Olli & Andi: Olli, allein im Dorf - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Olli & Andi Olli, allein im Dorf

Das tägliche Interview mit den deutschen Beachvolleyballern Olli Oetke und Andreas Scheuerpflug. Heute: Andi ist abgereist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Dein Kollege Andi ist heute abgeflogen. Wie alleine fühlst du dich jetzt, Olli?

Olli Oetke: Endlich habe ich Ruhe von ihm - nein, Quatsch. Ist natürlich schade, dass wir die Schlussfeier nicht gemeinsam erleben können, aber Andi braucht jetzt auch einen gewissen Abstand. Er will mit seiner Freundin noch in den Urlaub fahren. Außerdem haben wir in den letzten Tagen sowieso nicht immer alles gemeinsam unternommen. Meine Eltern und meine Freundin sind hier in Sydney. Wettkämpfe und die Stadt anschauen, das werden wir natürlich auch in den nächsten Tagen machen.

SPIEGEL ONLINE: Habt Ihr neue Kontakte knüpfen können?

Olli: Kontakt nicht direkt. Wir haben die beiden deutschen Pfarrer hier im Dorf kennen gelernt. Einen evangelischen und einen katholischen. Sie sind dauernd präsent, fahren auf Wettkämpfe, abends ins Deutsche Haus.

SPIEGEL ONLINE: In vollem Ornat?

Olli: Nein, natürlich nicht im Priestergewand, sondern im Trainingsanzug. Einer der beiden kommt sogar aus dem Leistungssport - wie wir aus dem Volleyball. Er hat in den siebziger Jahren in der Nationalmannschaft gespielt. Die zwei sind immer noch sehr sportbegeistert und finden dadurch leicht Zugang zu den Athleten.

SPIEGEL ONLINE: Mussten sich die beiden auch für die Spiele "qualifizieren"?

Olli: Nein, beide Kirchen bieten diesen "Dienst" auf eigene Kosten an. Sie wollen dabei nicht Werbung in eigener Sache betreiben, sondern einfach nur die Möglichkeit zum Gespräch geben. Nach Angaben der beiden Pfarrer haben zahlreiche Athleten ein Interesse an einem "guten Gespräch". Offenbar tut es vielen Sportlern gut, aus diesem Druck, der bei Olympia vorhanden ist, auszubrechen und sich mit jemandem zu unterhalten, der nichts fordert, nichts erwartet, der viele Dinge mit einem gewissen Abstand sehen kann.

Das Gespräch führte Thomas Lötz.