"Null Toleranz": Dopingsündern drohen lebenslange Sperren - DER SPIEGEL
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"Null Toleranz" Dopingsündern drohen lebenslange Sperren

Erschüttert vom Skandal um das neue anabole Steroid THG hat der US-Leichtathletik-Verband ein drakonisches Vorgehen gegen Dopingsünder angekündigt. Derweil wurde durch einen Zeitungsbericht ein dritter Top-Athlet namhaft gemacht, der positiv auf THG getestet wurde.
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Indianapolis - Mit einem neuen Strafregister, das lebenslange Sperren und Geldstrafen bis zu 100.000 Dollar vorsieht, will der USATF die Sportwelt von einer grundlegenden Änderung seiner weltweit kritisierten, weil nachlässigen Handhabung der Dopingbekämpfung überzeugen.

Verbandsgeschäftsführer Craig Masback präsentierte am Mittwoch einen unter dem Titel "Null Toleranz" stehenden Initiativplan und gab zugleich bekannt, dass bei den US-Titelkämpfen im Juni im kalifornischen Stanford vier Leichtathleten positiv auf THG getestet wurden. Namen nannte er nicht. Allerdings enthüllte die "Washington Post" unter Berufung auf eine sichere Quelle aus der Leichtathletik, dass die US-amerikanische Weltklasseläuferin Regina Jacobs bei den Titelkämpfen positiv getestet worden sei.

Mit Jacobs ist nach ihrem Landsmann, dem Kugelstoßer Kevin Toth, und dem britischen Sprinter Dwain Chambers der dritte Sportler namhaft gemacht worden, der in den in der Vorwoche aufgedeckten Dopingskandal verwickelt sein soll. Die 40-Jährige, die am 1. Februar in Boston die 1500 Meter in 3:59,98 Minuten als erste Frau in der Halle unter vier Minuten gelaufen war, gehört wie Toth und Chambers zu den Kunden des Bay Area Laboratory Co-Operative (Balco). In dem kalifornischen Unternehmen soll das THG entwickelt worden sein.

Gegen das Unternehmen sollte am Donnerstag vor einem Bundesgericht in San Francisco eine Anhörung beginnen, zu der 40 namhafte Spitzensportler geladen worden sind. Darunter befinden sich Toth, Baseball-Star Barry Bonds von den San Francisco Giants sowie Sprinterin Kelli White, die wegen der Einnahme des Stimulanzmittels Modafinil vor der Aberkennung der beiden Goldmedaillen von der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Paris steht.

Masback räumte ein, dass bisher nicht alles zur Dopingbekämpfung getan worden sei, was hätte getan werden können. Nun soll festgeschrieben werden, dass Dopingsünder und deren Trainer schon beim ersten positiven Test lebenslänglich gesperrt und mit bis zu 100.000 Dollar Strafe belegt werden können. Um Dopingvergehen auf die Spur zu kommen, sollen Privatdetektive eingesetzt werden. Der Maßnahmenkatalog kommt beim Verbandstreffen Anfang Dezember zur Abstimmung.

Der Sprecher des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), Nick Davies, erklärte zu den Plänen: "Wenn die Amerikaner einen legalen Weg finden, eine lebenslange Sperre beim Nachweis von anabolen Steroiden zu verhängen, können sie das tun. Wir haben nichts dagegen." Die IAAF bestraft Erstsünder mit zwei Jahren Sperre. Dies träfe auch noch für die jetzt positiv auf THG getesteten Leichtathleten zu, die noch nicht nach den neuen Regeln bestraft werden könnten, sagte Masback. Die zu einer möglichen Bestrafung erforderlichen Ergebnisse der B-Proben werden voraussichtlich erst im Dezember vorliegen.

USATF hat auch die wichtigsten US-Sportverbänden zu einem "Notfall-Doping-Gipfeltreffen" aufgerufen, das in den nächsten zwei Wochen in Washington stattfinden soll. "Die Situation, in der wir uns befinden, ist kein Leichtathletik- oder Baseball-Problem, sondern ein amerikanisches Problem. Mehr als vier Prozent der Highschool-Schüler beispielsweise haben zugegeben, in den letzten Jahren Steroide eingenommen zu haben", sagte Masback. Inzwischen überlegen auch die Verantwortlichen der Football-Liga NFL, ob sie noch vorhandene Dopingproben auf THG nachprüfen lassen. Dagegen erklärte sich die Basketball-Liga NBA dazu nicht in der Lage.

Die hektischen USATF-Aktivitäten sind dadurch ausgelöst worden, dass das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) den Verband vor einer Woche ultimativ aufgefordert hatte, bis zum 17. November einen Maßnahmekatalog zu erstellen, wie USATF mit Dopingvergehen und -sündern verfahren sowie die Glaubwürdigkeit der Sportart wieder herstellen will. USOC drohte damit, den Verband aufzulösen.