf der Tribüne - Bürgermeister Dwaine Caraway. Er sagt: "Wenn ich nicht da bin, verlieren wir."
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Der Blick aus dem Büro von Dwaine Caraway gehört zu den schönsten von ganz Dallas. Aus seinem Arbeitszimmer im fünften Stock des Rathauses hat der Bürgermeister die beeindruckende Skyline der Millionen-Metropole vor sich. Gläserne Wolkenkratzer wechseln sich mit Backsteinbauten ab, die mit etwas Phantasie noch den Charme der Gründungszeit vor rund 170 Jahren versprühen.

Caraway bezeichnet seine Geburtsstadt als "einen der besten Plätze der Welt". Und derzeit, sagt er, erlebe man eine der "aufregendsten Zeiten in der Geschichte von Dallas". Das liegt nicht etwa an neu entdeckten Ölfeldern, wie damals, 1930, sondern an den Basketballern der heimischen Mavericks. Sie spielen in der NBA gegen das Star-Ensemble der Miami Heat um die Meisterschaft. "Phantastisch", jubelt Caraway, "einfach phantastisch".

Dass es in der "Best-of-seven"-Finalserie nach vier Spielen 2:2 steht, die Mavericks nicht etwa 3:1 führen und somit vor der fünften Partie in der Nacht zu Freitag (3 Uhr, MESZ) keinen Matchball haben, mögen Experten auf die bislang nicht so überzeugende Trefferquote von 41,4 Prozent zurückführen. Oder auf die Bankspieler, die die ganze Saison über ein Garant für Erfolge waren, sich in den Finals aber lediglich beim 86:83-Heimsieg in Spiel vier deutlich von denen der Miami Heat abhoben.

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Dallas-Fans: Nur die Mavericks im Kopf

Foto: TOM PENNINGTON/ AFP

Caraway hingegen gibt keinem der Spieler die Schuld, sondern nur sich selbst: "Ich versuche, so oft es geht, in der Arena zu sein und die Mavericks zu unterstützen. Und wenn ich nicht da bin, verlieren wir. Ich war leider in Spiel drei verhindert - das Ergebnis kennen Sie ja." Dallas musste eine 86:88-Niederlage einstecken.

Am Dienstag saß Caraway dann wie gewohnt in einem Nowitzki-Trikot auf seinem Stammplatz im American-Airlines-Center. Er fieberte mit seinem fiebernden Lieblingsspieler aus Deutschland, der trotz Grippe die Mavericks zum ganz wichtigen Sieg führte. "Dirk ist wie ein Wunder. Er hat nicht nur auf dem Basketballfeld Einfluss auf das Team, sondern auch auf die Stadt. Die Leute hier in Dallas lieben Dirk", sagt der Bürgermeister. Er sei ein Gentleman und perfektes Vorbild.

Caraway ist fest davon überzeugt, dass Nowitzki mit seinem Team in spätestens einer Woche endlich den ersten NBA-Meistertitel feiern wird. Denn beim fünften Spiel in Dallas wird der Bürgermeister wieder in der Arena sein. "Wir werden wieder gewinnen. Und wenn ich anschließend nach Miami fliegen muss, um dem Team im Titelkampf Glück zu bringen, dann mache ich das selbstverständlich."

Dallas' Bürgermeister schwärmt von Nowitzkis Teamqualitäten

Caraway jettet ohnehin viel um die Welt. Und bei jeder seiner Dienstreisen sprechen er und seine Entourage mit Politikern, Persönlichkeiten oder Wirtschaftsexperten über Dirk Nowitzki, "denn wir lieben ihn so sehr." Kürzlich erst weilte Caraway in Nigerias Hauptstadt Abuja und überreichte dem dortigen Senator Bala Mohammed zu dessen Freude ein Mavericks-Trikot mit seinem Namen und Nowitzkis Rückennummer 41.

Wenn Caraway über den Würzburger spricht, zieht ein Lächeln über sein Gesicht. Und wenn er Nowitzkis unnachahmlichen Sprungwurf im Rückwärtsfallen beschreibt, würde er am liebsten dabei aus seinem dunklen Ledersessel hüpfen. Das Stadt-Oberhaupt ist Afro-Amerikaner. Und Basketball sei bislang vorrangig von Afro-Amerikanern dominiert worden, betont er. Aber Nowitzki, dieser große Deutsche, könne einfach alles - werfen, rebounden, dribbeln, passen, dunken. Auch zeige er Führungsqualitäten und lege großen Wert auf einen intakten Mannschaftsgeist. "Dirk", sagt Caraway, "ist ein absoluter Allrounder."

Seit 1980 haben die Mavericks in Dallas eine Heimat. In dieser Zeit haben die Footballer der Dallas Cowboys mit ihrem überragenden Quarterback Troy Aikman und Ausnahme-Runningback Emmitt Smith 1993, 1994 und 1996 den Super Bowl gewonnen. Die Eishockeyspieler der Dallas Stars um Superstar Mike Modano holten 1999 erstmals den Stanley Cup nach Nordtexas. Aikman, Smith und Modano seien in ihren jeweiligen Sportarten die Größten gewesen, die je in Dallas gespielt hätten, so Caraway. Aber wenn es um Basketball geht, dann gibt es keinen besseren als Nowitzki.

Caraway schätzt vor allem die Loyalität des deutschen Superstars, der 1999 in die USA kam, seitdem alle seine 1115 NBA-Spiele im Mavericks-Trikot absolviert hat und Dallas längst als "Heimat" bezeichnet. "Dirk ist eine große, talentierte Persönlichkeit, die respektiert wird und sich respektvoll gibt. Er ist offen, aufgeschlossen gegenüber der Stadt und ihren Menschen und assoziiert sich mit Dallas", betont der Bürgermeister.

So sicher Caraway sich auch ist, dass Nowitzki sein Team zum Titel führen wird, so abweisend gibt er sich bei der Frage nach einer Meisterparade. Aus gutem Grund: Als Dallas in den Finals 2006 seine beiden Heimspiele gegen Miami gewonnen hatte und mit einer 2:0-Führung nach Florida flog, hatte die damalige Bürgermeisterin Laura Miller voreilig verkündet, dass es eine Parade für den "World Champion" aus Dallas geben werde, sobald das Team zurückkomme. Doch das Fest fand nie statt. Weil Miami die Serie noch 4:2 gewann und den Titel holte. In Dallas reden sie seitdem vom "Fluch der Laura Miller".