Olli & Andi Abschied, Pizza und Zukunftspläne
SPIEGEL ONLINE:
Andi, wie habt Ihr Euren letzten Tag in Sydney verbracht?
Andi Scheuerpflug: Die gestrige Feier im Deutschen Haus hatte ihre Nachwirkungen. Wir haben beide ziemlich lange geschlafen, uns danach über die Zukunft unterhalten und versucht, einen Schlussstrich unter das Kapitel Olympia zu ziehen. Der Erfolg von Ahmann/Hager motiviert uns - wir haben gesehen, was man erreichen kann und wollen noch bis Athen 2004 weiterspielen. Mit dem hier erreichten Resultat können wir uns natürlich nicht zufrieden geben und aufhören.
SPIEGEL ONLINE: Was wirst Du an Sydney vermissen - die Kantine im olympischen Dorf?
Andi: Ja und Nein. Einerseits ist es natürlich toll, 24 Stunden am Tag Zugriff auf zubereitetes Essen zu haben. Auch die Auswahl war ausreichend: Um das Standardangebot Pizza und Nudeln herum - die Nudeln übrigens nicht al dente und die Pizza nicht so richtig italienisch - wurde immer wieder variiert. Aber selbst die beste Kantine wird mit der Zeit eintönig.
SPIEGEL ONLINE: Also war Sydney für Euch kein Gourmet-Erlebnis?
Andi: Dafür, dass hier aber in enormen Mengen gekocht wird - jeden Tag wurden 17.000 Stück Fleisch gebraten -, war das Essen richtig gut. Nie fettig, sondern ausgewogen und meiner Meinung nach deutlich besser als das ebenfalls angebotene McDonalds-Essen. Eine Meinung, die allerdings - wenn man sich auf den Tabletts ein bisschen umschaut - wohl nicht von allen Athleten geteilt wurde. Am faszinierendsten fand ich aber, dass es überhaupt keine Wartezeiten gab. Die Theke hat eine Gesamtlänge von etwa 100 Metern, jedes Gericht wird immer mindestens zweimal angeboten. Dadurch verteilt sich alles sehr gut, man hat nie mehr als zwei bis drei Personen vor sich.
SPIEGEL ONLINE: Ist die Kantine für jeden im Dorf zugänglich?
Andi: Nein, es gibt unterschiedliche Akkreditierungen. A-Akkreditierung für all diejenigen, die die ganze Zeit im Dorf leben. Einige Ärzte, Trainer und Physios haben jedoch nur eine so genannte B-Akkreditierung, mit der sie zwar Zutritt zum Dorf haben, hier aber nicht übernachten oder essen dürfen. Deshalb stehen vor beiden Eingängen jeweils vier Kontrolleure, die genau auf die Akkreditierungen schauen, ob auch das Essenszeichen drauf ist. Und damit die Bs nicht von den As versorgt werden, muss jeder am Eingang seinen Rucksack abgeben.
SPIEGEL ONLINE: Das erinnert verdächtig an deutsche Bürokratie.
Andi: Ich wollte einmal morgens mit Rucksack in die Kantine, wurde aber sofort darauf hingewiesen, dass ich ihn abgeben müsse. Mein Einwand, dass ich nur einen Kaffee holen und zur anderen Seite wieder raus wolle, wurde freundlich abgewehrt: Die Helferin bot mir an, dass sie den Rucksack zum anderen Eingang tragen könne, ich dürfe damit aber nicht in die Kantine. Solch ein Verhalten haben wir immer wieder erlebt: Es gibt zwar Regeln, die eingehalten werden müssen, aber niemand ist dabei allzu stur. Jeder versucht, Probleme zu beseitigen, den Sportlern zu helfen. Man wird richtig verwöhnt. Diese Einstellung werde ich in Deutschland auf jeden Fall mehr vermissen als die Kantine.
Das Gespräch führte Martin Paetsch