Olli & Andi: Alte Männer im Pub - DER SPIEGEL
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Olli & Andi Alte Männer im Pub

Das tägliche Interview mit den beiden deutschen Beachvolleyballern Olli Oetke und Andreas Scheuerpflug. Heute: Das Halbfinale am Bondi Beach und das direkte Aufeinandertreffen mit dem "australian spirit".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Olli und Andi, was sagt Ihr eigentlich zum Erfolg Eurer Beach-Kollegen Ahmann/Hager, die jetzt in Sydney um Bronze spielen?

Andi Scheuerpflug: Ist natürlich super für den deutschen Beachvolleyball-Sport, dass die beiden hier so einen riesigen Erfolg haben. Aber wir sehen das natürlich auch mit einem weinenden Auge: Wir haben die beiden eigentlich das ganze Jahr über immer geschlagen haben. Dennoch: Jörg und Axel spielen tolles Volleyball - sonst hätten wir ja auch ab und an nicht solche Probleme mit ihnen gehabt -, und die beiden haben völlig verdient das Spiel um Platz drei erreicht. Vor aller Rivalität steht, dass unser Sport durch solche Erfolge bekannter gemacht wird - und genau das machen die beiden durch die schönen Spiele, die sie zeigen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr habt Euch die Spiele der beiden am Bondi Beach angeschaut?

Olli Oetke: Klar. Es ist sowieso schon etwas besonderes, einem olympischen Halbfinale beiwohnen zu können, und wenn dann auch noch Deutsche spielen... Danach sind wir dann in die Stadt gefahren - ich mit meiner Freundin, Andi hat sich mit einem australischen Freund getroffen, mit dem er in der Schweiz zusammen gespielt hatte.

SPIEGEL ONLINE: Und Andi, weißt Du jetzt mehr über das Land, in dem Ihr Euch aufhaltet?

Andi: Australien unterscheidet sich nicht groß von Europa. Und um Euch die Sorge auch gleich zu nehmen: Wir haben weder Känguruhs gejagt noch Koalas gegrillt, sondern bei einem Bier über die alten Zeiten gequatscht, wie zwei alte Männer. Und wie wir das so in dem Pub rumsaßen, haben wir noch weitere alte Männer getroffen. Die haben dann mitbekommen, dass ich "Olympionike" bin und wollten sofort wissen, wie ich die Spiele in Sydney erlebe. Ihre größte Sorge schien zu sein, dass ich die Organisation schlecht und die Leute unfreundlich finden könnte.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt nicht gerade selbstbewusst?

Andi: Das sehe ich anders. Für die Australier scheinen die Spiele die Möglichkeit zu sein, der Welt zu zeigen, dass sie eine offene, freundliche Art haben und Fremde sehr herzlich aufnehmen. Einer der Männer in dem Pub meinte, dass ihm Medaillen seiner Landsleute zwar eine Menge bedeuten; das mit Abstand Wichtigste an den Spielen aber sei die Vermittlung des "australian spirit". SPIEGEL ONLINE: Funktioniert die Vermittlung des "spirit" in Eurem Fall?

Olli: Auf jeden Fall. Es ist - ganz ehrlich - wirklich unglaublich, wie nett und hilfsbereit alle Helfer sind. Ob das die Busfahrer oder die Frauen in der Kantine sind - selbst die Leute vom Sicherheitsdienst haben immer ein Lächeln, werden nie aggressiv. Und das Faszinierende ist, dass sich diese Stimmung auf die Gäste zu übertragen scheint. Auch wenn einmal etwas nicht klappt, bleibt jeder ruhig, niemand wird hektisch. Nicht einmal die Athleten, wenn der Busfahrer den Weg mal nicht kennt - es sei denn der Umweg wird allzu groß. Man kann diesen Leuten kaum böse sein. Einige unserer Landsleute sollten sich diese Australier zum Vorbild nehmen.

Das Gespräch führte Thomas Lötz.