Olympia 2012: Bolt mit großer Show über 100 Meter - DER SPIEGEL
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100-Meter-Sieger: Die Supershow des Usain Bolt

100-Meter-Finale Im Bann der Bolt-Show

Der 100-Meter-Lauf von London war das bisher größte Spektakel dieser Spiele, mit Sieger Usain Bolt als dem Meister der Selbstinszenierung. Dessen Glamour garantiert weltweite Aufmerksamkeit für die Leichtathletik - und überstrahlt selbst Dopinggerüchte.
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Es war viel mehr als nur ein Lauf. Spektakel, Show, Entertainment - das sind die Worte, mit denen das 100-Meter-Finale der Männer von London bedacht wurde. Mit dem Meister der Inszenierung mittendrin. Niemand beherrscht das Spiel mit dem Fernsehen, mit dem Publikum, mit den Emotionen so perfekt wie Usain Bolt - das hat der Sonntagabend im Olympiastadion von London nachdrücklich bewiesen. Wahrscheinlich gibt es keinen angemesseneren Botschafter für den modernen Sport.

Ein Bolt, der seine Kaspereien auf der Laufbahn zelebriert, Purzelbäume schlägt und für die TV-Kameras posiert, aber keine Leistung bringen würde, wäre allerdings das Eintrittsgeld nicht wert. Bei aller Show: Am Ende stand die zweitbeste je gelaufene Zeit. 9,63 Sekunden - das ist eine Dimension, in der sich außer dem Jamaikaner kein Athlet bewegt. Ob sie Yohan Blake, Justin Gatlin oder Tyson Gay heißen - alle mussten am Sonntag die Überlegenheit des Mannes aus Trelawny Parish anerkennen.

Zehn Sekunden als die größte Show auf Erden

Nicht einmal zehn Sekunden, die wie ein Jahrhundertereignis in Szene gesetzt worden waren. Das ZDF stieg bereits Stunden vor dem Rennen in die Bolt-Berichterstattung ein, Moderator Claus Kleber beendet das "heute-Journal" mit den Worten: "Wir wollen jetzt Usain Bolt nicht weiter im Wege stehen." Ein 100-Meter-Finale ohne den 25-Jährigen wäre nicht nur ein paar Hundertstel Sekunden langsamer gewesen, es wäre auch nur halb so unterhaltsam gewesen.

Die Eröffnungsfeier dieser Spiele in der Vorwoche war als "größte Show auf Erden" angekündigt worden. Eigentlich jedoch galt dieses Wort dem Duell der weltbesten Sprinter. Als der 100-Meter-Lauf losging, hatten die bedauernswerten Hammerwerfer ihren Wettkampf im Olympiastadion noch nicht beendet. Kein Mensch interessierte sich mehr für sie.

Bolt ist dank der Leichtathletik zum Superstar und Multimillionär geworden. Auf der anderen Seite braucht die Sportart einen wie Bolt. Er ist es, der der Leichtathletik den Glamour verleiht. Er ist es, der ihr weltweite Aufmerksamkeit garantiert, ein Magnet für Sponsoren ist er darüber hinaus. Bolt ist der Hauptgewinn.

Ein gedopter Bolt wäre das Schlimmste, was passieren könnte

Da rückt die Frage, ob der Jamaikaner seine phänomenalen Zeiten allein dem Training oder doch vielleicht anderen Methoden verdankt, zwangsläufig in den Hintergrund. Im Radsport würden solche Leistungen postwendend die Dopinggerüchte auf den Plan bringen, im Schwimmen auch.

Bolt dagegen überstrahlt mit seiner Persönlichkeit, mit seiner körperlichen Präsenz selbst dieses Thema. Hinweise auf die lässige Art, mit der in Jamaika mit Dopingkontrollen umgegangen wird, bleiben Nebengeräusche. Ein gedopter Bolt - was nicht sein darf, kann nicht sein.

Bolt hat gesagt, der Olympiasieg von London sei "der erste Schritt auf dem Weg, eine Legende zu werden". Der Superstar ist in London überall gegenwärtig, auf praktisch jedem Plakat, in jedem Schaufenster, in jedem Werbespot. Es sind die Usain-Bolt-Spiele. Da kann im 200-Meter-Lauf am Donnerstag und in der Sprintstaffel am Samstag, wenn der Jamaikaner seine fünfte und sechste olympische Goldmedaille einheimsen will, passieren, was es wolle. Spätestens seit Sonntag ist er Teil der olympischen Geschichte.

Bolt hat, befragt nach seinem Erfolgsrezept, gesagt: "Ich habe nur das getan, was ich immer gemacht habe. Ich bin einfach nur gelaufen." Ganz einfach.